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Historischer Ritt mit dem Erdgas-Boliden

motorline.cc erlebte als Co-Pilot, wie Rudi Stohl beim WM-Lauf in Deutschland den Erdgas-Mitsubishi als Vorausauto pilotierte.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Manfred Wolf

Geht man einen Deal mit dem Teufel ein, muss im Normalfall mit eigenem Blut unterschrieben werden - bei Günther Aschacher, dem Erschaffer des Erdgas-Boliden von Stohl Racing, genügt ein normaler Kugelschreiber - dafür muss man gleich drei Verzichtserklärungen unterschreiben, will man Platz nehmen, neben Rallye-Legende Rudi Stohl, im CNG-betriebenen Mitsubishi Evo VI.

Der Altmeister steuerte im Rahmen des WM-Laufs in Deutschland eines der Vorausautos - womit Stohl Racing den ersten Erdgas-Boliden in der Rallye-WM stellt. Sponsor OMV lud verschiedene Personen ein, auf dem "heißen Sitz" Platz zu nehmen - motorline.cc war am Sonntagvormittag an der Reihe, es wurde die 13,68 Kilometer lange SP 17, namens "Birkenfelder Lande" befahren. Und zwar ganz und gar nicht langsam.

Gut, Ihr Autor ist ein wenig "vorbelastet": Vier Jahre aktiver Kartsport (davon 1,5 Jahre Staatsmeisterschaft) in den Jahren Schnee, plus eine Teilnahme als Co-Pilot bei der Semperit-Rallye in Waidhofen, ebenfalls schon eine Zeit her, gemeinsam mit einem Kartkollegen und Hobby-Rallye-Debütanten (Ausfall in SP 1, aber 4 Tage aufregendes Training).

Die Anfahrt

Nach dem Festzurren geht es zunächst gemächlich über die Verbindungsstrecke in Richtung Sonderprüfung-Start. Als Navigator tauge ich wenig - vielmehr verblättere ich das Roadbook, finde dann aber doch wieder die richtige Seite, um sie Rudi Stohl so hinzuhalten, dass er sie während der Fahrt tatsächlich lesen kann. Vor dem Start erzählt der Vater von Manfred Stohl, wie sehr er von dem Erdgas-Konzept begeistert sei. "Ich war anfangs auch skeptisch - aber dann habe ich mich immer mehr vertieft und schließlich sogar Vorlesungen zum Thema Erdgasantrieb besucht."

Wir stehen am Start - Rudi Stohl kurbelt das Fenster runter und begrüßt die Kontrollorgane mit einem freundlichen "Guten Morgen, die Herrschaften!" Unsere Kontrollkarte wird abgestempelt. Jetzt dauert es nicht mehr lange. Unsere Helme sitzen fest auf unseren Köpfen. Und los geht's.

Der Start

Mit einem gewaltigen Ruck, wie von der Tarantel gestochen, setzen wir uns in Bewegung. Ich stelle das Plaudern, über den Helmfunk, vorerst ein und genieße die Fahrt. Und: Ich bin erfreut, wenig Frühstück zu mir genommen zu haben. Als wir über eine Kuppe fahren, bremst Stohl und sagt: "Das ist halt der Unterschied zu den aktiven Teilnehmern - denn wir haben ja keinen Schrieb, hier muss ich auf Sicht fahren." Ich antworte: "Ich bin irgendwie recht froh, jetzt nicht lesen zu müssen."

Wir nähern uns einigen Strohballen, eine künstliche Schikane. Mit einer eleganten Lenk-Bewegung - links/rechts/links - nimmt der Altmeister - 1986 Vizeweltmeister der Gruppe A, mehrmaliger Teilnehmer an der legendären Safari-Rallye, usw. - die Passage. Mein Kopf wird zwischen den beiden "vorgeklappten Mickey Maus-Ohren" des Schalensitzes hin und her katapultiert.

Immer wieder wundere ich mich darüber, wie man so spät bremsen und so früh Gas geben kann - zumindest dort, wo Stohl eine freie Sicht hat, lässt er nichts anbrennen. Cheftechniker Günther Aschacher sagt später: "Ich bin überzeugt, dass man mit dem Erdgasantrieb sogar die Benzinmotoren schlagen kann..."

Wir nähern uns in einem Waldstück einer Kurve - ein kleiner Junge steht an einer für ihn gefährlichen Position und fotografiert uns aus nächster, etwas zu großer Nähe. Irgendwann erreichen wir dann - leider - die Zieldurchfahrt und bremsen ab. Stohl berichtet von dem kleinen Jungen, da solle man noch einmal nachschauen, bevor dann die Weltelite des Rallyesports angerast kommt.

Die Zieleinfahrt

Wir begutachten die Zeit auf der Kontrollkarte. 10:06 Minuten. Stohl sagt lachend: "Merk dir die Zeit, denn eines sag ich dir: Letzter wären wir mit dieser Zeit sicher nicht - obwohl wir auf Sicht fahren mussten." Tatsächlich: Später brennt Dani Sordo eine Bestzeit von 7:56 Minuten in den Asphalt. Mit unserer Zeit würden wir Rang 49 belegen (bei 56 Teilnehmern) - zieht man für den fehlenden Schrieb eine Minute ab, hätten wir uns direkt hinter Landsmann Kris Rosenberger auf Rang 34 eingereiht.

Wir fahren die Verbindungsetappe zum Treffpunkt - dort wartet bereits motorline.cc-Fotograf Manfred Wolf - er ist der nächste, der die historische erste Präsenz eines Erdgas-Boliden bei einem WM-Lauf aus nächster Nähe erleben wird.

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