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Rallye: Historie

Die Erfolgsgeschichte

Die Rückkehr von Toyota in die Rallye-WM wurde offiziell bestätigt – wir blicken zurück auf die Erfolgsgeschichte, viele Jahre war Toyota eine feste Größe…

Fotos: Toyota Motorsport Group

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Toyota in der Rallye-Weltmeisterschaft? Woran sich viele jüngere Motorsportfans kaum mehr erinnern werden, immerhin zog sich der japanische Hersteller vor 16 Jahren aus der WRC zurück, das lässt viele Anhänger des gepflegten Drifts mit der Zunge schnalzen. Denn über viele Jahre hinweg war Toyota eine feste Größe in der Rallye-WM.

Die Rallye-Fahrzeuge von Toyota, insbesondere der Celica mit seinen charakteristischen Klapp-Scheinwerfern, haben noch heute Kultstatus. Rallye-Legenden wie Carlos Sainz, Juha Kankkunen oder Didier Auriol gewannen WM-Titel in Serie. Doch wie viele große Erfolgsgeschichten begann auch diese ganz klein.

1971 gewann der schwedische Rallye-Fahrer Ove Andersson mit einem Renault Alpine die Rallye Monte Carlo. Was das mit Toyota zu tun hat? Der japanische Hersteller, der damals im Rallyesport Fuß fassen und Rivalen Datsun (heute Nissan) angreifen wollte, sicherte sich nicht zuletzt aufgrund dieses Erfolges die Dienste Anderssons. Der dankte das Vertrauen und fuhr gleich beim ersten Start mit dem Toyota Celica bei der RAC-Rallye 1971 in die Top 10.

Das war der Beginn einer langen Zusammenarbeit zwischen Andersson und Toyota, die den Schweden im Jahr 1973 neben der Rolle als Fahrer auch zum Teamchef machte. In diesem Jahr wurde im schwedischen Uppsala das Team "Andersson Motorsport" gegründet - allerdings mehr aus der Not heraus.

Denn auf dem langen Transportweg zwischen der Toyota-Zentrale in Japan und den Rallyes in Europas waren die Autos immer wieder beschädigt worden. Das nervte Andersson, und so schuf er eine Basis in Europa, die später über Brüssel im Jahr 1979, damals schon unter dem Namen Toyota-Team-Europe (TTE), in den Kölner Stadtteil Marsdorf in die Toyota-Allee zog.

Dieses Erbe wird auch heute noch in dem mittlerweile unter dem Namen Toyota Motorsport GmbH (TMG) firmierenden Unternehmen hochgehalten. In Erinnerung an den 2008 im Alter von 70 Jahren bei einer historischen Rallye in Südafrika verunglückten Teamgründer, tragen noch heute die Rallye- und Dienstfahrzeuge der TMG Nummernschilder mit den Buchstaben K-AM - für Andersson Motorsport.

Bis zum ersten Erfolg sollte das neue Toyota-Team-Europe nicht lange warten müssen. Schon im Jahr 1975 gewann Hannu Mikkola auf einem Corolla 1600 die 1000-Seen-Rallye in Finnland. Weitere Erfolge in der Rallye-Weltmeisterschaft ließen aber zunächst auf sich warten, doch dafür entdeckte Toyota seine Liebe zum afrikanischen Kontinent.

Ab Anfang der 1980er-Jahre ging TTE, nun mit einem Celica, regelmäßig bei der Safari-Rallye in Kenia sowie bei der Rallye Elfenbeinküste an den Start. Bei den Marathon-Veranstaltungen, die durch die Tropenhitze, monsunartige Regenfälle, ausgefahrene Straßen und tiefe Wasserdurchfahrten Mensch und Maschine bis ans Äußerste forderten, konnten die Toyota ihre Steher-Qualitäten ausspielen. Zwischen 1983 und 1986 gelangen Björn Waldegaard und Juha Kankkunen insgesamt sechs Siege in Afrika.

In der Rallye-WM war gegen die Konkurrenz von Peugeot, Lancia oder Audi damals in der Hochzeit der gleichermaßen spektakulären wie gefährlichen Gruppe-B-Monster aber kein Kraut gewachsen. Das sollte sich nach dem Willen von Toyota in der Saison 1987 ändern. Dann war die Einführung einer neuen Klasse S für die Rallye-Weltmeisterschaft geplant, die den Ingenieuren noch mehr technische Freiheiten geben sollte.

