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Walter Röhrl beantwortet Fan-Fragen

Im Vorfeld der Deutschland-Rallye stellte sich der 59jährige Ex-Weltmeister und nunmehrige Porsche-Testfahrer Walter Röhrl den Fragen der Rallye-Fans.

Peter K. aus Florstadt: „Was denken Sie über Weltmeister Sébastien Loeb – undwerden Sie ihn persönlich bei der OMV ADAC Rallye beobachten?“

Röhrl: „Sébastien Loeb ist für mich der Prototyp eines Weltklasse-Fahrers, ein großesNaturtalent. Es ist nur schade, dass er außer vom Finnen Marcus Grönholm kaumGegendruck erfährt. Denn nur unter Druck ist man zu noch besseren Leistungen fähig.Aber ich lasse mich am Rallye-Wochenende persönlich überraschen, ob sich dieWettbewerbssituation nicht doch noch verändert.“

Andy R. aus Sprockhövel: „Werden Sie nochmals bei der Rallye Köln-Ahrweiler starten– und wenn ja, mit welchem Fahrzeug?“

Röhrl: „Sicherlich, aber dann auch mit besseren Reifen auf möglichst einem Porsche911.“

Holger H. aus Trier: „Was sagen Sie zu der derzeitigen Situation des Subaru-Werksteams und dessen Topfahrer Petter Solberg?“

Röhrl „Ich wundere mich nur über den Defekt-Teufel bei Subaru, zumal sie bisherimmer zu den Spitzenreitern zählten – abermehr kann ich aus der Distanz heraus nichtdazu sagen.“

Micha B. aus Daun: „Ich bin ein leidenschaftlicher Rallye-Fan und möchte nun nachdiversen Fahrer-Seminaren aktiv starten. Raten Sie mir als Anfänger nun zu einemRallye-Auto mit Front- oder mit Heckantrieb?“

Röhrl: „Ich persönlich habe Hecktriebler immer mehr gemocht, damit bin ich großgeworden. Sie sollten aber mit einem Fronttriebler anfangen, weil der vomFahrverhalten her den im Spitzensport üblichen Allradlern näher kommt. So würdeIhnen beim Aufstieg in die Topklasse der Umstieg auf einen WRC mit Allradantrieberheblich leichter fallen.“

Gregor M. aus St. Wendel: „Haben Sie sich früher den Aufschrieb auf deutsch oderenglisch vorlesen lassen?“

Röhrl: „Natürlich in deutsch, denn damals fuhren wir erheblich längere Etappen alsheute, und von daher habe ich meine Kondition nicht noch mit Englisch-Kenntnissenschwächen wollen. Schließlich reagiert der Mensch auf seine Muttersprache selbst imHalbschlaf.“

Eric M. aus Merzig: „Ich möchte zukünftig als Beifahrer bei Oldtimer-Rallyes starten –wie kann ich mich als Neuling besser darauf vorbereiten?

Röhrl: „Da kann ich eigentlich nur die ADAC-Beifahrerschule empfehlen, weil einemdort das gesamte Aufgabenspektrum kompakt beigebracht wird.“

Patrick S. aus Nürnberg: „Wie unterscheiden sich die WM-Rallyes von vor 25 Jahrenund heute?“

Röhrl: „Bei früheren Rallyes wurde mehr Wert auf Zuverlässigkeit und Ausdauergelegt – wir fuhren erheblich längere Strecken und mehr Prüfungen. Heute sind dieWM-Läufe eine Aneinanderreihung von mehreren Mini-Rennen, wo eher Sprinter-Qualitäten gefragt sind. Die Rallye-Autos von heute sind untereinander ziemlich gleichwertig und für jede Rallye speziell abgestimmt. Früher mussten wir eine mangelhafteFahrwerksabstimmung oder andere Nachteile auf Schotter bzw. Asphalt mit unseremFahrtalent ausgleichen, das ist heute nicht mehr möglich.“

Markus N. aus Kerpen: „Welche wird die schwierigste Etappe oder Prüfung bei derdiesjährigen Deutschland-Rallye sein?“

Röhrl: „Die Weinberg-Prüfungen an der Mosel und die schnellen Asphalt-Pisten imSaarland haben zweifellos ihre Reize, doch Baumholder halte ich nach wie vor für dieschwierigste Etappe. Ich weiß auch, dass viele Fahrer-Kollegen von heute über die sogenannten Hinkelsteine nörgeln, doch diese Betonrandsteine gehören einfach zum Rallyesport. Hirnlose Helden werden dadurch schnell eingebremst und lernen, einesauberere Linie zu fahren. Von daher dienen diese Hinkelsteine sogar einer gewissenCharakter-Bildung des Fahrers.“

Alexander Z. aus München: „Wo bleibt der deutsche Nachwuchs? Fehlt es an Geldoder mehr an Talenten?"

Röhrl: „Geld hat immer gefehlt, das war zu meinen Anfängen nicht anders als heute.Dank der aktuellen Förderprogramme für den Nachwuchs – auch seitens des ADAC –blitzt auch das ein oder andere Talent durch. Doch oft habe ich das Gefühl, dieseBuben kämpfen nicht konsequent genug für ihren Erfolg –vielleicht sind wir alle zubequem geworden und haben dabei den Biss verloren.“

Marc S. aus Hamburg: „Warum wird bei der Rallye-WM nicht mehr im Dunkelngefahren?“

Röhrl (Seine bravourösen Nacht- und Nebel-Bestzeiten quittierten Mitbewerber damals mit dem Hinweis, dass der Bayer wohl Röntgen-Augen haben müsse.): „DieNachtfahrten von früher sind ein Mosaikstein mehr, den man mit der Modernisierunghin zu Sprint-Rallyes entfernt hat. Die Rallye-Nacht ist heute zum Schlafen und nichtzum Gucken da, was ja durchaus auch eine angenehme Seite hat.“

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