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WEC: Analyse

Toyota-Vorsprung auf Privatiers zu groß

Nach dem Sechs-Stunden-Rennen in Spa steht fest: Die privaten LMP1-Teams haben trotz "EoT" zu großen Rückstand auf die Werks-Toyota.

Die Diskussionen um die Einstufung der privaten LMP1 in der Langstrecken-WM 2018/19 gehen weiter. ACO und FIA hatten versprochen, den kleineren Teams wie ByKolles, Rebellion oder SMP die Möglichkeit zu geben, auf Schlagdistanz zu den Hybridboliden von Toyota zu bleiben. Beim Saisonauftakt in Spa-Francorchamps war davon nicht viel zu sehen, im Gegenteil: Die TS050 fuhren den Privatiers deutlicher davon als erwartet.

In Belgien hatte der siegreiche Toyota TS050 LMP1 von Alonso, Buemi und Nakajima nach sechs Stunden Rennzeit volle zwei Runden Vorsprung auf den drittplatzierten Rebellion R13 von Beche, Laurent und Menezes, obwohl beim führenden Fahrzeug nicht alles rund gelaufen war: Ein Dreher von Nakajima und ein zusätzlicher Boxenstopp wegen eines Problems mit den Gurten sorgten für Verzögerungen. Wie groß der Unterschied tatsächlich war, wurde eher anhand des zweiten Toyotas deutlich, der am Ende ebenfalls zwei Runden vor Rebellion lag, obwohl er nach einer Strafe im Qualifying mit einer Runde Rückstand startet musste.

"Unser Autos waren schnell, wir waren absolut das schnellste Privatteam, aber ein echter Wettbewerb gegen Toyota ist unter den aktuellen Voraussetzungen nicht möglich", klagte Rebellion-Vizepräsident Calim Bouhadra. "Platz drei ist wie ein Sieg", meinte auch Neel Jani, der sich den R13-Gibson mit André Lotterer und Bruno Senna teilt. "Wir mussten so dermaßen viel Sprit sparen und haben einfach nicht die Systeme, die das für uns optimieren. Es ist unglaublich schwierig."

Privat-LMP1 müssen länger tanken

Die Privatteams der LMP1-Klasse haben in der Equivalence of Technology (EoT), dem LMP-Pendant zur Balance of Performance bei den GT-Fahrzeugen, an sich klare Vorteile. Deren Autos dürfen mit einem Mindestgewicht von 833 Kilogramm fahren, während die Toyotas mindestens 45 Kilogramm schwerer sein müssen. Pro Stint dürfen die Privaten 54 Kilogramm Benzin verbrennen, die TS050 der Japaner hingegen nur 35,1 Kilogramm. Das bessere Chassis, der Allradantrieb und das acht Megajoule starke Hybridsystem machen dies aber mehr als wett.

"Ich hätte erwartet, dass die Privaten näher dran sind. Das hatten unsere Berechnungen eigentlich gezeigt. Ich fand, in Spa waren sie recht weit weg", gab TMG-Boss Rob Leupen offen zu. "Wir haben allerdings in Spa eine Besonderheit. In Relation boosten wir in Spa mehr als in Le Mans: 6,1 Megajoule auf sieben Kilometer Strecke, während es in Le Mans acht Megajoule auf 13,6 Kilometer sind. Dadurch wird der Abstand etwas geringer sein in Le Mans."

Ebenfalls relativieren sollte sich der Reichweitenvorteil. In Spa konnte Toyota pro Stint zwei Runden mehr fahren als Rebellion und Co., in Le Mans wird es eine Runde mehr sein. "Es ist in diesem Jahr eine besondere Situation, weil fast alle privaten LMP1-Autos noch ganz neu sind. Da wird noch viel Entwicklung stattfinden. Man kann das gesamte Potenzial noch gar nicht abschätzen", warnte Toyota-Technikchef Pascal Vasselon vor einem Schnellschuss bei der EoT.

Wie viel Potenzial haben die Autos?

"Nehmen wir mal Rebellion. Die hatten nur drei Testtage mit ihrem neuen Auto, sahen aber in Spa schon ziemlich gut aus", meinte der Franzose. "Basierend auf den Daten, die wir im Winter erhalten haben, hätten wir sie allerdings schneller erwartet. Wir vertrauen auf das, was FIA und ACO entscheiden. Die haben viel mehr Informationen als wir. FIA und ACO können sehen, ob irgendjemand frühzeitig vom Gas geht oder ähnliche Dinge unternimmt."

ACO, FIA und Toyota befürchten, dass die Privatteams in Spa noch nicht ausreichend aussortiert waren und sich die Abstände aufgrund der besonderen Streckencharakteristik in Le Mans relativieren werden. In Belgien war der SMP-BR1-Dallara im zweiten Sektor mit recht vielen Kurven genauso schnell wie Toyota. Die Russen fuhren ebenso in Le-Mans-Konfiguration wie die Japaner. In den anderen beiden Sektoren mit den langen Geraden schenkte aber Toyota der Konkurrenz jeweils rund eine Sekunde ein.

Diese Daten aus Spa-Francorchamps lassen eigentlich vermuten, dass Toyota da 24-Stunden-Rennen im kommenden Monat dominieren wird. Allerdings muss der TS050 auf den Hunaudières-Geraden sehr früh in den Schleppbetrieb, um Treibstoff zu sparen bzw. Energie zurückzugewinnen. Ab wann die privaten LMP1-Autos "segeln" müssen, lässt sich bislang kaum abschätzen. "Wenn uns auf Grundlage der Daten etwas unschlüssig erscheint, können wir die EoT jederzeit anpassen", erklärte ACO-Sportchef Vincent Beaumesnil.

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