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Kommentar: Wie Abgase zu heißer Luft werden

Scandal, what scandal?

VW hat mit der Manipulation von Abgastests zweifellos Unrecht getan. Aber was manche Medien jetzt daraus machen, offenbart deren Ignoranz.

Text: Georg Koman; Foto: Ruben de Rijcke

VW hat bei Abgasmessungen geschummelt, soviel steht fest. Eine Software erkennt den Emissionstest an unnatürlich langsamen Drehzahlschwankungen und ändert die Motorsteuerung.

Via veränderter Abgasrückführung reduziert sich der Stickoxidwert (NOx) während der Messung. Fixiert ist das momentan für Motoren des Typs EA 189 (1.6 und 2.0 TDI), die die Abgasnorm Euro 5 erfüllen. Jene, die bereits Euro 6 erfüllen (wie etwa die TDI-Motoren des aktuellen Golf oder Passat), besitzen eine andere Software.

Derartige Mogeleien gehören abgestellt. Aber im Grunde wird in allen technischen Bereichen auf relevante Testverfahren hingearbeitet.

Seit es den EuroNCAP-Crashtest gibt, werden Autos darauf hingetrimmt, beim versetzten 64-km/h-Crash gut auszusehen. Was sich bei anderen Unfallkonstellationen tut, interessiert niemanden mehr.

Die Lärmmessung wird bei einer bestimmten Drehzahl gemessen. Wenn sich darüber Auspuffklappen öffnen und das Ding röhrt wie 1.000 brünftige Hirsche, stößt sich niemand daran.

Sämtliche Verbräuche sind ideal auf die ECE-Verbrauchsmessung abgestimmt, in der Realität erreicht man die Werte kaum bis gar nicht.

Auch die Stickoxidwerte sind in der Praxis oft weit höher als in den standardisierten Tests, das haben Praxisprüfungen von unabhängigen Institutionen wie dem ADAC schon öfters nachgewiesen - bei verschiedensten Automarken.

Dennoch stimmt die Richtung. Autos emittieren heute um Lichtjahre weniger Schadstoffe als noch vor wenigen Jahren und Jahrzehnten. Man stelle sich bloß einmal hinter einen Oldtimer, der Gas gibt. Die bald eintretenden Kopfschmerzen machen jedes Messgerät überflüssig.

Nun nützen manche Medien den vermeintlichen Skandal, um sich sofort darauf zu stürzen und VW praktisch zum Killer sämtlichen menschlichen Lebens auszurufen, dabei können die Kollegen nicht einmal CO2 und NOx auseinanderhalten.

Immer noch wird häufig von CO2 als "Gift" gesprochen, dabei atmen wir es alle aus. Das Problem ist, dass es in zu hoher Konzentration zur Erderwärmung beiträgt, das macht es aber nicht zum Gift. Im Gegenteil: Pflanzen benötigen es zur Erzeugung von Sauerstoff.

Auch müssen Eigner der genannten VW-Motoren keine Angst um ihr Leben haben, da sind frühere Skandale um grundlos aufgehende Airbags (Zulieferer Takata, 2015), während der Fahrt auf "Aus" springende Zündschlüssel (GM, 2014) oder festhängende Gaspedale (Toyota, 2010) von ganz anderer Qualität.

Leider setzt die Politik immer schneller immer strengere Grenzwerte, um sich ein hübsches Umwelt-Mäntelchen umzuhängen. Technisches Wissen ist dabei kein Thema, damit will (oder kann) man sich nicht belasten.

Und warum stürzen Politik und Medien sich immer wieder nur auf die Autos? Der Österreichische Verein für Kraftfahrzeugtechnik hat z.B in einer Studie nachgewiesen, dass Österreichs Silvesterfeuerwerke in einer einzigen Nacht fast genauso viel Feinstaub emittieren wie der gesamte Fahrzeugverkehr des Landes in einem Jahr.

Bei VW war es absehbar, dass ein großer Kopf rollen wird - es wurde jener des Vorstandschefs Martin Winterkorn. Das Timing der Abgas-Geschichte war übrigens erstaunlich: Knapp nach Winterkorns unerwartet gewonnenem Machtkampf gegen den Patriarchen Ferdinand Piëch und noch knapper vor der geplanten Verlängerung seines Vorstandsvorsitzes kam der Skandal ans Tageslicht...

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