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WEC: 24 Stunden von Le Mans

Der Faktor F1 in Le Mans

In der Le-Mans-Szene tummelt sich immer mehr motorsportliche Prominenz: Mark Webbers Rückkehr mit Porsche und weitere Formel-1-Stars an der Sarthe.

Wenn in wenigen Tagen die Le-Mans-Woche 2014 beginnt, dann werden insgesamt 18 Piloten viel Erfahrung aus der Formel 1 mit in das Fahrerlager des Circuit de la Sarthe bringen. Der prominenteste Neuzugang in der Szene ist eindeutig Mark Webber. Der frühere Red-Bull-Teamkollege von Sebastian Vettel hat bei Porsche angedockt und möchte bei der Rückkehr der Stuttgarter in den Kampf um Gesamtsiege gemeinsam mit Timo Bernhard und Brendon Hartley (Startnummer 20) erfolgreich sein.

Der Webber-Faktor in der Szene ist nicht zu unterschätzen. Die Menschenmassen vor der Porsche-Hospitality in Silverstone waren beeindruckend. Der Australier holte mal eben seinen Kumpel Adrian Newey in die Box, der sich wiederum von Technik und Professionalität begeistert zeigte. Dies alles wirkt weit über die WEC und Le Mans hinaus. In Zukunft dürften einige weitere Formel-1-Piloten über einen Schritt nachdenken, wie ihn Webber nun getan hat.

"Die Chemie ist eine andere", freut sich der Australier über mehr Harmonie bei gleichzeitig intensivem Wettbewerb. Ein Teamkollege ist plötzlich ein netter Kollege, kein Gegner, der mit allen Mitteln eine Zehntelsekunde Vorsprung herausholen will. "In der Formel 1 ist die Chemie nicht wirklich schlecht, aber auf der Langstrecke ist es komplett anders. Ich war auch in der Formel 1 mit vielen Piloten gut befreundet, aber das ist weniger intensiv, weil man sich das Auto nicht teilen muss", sagt Webber.

"Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere ist das gut. Ende meiner Dreißiger ist es genau das, was der Arzt verschrieben hat", scherzt der neunmalige Grand-Prix-Sieger, der in den Vorjahren häufig intensive Stallduelle gegen Sebastian Vettel austragen musste. "Ich glaube, jetzt haben sich alle ein wenig abgekühlt. Wir hatten nie das beste Verhältnis, aber letztendlich haben wir uns immer respektiert und hatten deutlich weniger Probleme als das immer dargestellt wurde", meint Vettel.

Der viermalige Formel-1-Weltmeister, der sich derzeit gegen den stark auftrumpfenden Daniel Ricciardo behaupten muss, schaut immer mal wieder in Richtung WEC. "Ein bisschen verfolgt man das natürlich. Unser Testfahrer Sebastien Buemi ist da auch dabei, wenn auch für ein anderes Team. Ich glaube, Porsche gibt richtig Gas, ich wünsche Mark natürlich alles Gute." Ex-Formel-1-Fahrer wie Alex Wurz (Toyota), Lucas di Grassi (Audi) oder Nick Heidfeld (Rebellion/bald Werksfahrer bei Nissan?) haben die Szene bereits kennen und lieben gelernt.

"Meine Annahme war, dass mir nichts außer der Formel 1 so viel Adrenalin verschaffen könnte, aber dieses Auto schafft es", sagt Webber über den Fahrspaß im Porsche 919 Hybrid. Auch Wurz schildert immer wieder seine Freude in den schnellen LMP1-Autos. Fahrzeuge für echte Männer - so der Tenor. "Die Serie ist klasse und weltweit eine der besten Adressen. Großartige Hersteller, sensationelle Strecken", macht Webber noch mehr Werbung für die Prototypenszene.

Am Renntag in Le Mans wird Webber wieder Besuch bekommen. Nicht erneut von Red-Bull-Stardesigner Newey, sondern von Formel-1-Superstar Fernando Alonso, der ein enger Freund des Australiers ist. Der Spanier wird das 56 Fahrzeuge umfassende Feld am Samstagnachmittag um 15:00 Uhr auf die Reise schicken. Ein Hinweis auf eine mögliche Zukunft auf der Langstrecke? Wer weiß. Die Gerüchte um ein bereits anlaufendes LMP1-Projekt von Ferrari reißen jedenfalls nicht ab.

