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WRC: Schweden-Rallye

Am Ende siegt wieder einmal Ogier

Den möglichen ersten WM-Sieg vor Augen zu haben, war wohl zu viel für Mikkelsen – Sieg für Ogier. Solberg/Minor ohne Punkte, Zellhofer im Ziel.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Photo4, Harald Illmer

Die Qualitäten eines Rennfahrers offenbaren sich, wenn dieser schwer unter Druck steht und zugleich einen persönlichen Meilenstein vor Augen hat. Aufgrund der neuen Startreihenfolge hatte Andreas Mikkelsen in Schweden die Chance seines Lebens, den ersten WRC-Sieg einzufahren. Vor der letzten, rund 18 Kilometer langen Sonderprüfung führte er im alten VW Polo R WRC exakt drei Sekunden vor seinem Teamkollegen Sebastien Ogier…

Während Ogier auf der finalen Powerstage in gewohnter Profi-Manier die maximale Leistung aus seinem 2015er-Polo und aus sich selbst hervorbrachte und damit auch die drei Zusatzpunkte für den Powerstage-Sieg einheimste, gingen bei Mikkelsen wohl die Nerven durch: „Out of the road“ heißt das im Fachbegriff – immerhin konnte Mikkelsen mit 39,8 Sekunden Rückstand Platz drei hinter Neuville nachhause fahren. So erspart er sich den Zorn seiner Arbeitgeber – in den eigenen Hintern darf er sich aber getrost beißen.

Mikkelsen erklärte jenen Moment, in dem er das Image des „dritten Mannes“ bei Volkswagen loswerden hätte können: „Ich habe die Schneebank berührt, der Schnee kam herein und wir blieben stecken. Wir haben auf dieser letzten Prüfung wirklich alles versucht – das ist für mich das Wichtigste. Und hoffentlich haben wir beim nächsten Mal mehr Glück.“

Das „Glück des Tüchtigen“ war jedoch auf der Seite von Ogier, der nach seiner Zielankunft noch nicht wissen konnte, dass seine Gegner unterliegen werden. Mit Stolz jedoch konnte er berichten: „Ich habe alles versucht – wir sind hier auf 85 Prozent der Strecke wirklich Vollgas gefahren.“ Letztendlich konnte der Weltmeister der letzten beiden Jahre ein zufriedenes Resümee ziehen: „Ich kann auf diesen Sieg wirklich stolz sein. Aufgrund der neuen Startreihenfolge haben wir viel Zeit eingebüßt – auf der letzten Prüfung hatte ich mächtig Spaß!“

6,4 Sekunden fehlten Thierry Neuville auf einen möglichen Überraschungssieg im alten Hyundai. Der Belgier kann zumindest mit dem guten Gefühl schlafen gehen, dass er alles versucht und das Maximum gegeben hat: „Ich habe wirklich voll attackiert – lediglich an einer Stelle hätte man wohl noch schneller fahren können. Für das Team ist das wie ein Weckruf.“

Den Umständen entsprechend kann auch Ott Tänak im M-Sport-Ford mit seiner Leistung zufrieden sein – immerhin konnte er Platz vier belegen, auch wenn sein Rückstand am Ende beinahe 2,5 Minuten betrug. Zufrieden erklärte der Este: „Wir hatten am Beginn der Rallye ein paar Probleme, doch dann konnten wir eine starke Position einnehmen.“

Hayden Paddon rundete mit Platz fünf das gute Ergebnis für Hyundai ab, Elfyn Evans sorgte mit Platz sechs für weitere Punkte an das britische M-Sport-Team.

Kris Meeke belegte als bester Citroen-Werkspilot Platz sieben, sein Teamkollege Mads Östberg konnte auf der Powerstage die drittschnellste Zeit markieren, beendete die Rallye jedoch nur auf Platz zehn. Mit dem Wissen, dass ein Kaliber wie Sebastien Loeb mit diesem Auto die Führung übernehmen kann, sind diese Ergebnisse für das einstige Topteam eigentlich nur beschämend…

Umso großartiger die Leistung des tschechischen Privatiers Martin Prokop, der im Ford Fiesta RS WRC des Czech National Teams den guten achten Platz belegen konnte. Platz neun belegte mit Yuriy Protasov ein weiterer Privatier in einem Fiesta WRC.

Kevin Abbring landete im dritten Hyundai auf dem „verflixten“ elften Platz, dahinter reihte sich Jari-Matti Latvala ein. Der Volkswagen-Werkspilot fährt mit leeren Händen heim, was dem Seelenleben des sensiblen Finnen wahrscheinlich auch nur wenig weiterhelfen wird…

Henning Solberg und Ilka Minor kamen ins Ziel - nach ihrem Lapsus am Freitag, als sie fünf Minuten in einer Schneebank steckend verloren, gab es diesmal jedoch keine WM-Punkte, das norwegisch-österreichische Duo landete auf Platz 13.

Solberg gab offen zu: „Ich hatte diesmal keine Freude bei dieser Rallye – doch ich werde stärker zurückkehren.“ Großes Plus: Erstmals konnte der Solberg-Bolide so etwas wie ein Design aufweisen – in punkto Beklebung also ist ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar.

„Ich habe dieses Wochenende eigentlich keinen Fehler gemacht“, rechtfertigte sich der offenbar ob seiner zahlreichen Abflüge bereits ein wenig traumatisierte Robert Kubica, der diesmal eher mit technischen und mit regeltechnischen Problemen zu kämpfen hatte, eine Regeldiskrepanz in Bezug auf den Turbo-Boost brachte ihm in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine Zeitstrafe von 300 Sekunden ein. Am Ende reichte es nur für Platz 20.

In der WRC-2 gewann Jari Ketomaa im R5-Fiesta klar vor Eyvind Brynildsen im S2000-Fiesta. Valeriy Gorban wurde in einem Mini S2000 Dritter.

Seine offene Rechnung wollte Max Zellhofer mit der Schweden-Rallye begleichen – Jahre nach seinem Ausfall im hohen Norden kehrte er in einem perfekt aufgebauten Suzuki Swift Super 1600 zurück.

Zwar konnte er gegen Lokalmatador Ole Christian Veiby im Citroen DS3 R3 so gut wie nichts ausrichten und auch der Schwede Emil Bergkvist war im Opel Adam R2 um Lichtjahre schneller – doch dass die Skandinavier auf dem schwedischen Schnee eine eigene Kraft darstellen und es daher schwer werden wird, hier aufzuzeigen, war von vornherein klar. Das Wichtigste haben Zellhofer und sein Copilot Andre Kachel jedoch geschafft: Sie kamen ins Ziel, auf Platz 37.

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