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Ennstal-Classic 2014

Im Gespräch mit Jo Ramirez

„Ich darf diese Dinge sagen“, freut sich Jo Ramirez. Und holt aus zum Rundumschlag - über Racing, Spritsparen, Strafen, Spielberg und die Ecclestone-Nachfolge.

Michael Noir Trawniczek
Foto: Peter Meierhofer, Photo4

Schon in den Sechzigerjahren hat Jo Ramirez mit 19 Jahren ein Technik-Studium aufgegeben, um als Mechaniker in der Formel 1 zu arbeiten. Sein erstes Team war Maserati, später kamen Ferrari, Tyrrell, ATS, Fittipaldi und einige mehr hinzu. Mit John Wyer-Porsche war Ramirez auch in Le Mans involviert, kehrte jedoch wieder in die Formel 1 zurück.

1984 begann er bei McLaren unter Ron Dennis als Teammanager – dort blieb er bis 2001 und erlebte Fahrer wie Niki Lauda, Ayrton Senna, Alain Prost oder Mika Häkkinen aus nächster Nähe. Dem in Woking stationierten McLaren-Team steht er heute noch sehr nahe – mit seinem Freund Martin Whitmarsh telefoniert er regelmäßig. Whitmarsh jedoch musste seinen Job als McLaren-Teamchef aufgeben…

Im Rahmen seines Auftritts bei der Ennstal-Classic, wo Jo Ramirez gemeinsam mit dem Journalisten Xavier Hiebner einen Triumph TR 2A Le Mans in der Chopard Racecar Trophy pilotieren wird, nahm sich Jo Ramirez Zeit für ein ausführliches Gespräch. Über McLaren, die Rückkehr das allmächtigen Ron Dennis, den überheblichen Sergio Perez, das Formel 1-Comeback in Spielberg, den aberwitzigen Kimi Räikkönen und ein ungelöstes Problem der Formel 1, die Nachfolge von Bernie Ecclestone…

Jo, du bist ein guter Freund von Martin Whitmarsh – er hat als Teamchef das McLaren-Team geöffnet, es wirkte nicht mehr so kalt, sondern freundlich. Stimmt es, dass Whitmarsh gehen musste? Dass er gar keine andere Wahl hatte?

Ja. Er hat unglücklicherweise zwei falsche Entscheidungen getroffen. Ende 2012 hatte McLaren ein Siegerauto, es war das beste Auto. Und die Regeln sind für 2013 relativ gleich geblieben. Martin hat sich von den Technikern davon überzeugen lassen, dass sie trotzdem ein komplett neues Auto bauen. In den ersten Rennen 2013 waren sie mit diesem Auto jedoch nirgendwo, das war sehr schlimm.

Und was war die zweite Fehlentscheidung?

Ron Dennis, der ja immer noch der Boss der gesamten McLaren-Gruppe war bzw. ist, hat dann vorgeschlagen, die Vorjahresautos auf die 2013er-Regeln umzubauen. Doch Martin wollte das auf keinen Fall tun, es gab eine große Konfrontation. Martin meinte: Wir machen mit dem aktuellen Auto weiter, wir werden das Auto verbessern und aufholen.

McLaren holt normalerweise immer auf in einer Saison – doch im Vorjahr ist das nicht gelungen. Es ist jetzt wegen der Testbeschränkungen einfach unmöglich, so viel aufzuholen. Es gab erstmals seit 1981 keinen einzigen Podiumsplatz. Die Anteilseigner von McLaren und die Sponsoren waren sauer – und Martin musste gehen.

Sehr seltsam war die Entscheidung, den Vertrag von Sergio Perez nicht mehr zu verlängern und stattdessen Kevin Magnussen in das zweite Auto neben Jenson Button zu setzen. Man hat den Eindruck: Irgendetwas muss da passiert sein, denn McLaren entlässt einen Fahrer normalerweise nicht nach nur einem Jahr - und Perez ist ja nicht schlecht gefahren…

Als Fahrer war Sergio tatsächlich nicht schlecht unterwegs und ich denke, er wurde auch immer besser – doch McLaren wollte einen neuen Lewis Hamilton, sie wollten einen Piloten, der schneller ist als Jenson Button. Sergio hat den Erwartungen nicht entsprochen – er hat sich als Pilot gesteigert, er hatte auch Potential, am Ende war er bereits besser als Jenson.