"Es gab dafür nie offizielle, veröffentlichte Regeln", erinnert sich Toyota-Urgestein John Day im Gespräch mit dem Fachmagazin Pitwalk. "Alles basierte auf dem gesprochenen Wort." Toyota wagte trotzdem die Entwicklung eines Prototypen, der auf dem MR2 basierte und intern auf den Namen 222D hörte. Das spektakuläre schwarze Geschoss, dass heute noch in der Firmenzentrale in Köln steht, beeindruckt auch knapp 30 Jahre später mit seiner Motorleistung von mehr als 600 PS aus einem 2,14-Liter-Vierzylindermotor.

Doch dieses Auto sollte nie eine Rallye fahren. Nach einigen tödlichen Unfällen verbannte der Automobil-Weltverband die Gruppe B aus dem Rallyesport und mit ihr noch vor der offiziellen Geburt auch die Gruppe S. Der 222D wanderte ins Museum. Doch dieser Rückschlag entmutigte die Toyota-Truppe nicht. Vielmehr machten sich die Ingenieure gleich an die Entwicklung des nächsten Autos, des Celica GT-Four.

Das intern als Baureihe ST165 bezeichnete Auto mit den aus der Serie übernommenen Klappscheinwerfern debütierte 1988. Ein Jahr später gelang Toyota damit der erste Sieg in der Rallye-WM, der gleich ein Doppelerfolg war. Juha Kankkunen gewann die Rallye Australien vor seinem Teamkollegen Kenneth Ericsson. Sechs weitere Podestplätze deuteten in dieser Saison das Potenzial des Celica GT-Four an, welches dann 1990 voll zur Entfaltung kam.

Mit vier Siegen, vier zweiten und einem dritten Platz sicherte sich Carlos Sainz überlegen die Fahrer-Weltmeisterschaft. Waldegaard steuerte einen weiteren Sieg zur Erfolgsbilanz von Toyota bei, die sich in der Herstellerwertung nur knapp Lancia geschlagen geben mussten. Es war der Beginn einer goldenen Ära für Toyota - und eines packenden Duells Sainz gegen Kankkunen.

Der Toyota und der Lancia-Pilot kämpften in den folgenden beiden Jahren gegeneinander um die Weltmeisterschaft, und der Ausgang war jeweils äußerst knapp. 1991 setzte sich Kankkunen mit sieben Punkten Vorsprung gegen Sainz durch, im Folgejahr behielt der Spanier um zehn Punkte die Oberhand gegenüber seinem finnischen Rivalen.

In diesen Jahren schlug bei Toyota auch die Stunde eines deutschen Piloten. Mit Erfolgen in der Europameisterschaft hatte Armin Schwarz das Team auf sich aufmerksam gemacht. Nach wechselhaften Ergebnissen sollte 1991 in Spanien seine große Stunde schlagen. Schwarz gewann mit der Rallye Catalunya seinen ersten WM-Lauf, doch das sollte ein einmalige Ereignis bleiben. Bis heute ist Schwarz der letzte Deutsche, der eine WRC-Rallye gewann.

1995: WM-Ausschluss nach Manipulation

Für Toyota ging die Erfolgsgeschichte aber auch 1993 weiter, nachdem Sainz und Kankkunen die Teams gewechselt hatten. Kankkunen bescherte Toyota, mittlerweile mit der zweiten Generation der Celica GT-Four, nicht nur den dritten Fahrer-Titel in vier Jahren, sondern gewann zusammen mit Teamkollege Didier Auriol auch zum ersten Mal die Herstellerwertung. 1994 verteidigte Toyota beide Titel, dieses Mal sicherte sich aber Auriol die Fahrer-Krone.

1995 steig Toyota auf die Baureihe ST205 des Celica um. Die charakteristischen Klappscheinwerfer verschwanden, ein großer Heckspoiler zierte das Auto und auch unter der Haube hatten sich die Toyota-Ingenieure eine raffinierte Lösung einfallen lassen. Mit der fielen sie aber letztendlich auf die Nase und sorgten für einen Schandfleck in der Historie des Teams.

