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Kommentar: Tierversuche in der Auto-Industrie

Affen-Theater

Der Diesel-Skandal produziert weiter Schlagzeilen. Jetzt sorgen Berichte über Tierversuche - Affen wurden Abgasen ausgesetzt - für Empörung.

Wolfgang Peters/mid

Wer Affen einsetzen lässt von einem Lobby-Institut für wissenschaftlich betriebene Versuche mit Diesel-Abgasen wird in diesen Tagen geteert und gefedert, durch das Dorf getrieben und dann am Markt abgestraft.

Alle rufen "Skandal", ethische und moralische Werte werden bemüht, Konzernchefs sind entsetzt und ringen um Entschuldigungen, und aufgeregte Kommentatoren wittern eine Kriegserklärung der "Generäle" in der deutschen Autoindustrie. Womöglich mit Hilfe von Wissenschaft gegen jene Wissenschaft, die nicht erst seit den VW-Manipulationen nicht nur die Diesel-Technik, sondern das Auto überhaupt abschaffen will.

Keine Frage, dass die Entscheider bei deutschen Autofirmen mit ihrem beschränkten erfolgsorientierten Tunnelblick und vor dem Hintergrund einer aggressiven Rechtfertigungsstrategie mit dieser Harakiri-Methode allen geschadet haben. Vor allem den Versuchs-Tieren, dem Ansehen der beteiligten Unternehmen und der Technik des Diesel-Motors, die eigentlich gefördert werden sollte. Daraus wurde ein fatales Eigentor.

Dabei wollten die Verantwortlichen in der Autoindustrie wohl endlich jene Belege auf dem Prüfstand sehen, die bisher Umweltorganisationen und Politiker schuldig geblieben sind: Zwar gibt es seit Jahren die sehr unterschiedlichen Grenzwerte für die Schadstoffbelastungen in den Städten und an den Arbeitsplätzen. Dabei geht es um Staub, um kleinste Partikel und um Stickoxide, die mit dem Diesel-Abgas in die Luft gelangen. Daraus werden die Grenzwerte für die Luftbelastung in den Städten abgeleitet und deren Überschreitungen wiederum sind dann die Grundlage für Forderungen nach Fahrverboten.

Dafür liefert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jene Daten, die später in politisch erwirkten Gesetzen und Normen vom politischen Willen für verbindlich erklärt werden. Zudem gibt es einige Studien, die nicht nur alt sind, sondern auch mit wenig wissenschaftlichen Methoden, zum Beispiel beim Umgang mit dieselbetriebenen Transport-Fahrzeugen in geschlossenen Räumen, veranstaltet wurden.

Wie die WHO-Daten entstanden sind, welchen Ansprüchen sie standhalten, welche Methoden für ihre Einschätzung einer gesundheitlichen Gefährdung angewendet wurden, ob und wenn ja, welche Versuche dahinter stecken, das alles muss doch hinterfragt werden. Solche Ergebnisse einer Daten-Nachdenklichkeit sind noch nicht abrufbar. Deshalb tut es Not, von der Politik mehr zu verlangen, als die WHO-Daten zur Norm der Diesel-Verteufelung zu erheben.

Vielleicht bringt die Empörung über die Affen-Versuche auch neue Ansätze zur Erforschung der realen Diesel-Belastung in deutschen Städten. Es muss eben nicht nur am Stuttgarter Neckartor gemessen werden. Und wer sich der Empörung über Affen-Versuche hingibt, sollte besser für mehr Klarheit in der deutschen Diesel-Debatte sorgen.

In jedem Fall hat der VW-Vorstand den Leiter der Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit, Dr. Thomas Steg, inzwischen beurlaubt. Steg wird bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge von seinen Aufgaben entbunden.

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