Nur: Sergio war als Person nicht gut genug. Er hat nicht wirklich mit dem Team kooperiert, er war zu keinem Zeitpunkt ein Teil des Teams, er wurde hochnäsig. ‚Ich bin jetzt ein Formel 1-Fahrer‘ – wir kennen das ja. Seine Einstellung war sehr schlecht. Er war unbeliebt bei den Ingenieuren, bei jedem im Team – er galt als sehr arrogant. Und Ron Dennis verlangt, dass seine Fahrer ein Teil des Teams sind – bei ihm musst du von in der Früh bis spät in der Nacht stets an McLaren denken.

Kevin Magnussen ist ein solcher Pilot?

Ja. Er ist europäischer, er passt besser zu dem britischen Stil desTeams. Perez war eher wie Juan Pablo Montoya, der auch nicht lange bei McLaren geblieben ist. Ich werde oft gefragt: Warum bleiben latein-amerikanische Piloten immer nur so kurz bei McLaren? Aber ich sage dann: Das kann man doch so nicht sagen, Ayrton Senna war doch recht lang im Team – aber er hatte eine ganz andere Mentalität. Er war ein intelligenter Kerl und er wusste von Anfang an, was ihn bei McLaren erwarten wird.

Senna war komplett fokussiert auf den Motorsport.

Ja. Sergio Perez war das nicht. Leider. Ich kritisiere ihn oft in den Medien – aber ich kritisiere ihn nicht als Fahrer, er ist ein guter Fahrer, aber er integriert sich nicht in das Team. Es ist so schade – ich war heuer bei den Testfahrten in Jerez, habe dort einige Zeit bei McLaren und auch bei Sauber verbracht, und keines der beiden Teams konnte etwas Gutes über Sergio sagen. Das ist unglaublich – sie alle sagen, dass Sergio seine Einstellung ändern muss, wenn er in der Formel 1 bleiben möchte. Sein Charakter ist nicht anpassungsfähig.

Die Medien wollen Charakterköpfe, man möchte einen neuen James Hunt – doch dieser neue James Hunt muss zugleich eben mit dem Team kooperieren…

Ja, so ist es. Sergio hat sich auch über die britischen Medien beklagt – sie hätten ihm nicht geholfen. Nur ist das kein Wunder: Wann immer er einen britischen Journalisten sieht, läuft er davon. Er will mit ihnen nicht einmal reden. Ein britischer Reporter kam zu mir und sagte: ‚Sergio ist ein guter Fahrer - aber warum ist er so arrogant?‘ In einem Sport auf einem dermaßen hohen Level musst du mit den Medien umgehen können – die Medien können einem Piloten helfen, sie können ihn aber auch zerstören. Heute genügt es einfach nicht mehr, nur ein guter Fahrer zu sein. Heute musst du intelligent sein, mit dem Team kommunizieren, du musst dich auch in den Medien gut präsentieren.

Esteban Gutierrez, ein weiterer Landsmann von dir, wirkt ein bisschen schüchtern, wie ein Schuljunge…

Ja, das stimmt. Und auch bei ihm gilt: Er ist kein schlechter Fahrer – aber es fehlt dieser ganz kleine letzte Schritt, es fehlt dieser Killerinstinkt. Die Hamiltons und die Alonsos haben alle diesen Killerinstinkt.

Anderes Thema: Die Formel 1 kam heuer zum ersten Mal seit 2003 nach Österreich zurück…

Das war eine wunderbare Idee – was Dietrich Mateschitz getan hat, war einfach fantastisch.

Viele Fans zeigten sich enttäuscht von dem leisen Sound der neuen Turbomotoren…

Wie bei allem im Leben gewöhnt man sich daran, doch ich vermisse den Sound immer noch. Der Sound kommt auch nicht an jenen Sound heran, den wir mit den alten Turbomotoren hatten. Ich denke, wenn sie eine höhere Drehzahl erlauben und das Benzinsparen weglassen würden, dann würden wir zumindest teilweise wieder einen guten Sound hören. Bernie hat Recht, wenn er sagt: ‚Am Ende des Tages verkaufen wir immer noch Lärm. Noise!“ Heutzutage kannst du in der Box telefonieren, das ist einfach unglaublich. Da ist heuer ein extrem wichtiger Teil dieses Sports verloren gegangen.

Aber es ist heutzutage so, dass die Menschen sich einfach daran gewöhnen werden – im nächsten Jahr werden sie nicht mehr darüber sprechen. Aber so ist es heute. Es ist schlimm. Aber es passieren so viele schlimme Dinge in diesem Sport. Warum ist die FIA so stark? Warum werden wir in diesem Ausmaß von der FIA dominiert – vor 40 Jahren war die FIA nirgends, sie war nur auf dem Papier vorhanden. Sie waren nicht einmal an der Rennstrecke – heute sind sie mit hunderten Leuten und zwei riesigen Motorhomes vertreten.