Mittels eines auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennenden Ventils gelang es den Toyota-Technikern, die Luftmengenbegrenzer des Turboladers zu umgehen und dem Motor so mehr Luft zuzuführen. So entwickelte das Aggregat nach Schätzungen von Experten rund 50 zusätzliche PS. Doch bei der Rallye Catalunya flog der Schwindel auf.

"Es war das ausgeklügelte System, dass ich in meinen 30 Jahren im Motorsport jemals gesehen hatte", zollte der damalige FIA-Präsident Max Mosley dem Einfallsreichtum der Ingenieure zwar Anerkennung. Doch vor einer drakonische Strafe schützte das Toyota trotzdem nicht. Die FIA schloss das Team nachträglich von der gesamten WRC-Saison 1995 aus und sperrte es auch für das folgende Jahr.

Der Einsatz der Fahrzeuge wurde nun auf Privatteams übertragen, doch an die Erfolge seiner Ahnen konnte der Toyota Celica GT-Four der dritten Generation nicht mehr anknüpfen. Erst 1998 kehrte Toyota wieder werksseitig in die Rallye-WM zurück, und sorgte mit dem Corolla WRC noch einmal für Furore. Der zu Toyota zurückgekehrte Sainz und Auriol bescherten den "kölschen Japanern" in den nächsten beiden Jahren noch einmal vier WM-Siege und als Krönung 1999 den dritten Herstellertitel, doch mit dem Ende des zweiten Jahrtausends fiel in der Rallye-Abteilung von TMG der Hammer.

Denn 2002 wollte Toyota in die Formel 1 einsteigen, daher wurden die Ressourcen der Kölner Fabrik fortan für dieses Projekt benötigt, und das Engagement in der Rallye-WM wurde eingestellt. Ein standesgemäßer Abschluss blieb dem Team verwehrt. Beim letzten WM-Lauf 1999 in Großbritannien erreichten weder Sainz noch Auriol oder Ex-Formel-1-Pilot Martin Brundle, der einen dritten Corolla WRC fuhr, das Ziel.

Toyota entdeckt den Rallyesport wieder

Anschließend war es viele Jahre lang ruhig um das Thema Rallye und Toyota - zumindest nach außen. "Die WRC ist bei TMG aber immer ein Thema gewesen", bestätigt TMG-Geschäftsführer Rob Leupen. Ein erstes Indiz dafür lieferte im Jahr 2012 die Entwicklung des Yaris R1A, mit dem TMG ein preisgünstiges Einsteigerfahrzeug auf den Markt brachte.

2014 legten die Kölner dann mit der Entwicklung des GT86 CS-R3 nach, der bei seinem Debüt als Vorausfahrzeug bei der Rallye Deutschland für Aufsehen sorgte. Das Design des Mittelmotor-Coupes nimmt Anleihen an den erfolgreichen Celica, der Boxermotor sorgt für satten Sound und erstmals seit vielen Jahren kommt wieder ein Rallye-Fahrzeug mit Heckantrieb auf den Markt.

Während für diese Kundenprojekte frühzeitig die Werbetrommel gerührt wurde, arbeitete TMG im Verborgenen noch an einem anderen Auto. Anfang vergangenen Jahres kam heraus, dass in den Werkshallen in Köln ein Yaris WRC entsteht. Im Frühjahr ging das Auto zum ersten Mal auf die Strecke, wobei TMG auf die Dienste von Stephan Sarrazin zurückgriff, der eigentlich in der Langstrecken-Weltmeisterschaft für Toyota fährt, aber auch im Rallye-Auto schnell unterwegs ist.

Beim Projekt Yaris WRC arbeitete TMG zunächst auf eigenen Rechnung, denn grünes Licht für das WRC-Comeback gab es aus der Zentrale in Japan noch nicht. Das folgte erst Anfang 2015 - und auch erst zur Saison 2017. Bis dahin hat Toyota nun noch zwei Jahre Zeit, den Yaris so fit zu machen, dass er das Erbe seiner erfolgreichen Ahnen antreten kann.

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Video: Onboard im Yaris WRC Video: Onboard im Yaris WRC Toyota vor Comeback-Verkündung Toyota vor Comeback-Verkündung

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