Die WEC und Le Mans sind mittlerweile eine Topadresse im Motorsportsport - vor allem für jene Talente, deren Speed für die Königsklasse ausreichend sein mag, aber deren Geldbeutel einfach zu klein ist. Der amtierende GP2-Champion Fabio Leimer ist mit Rebellion in der LMP1-Klasse unterwegs, die erfahrenen Formel-1-Test- und Entwicklungspiloten Sam Bird, James Calado, James Rossiter und Oliver Turvey fahren in den verschiedenen Klassen der Langstrecken-WM.

Le Mans war für Piloten aus der Königsklasse schon immer eine beliebte Anlaufstation, allerdings gibt es derzeit zur Vergangenheit einen großen Unterschied: Es kommen keine aktiven Grand-Prix-Piloten mehr zum Rennen an der Sarthe. Dies hat verschiedene Gründe. Einerseits lassen Formel-1-Verträge solche Einsätze in anderen Kategorien oft schlichtweg nicht zu, andererseits tat die über viele Jahre bestehende Überschneidung des 24-Stunden-Rennens und des Formel-1-Grand-Prix in Kanada ihr Übriges.

Das war mal ganz anders. Im Jahr 1950 waren vier der besten zehn Formel-1-Piloten auch bei den 24 Stunden von Le Mans am Start. 1970 traf sich fast die ganze Königsklasse an der Sarthe. 15 der besten 20 Fahrer in der Formel-1-WM jenes Jahres war beim Klassiker in Frankreich am Start. Vielleicht werden solche besonderen Frankreich-Ausflüge der Grand-Prix-Stars bald wieder möglich sein? An Interesse seitens der Piloten dürfte es kaum mangeln.

Die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) und das berühmte 24-Stunden-Rennen von Le Mans sind für Piloten so attraktiv wie schon lange nicht mehr. In der Szene können Rennsport-Profis jenes Geld verdienen, das sie bei einem etwaigen Engagement in der Formel 1 mitbringen müssten. In der sogenannten Königsklasse werden derzeit höchstens zehn Fahrer nur für das Fahren bezahlt - keine Mitgift, keine Sponsoren im Schlepptau.

Allein bei den drei Werksteams der LMP1-Klasse verdienen derzeit über 20 Fahrer richtig gutes Geld, hinzu kommen die zahlreichen Profis in den GTE-Pro-Mannschaften von Ferrari (AF Corse), Aston Martin und Porsche. Auch in der LMP2-Klasse nehmen nicht wenige Profis pro WEC-Rennwochenende ihre 15.000 bis 30.000 Euro mit. Wer also mit Motorsport seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte, ist in der Langstreckenszene gut aufgehoben - wenn die sportlichen Leistungen stimmen.

Grand-Prix-Erfahrung in Le Mans 2014 (gesamt 1.166 Grands Prix):
Giancarlo Fisichella (AF Corse) - 229 Grands Prix - 3 Siege
Mark Webber (Porsche) - 215 Grands Prix - 9 Siege
Nick Heidfeld (Rebellion) - 183 Grands Prix
Mika Salo (SMP) - 110 Grands Prix
Alexander Wurz (Toyota) - 69 Grands Prix
Sebastien Buemi (Toyota) - 55 Grands Prix
Christian Klien (Morand) - 49 Grands Prix
Bruno Senna (Aston Martin) - 46 Grands Prix
Marc Gene (Jota) - 36 Grands Prix
Kazuki Nakajima (Toyota) - 36 Grands Prix
Pedro Lamy (Aston Martin) - 32 Grands Prix
Jan Magnussen (Corvette) - 25 Grands Prix
Anthony Davidson (Toyota) - 24 Grands Prix
Lucas di Grassi (Audi) - 18 Grands Prix
Gianmaria Bruni (AF Corse) - 18 Grands Prix
Karun Chandhok (Murphy) - 11 Grands Prix
Olivier Beretta (AF Corse) - 9 Grands Prix
Stephane Sarrazin (Toyota) - 1 Grand Prix

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