Alles eskaliert heutzutage in einer Art und Weise, die einfach nur unglaublich ist. Wenn man bedenkt, wie viel die Fahrer heute allein für ihre Lizenz zu bezahlen haben – Sebastian Vettel muss als Weltmeister 100.000 Euro oder mehr für seine Lizenz zahlen, damals zahlten die Piloten 400 Euro. Ich habe das damals für die Fahrer bezahlt, das hat McLaren einfach eingezahlt, ohne es von den Piloten zu kassieren.

Ein Kritikpunkt sind auch die vielen Strafen, die heutzutage in einem Rennen verhängt werden…

Ja, das ist einfach zu viel. Esteban Gutierrez wurde nach dem losen Rad in Spielberg mit einer Rückversetzung um zehn Plätze bestraft, für etwas, wofür er nichts konnte, wofür das Team die Verantwortung trägt – das ist einfach nur mehr lächerlich.

Und dann kommst du nach Silverstone, dort siehst du einen unglaublichen Unfall von einem manischen, einem aberwitzigen Kimi Räikkönen. Okay, er hat einen Fehler gemacht und ist von der Strecke abgekommen. Okay, da muss man es eben easy nehmen und sagen: Sorry, ich bin von der Strecke abgekommen. Aber er wollte natürlich keine Zeit verlieren und ist mit voller Kraft wieder hereingezogen – natürlich hat er dann die Kontrolle über das Fahrzeug verloren, weil der Übergang vom Gras auf Asphalt einfach schwierig ist und er hat dann aus diesem Grund die Kontrolle über das Fahrzeug verloren.

Und es gab einen Riesenunfall – er hätte sich selbst schwer verletzen können oder noch schlimmer, er hätte Massa treffen und ihm die Füße brechen können oder schlimmeres. Und Räikkönen kam ohne jede Strafe davon. Das ist aberwitzig, das ärgert mich ungemein! Ich habe gedacht, dass Derek Warwick der vierte Rennkommissar war und habe ihm geschrieben, doch es war Nigel Mansell. Warwick hat geantwortet: ‘Du hast Recht! Räikkönen hätte bestraft werden müssen!‘

Das ist die Inkonsistenz, mit der diese Strafen verhängt werden: Räikkönen kommt als Ferrari-Pilot mit einem katastrophalen Fehler, einem Riesen-Crash, den er aus Gedankenlosigkeit heraus verursacht hat, davon, er kommt ungestraft davon – wenn das ein Maldonado oder ein Grosjean gewesen wären, sie hätten mit Sicherheit das Rennen in Deutschland auslassen müssen.

Diese Sicherheitsfragen sind in England auch so übertrieben gewesen. Die Leitplanke war nur geringfügig beschädigt, da hätte noch ein weiteres Auto einschlagen können – wobei die Chancen, dass ein Auto an der genau gleichen Stelle einschlägt, ohnehin gering sind. Aber nein! Wir müssen das reparieren! Eine Stunde lang! Eine volle Stunde – man hat all die TV-Zuschauer verärgert, die Fahrer waren auch verärgert, alle mussten warten.

War das einfach zu viel des Guten?

Ja, das war zu viel. Sie sollten relaxen und sich besinnen, wofür dieser Sport eigentlich steht. Ich bin so froh, dass ich kein Teil mehr davon bin. Es gibt so viele Dinge heutzutage, die einfach nur noch ärgerlich sind.

Ist das in deinen Augen noch Racing? Oder nur noch 80 Prozent Racing und der Rest ist Strafen, Sicherheit, Benzinsparen?

Ja, es wird bei der Sicherheit und bei den Strafen einfach übertrieben. Es sind einfach schon zu viele Leute involviert in diesem Sport. Jeder möchte sich selbst als eine wichtige Person darstellen, die FIA-Mitarbeiter müssen quasi ihre Existenz rechtfertigen und daher tun sie einfach irgendetwas.

Ist das vielleicht ein Grund, warum Events wie Goodwood oder die Ennstal-Classic immer mehr Zuspruch erhalten? Weil die Fans den alten Rennsport zurück haben wollen?

Ja, absolut, da bin ich ganz sicher. Wir brauchen auch junge Fans in der Formel 1. Da hat der Senna-Film sehr geholfen, der war fantastisch. Und auch Rush war ein guter Film, um junge Leute zu interessieren. Sie schauen nach auf Youtube, sie recherchieren – weil sie sich auch dafür interessieren, wie das früher war, als Männer noch Männer waren. Weil sich seither so viel verändert hat. Manchmal, wenn du mit jungen Leuten sprichst, dann sagen sie dir: ‚So wie es jetzt ist, so ist es eben, du lebst in der Vergangenheit‘ Und ich sage: Okay, vielleicht haben sie Recht.

Man könnte aber auch sagen: Es muss nicht so sein, wie es ist. Man könnte es genauso gut wieder ändern…

Das ist wahr. Bernie Ecclestone hat wirklich sehr viel für die Formel 1 getan – doch ich werfe ihm vor, dass er es zugelassen hat, dass sich die FIA dermaßen einmischen konnte.

Das könnte man auch von den Automobilherstellern sagen, die heutzutage auch einen sehr großen Einfluss haben…

Stimmt, zugleich aber braucht die Formel 1 die großen Automobilhersteller. Nur ist es jetzt dermaßen kostspielig geworden, dass nur noch die großen Hersteller diese Kosten aufbringen können. Die britischen Teams haben als ‚Garagisten‘ begonnen, wie sie Enzo Ferrari liebevoll genannt hat. Das ist heute völlig unmöglich.

Die kleinen, die sogenannten neuen Teams liegen immer noch drei bis vier Sekunden zurück. Warum kommen die nicht weiter? Ich selbst habe früher in kleinen Teams gearbeitet, ich war bei ATS in den Siebzigerjahren, wir hatten vielleicht zehn Prozent des Budgets von Teams wie McLaren oder Alfa Romeo. Aber wir waren dabei – wir waren in den Top 10 in jedem Qualifying. Ich denke oft darüber nach und frage mich: Was ist los mit diesen Teams wie Caterham? Caterham hat in den letzten beiden Jahren den Renault-Motor erhalten, sie haben bei Red Bull Racing das Getriebe und das KERS eingekauft, sie haben all die Goodies erhalten – warum also sind sie nicht weitergekommen?

Vielleicht weil die Regeln im Vergleich zu früher viel enger gestrickt sind? Früher haben geniale Techniker wie ein Gordon Murray oder ein Colin Chapman mit guten Ideen den Rest des Feldes ausgetrickst. Da war die Idee oft wichtiger als das Budget.

Ganz genau, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, ganz genau so ist es. Die Formel 1 sollte die Elite des Motorsports darstellen – daher sollte den Designern wieder viel mehr erlaubt werden, ihre Ideen einzubringen. Natürlich muss es ein Limit geben, denn die Fahrer könnten das optimale Auto gar nicht mehr steuern, wenn du mit maximaler Power und seitlichen Schürzen und dergleichen daherkommen würdest. Die Geschwindigkeit und die G-Kräfte würde kein menschliches Wesen aushalten. Wir brauchen Regeln – doch sie sollten viel offener sein. Jenes Reglement, das wir derzeit in der Formel 1 haben, sollte man in Le Mans anwenden…

Wobei sie in Le Mans ein viel offeneres Regelwerk haben – dort kommen unterschiedliche Motorenkonzepte zum Einsatz…

Natürlich. Was ich meine, ist das Effizienz-Reglement, das sollte nicht in der Formel 1 zur Anwendung kommen. Das passt zu den Prototypen in Le Mans. Doch die Formel 1 sollte offen sein, da soll es nicht ums Benzinsparen gehen. Doch weil die Formel 1 der Pinnacle ist, hat die FIA dieses Benzinspar-Reglement dort zur Anwendung gebracht – doch in meinen Augen ist das Nonsens. Und auch Adrian Newey sagt. Spritsparen sollten die Autos in Le Mans, das hat mit der Formel 1 nichts zu tun, das entspricht einfach nicht dem Geist der Formel 1.

Du meinst: Die Formel 1 fährt maximal zwei Stunden und in dieser Zeit soll einfach am Limit gefahren werden, sodass der Schnellste gewinnt?

Absolut! Darum geht es doch in der Formel 1, darum ist es immer gegangen. Aber was soll man tun? (lacht) In England sagt man: ‚Du kannst reden bis die Kühe heimkommen, es wird sich nichts ändern.‘

Wer weiß? Im Rallyesport scheint man ansatzweise wieder zurück zu denken? Michele Mouton meinte unlängst, die Rallyeautos sollten wieder stärker werden. Wenn also ausreichend viele Leute ihre Meinung äußern, kehrt der alte Geist des Racing ja vielleicht wieder zurück…

Hoffentlich! Es wäre an der Zeit, dass wir endlich aufwachen. Aber weißt du, Bernie ist nicht mehr so stark wie er es früher war – er hat seinen Cold Case in Deutschland, wie immer der auch ausgehen möge. Doch die Tage von Bernie Ecclestone sind gezählt. Wer wird sein Nachfolger? Es sollte ein Racer sein, kein Politiker und auch kein Geschäftsmann. Okay, Bernie war immer auch ein guter Geschäftsmann – doch er war immer auch ein Racer und er hat die Formel 1 zu dem gemacht, was sie heute ist.

Die Ecclestone-Nachfolge ist ein großes Problem – bereits zu meiner Zeit als McLaren-Teammanager haben sich Ron Dennis, Ken Tyrrell und Frank Williams Sorgen darüber gemacht, wer Bernie nachfolgen wird. Schon damals sind die meisten Dinge einfach über Bernie gelaufen, er hatte schon damals alles unter Kontrolle. Damals haben sich Frank und Ken oft mit ihm um die TV-Einnahmen gestritten – doch aufgrund dieser Kämpfe haben die Teams jetzt einen größeren Anteil am Kuchen. Bernie hat sich natürlich immer die Creme vom Kuchen genommen…

Aber der Kuchen war groß genug…

Genau, der Kuchen war groß genug – die Teams erhalten heute sehr viel Geld. Doch es hat noch niemand ernsthaft darüber nachgedacht, wer Bernie nachfolgen soll.

Frank Williams hat seine Tochter Claire aufgebaut, sie wird ihm nachfolgen. Doch Bernie Ecclestone hat es, so scheint es, verabsäumt, seinen Nachfolger selbst auszusuchen und auszubilden.

Ja, er hätte das tun sollen. Viele Leute sagen, dass Christian Horner der beste Nachfolger wäre. Er sollte Christian Horner oder jemanden wie Christian Horner an seiner Seite haben für die letzten drei oder vier Jahre, sodass der Nachfolger dann übernehmen kann.

Offenbar glaubt Bernie Ecclestone aber, dass er 110 Jahre alt wird – er wirkt so, als sei er noch nicht bereit, einem Nachfolger seine Tricks beizubringen…

(lacht) Diesen Eindruck hat man tatsächlich. Und ich denke, dass Christian Horner gar kein Interesse an der Ecclestone-Nachfolge hat.

Die Guten sind nicht interessiert und die Interessierten sind keine Guten?

So kann man es sagen. Weil sie aus den falschen Gründen interessiert sind. Was für den Sport schlecht wäre. Das ist eine schwierige Situation für die Formel 1.

Kannst du dir vorstellen, dass die Formel 1 ihre Stellung als Königsklasse verlieren könnte? Ist so etwas möglich?

Nein, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Die Formel 1 ist jetzt sehr stark und sehr global verankert. Es ist die einzige Serie mit dieser Art von Racing – Le Mans ist gut, aber das ist nur ein Rennen im Jahr. In nur einem Land. Nein, was Bernie getan hat, diese Globalisierung – das hat gute und aber auch sehr schlechte Seiten. Die Teams können mit ihren Sponsoren global agieren.

Weil wir vom Formel 1-Comeback in Österreich gesprochen haben: Es war so schön zu sehen, wie viel Menschen reagiert haben und zu dem Rennen gekommen sind. Das war ein super Grand Prix und Bernie war sehr erfreut und ich bin sicher, dass auch Dietrich Mateschitz sehr zufrieden war, auch wenn Red Bull Racing kein gutes Ergebnis erzielt hat. Es war einfach großartig, ein weiteres klassisches Rennen zurück zu haben im Grand Prix-Kalender.

Und ich hoffe, dass Bernie das erkennen konnte: Das ist der Platz der Formel 1, in Europa, wo die automobile Kultur herkommt. Es ist weniger gut, nach Asien zu gehen, dort das Geld zu kassieren – okay, die ersten zwei Jahre kassierst du das Geld, doch was kommt danach? Da kommen keine Leute hin. Die Formel 1 in Österreich, das hat einen starken Eindruck hinterlassen – das ist die Zukunft in meinen Augen, der Red Bull Ring ist wirklich eine tolle Anlage.

Auf der du im Rahmen der Racecar-Trophy auch selbst fahren wirst – ich bedanke mich für das interessante Gespräch und wünsch dir viel Spaß und Erfolg bei der Ennstal-Classic.

Vielen Dank.

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