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Die wahre Schönheit ist im Kopf

Er ist ein Musterbeispiel der Raumökonomie, nur erkannte das leider kaum jemand. Die meisten blieben bei der Optik hängen, dabei kommt Schönheit bekanntlich ja von innen.

Roland Scharf

Der Multipla ist ein schönes Beispiel dafür, dass man nicht nur Probleme haben kann, die italienische Sprache zu verstehen, sondern auch die italienische Designsprache. Auf die Frage, was der Designer damals wohl im Kopf hatte, als er diesen Minivan zeichnete, meinte erst vor kurzem ein Fiat-Manager trocken „Vermutlich Kokain“, wobei er da schon ein paar Achterl intus hatte.

Jedenfalls ein guter Grund, den Multipla nüchtern zu betrachten, denn man kann jetzt ewig über die eigenwillige Optik streiten. Oder erkennen, dass er unterm Blech ein Meisterstück war. Wer maximale Raumausbeute haben möchte, der kommt an einer Schachtelform nun einmal nicht vorbei. Vier Ecken, die Räder möglichst weit außen an den Ecken angeschlagen, dazu sehr große Fensterflächen, fertig ist ein Konzept, dass nicht einfach nur viel Stauraum bot. Es war sogar so viel Platz vorhanden, dass man in beiden Reihen zu dritt sitzen konnte.

Wenn man wollte, denn stattdessen gab es auch die Möglichkeit, eine große Ablagebox inklusive Kühlfach zu montieren. Und wer sich nicht entschließen konnte, der klappte die Mittelsitze einfach zu großen Armlehnen um. Technisch lose auf dem Bravo basierend, machte Fiat mit dem Multipla wirklich alles anders als bisher, was es ihm am freien Markt vermutlich noch schwerer machte. Die Armaturen steckten nicht mehr vor der Nase des Fahrers, sondern mittig auf dem Armaturenbrett. Der Schalthebel wanderte ebenso weit nach oben, damit es unten genug Platz für die Füße der dritten Person gab.

Ja und dann war es ja wohl klar, dass man auch beim Design mutigere Wege beschreiten würde. Schließlich ging es auch darum, die etwas pummelige Optik so gut es geht zu kaschieren, und um das zu erreichen, fielen den Zeichnern (natürlich im nüchternen Zustand) ein paar geniale Lösungen ein. Die Fernlichter zum Beispiel steckten in einer Art Wulst unterhalb der Windschutzscheibe, was nicht nur die Ausleuchtung verbesserte, sondern den Vorderwagen auch zierlicher wirken ließ.

Klingt soweit alles super, aber irgendwie mochte der Funke nicht so recht auf die Kunden überspringen. Wenn man Platz braucht, dann greift man gleich lieber zu einem Bus. Und für die durchschnittliche Familie reicht ein Kombi ja völlig. Da half auch ein Werbespot mit Michael Schumacher nichts, der damals für Ferrari in der Formel 1 fuhr und das Sitzkonzept des Multipla spontan in einem fiktiven italienischen Restaurant den neugierigen Gästen erklärte. Jedenfalls setzte Fiat 2004 ein großes Facelift an, das ihrem Raumgleiter eine völlig neue und stark entschärfte Front bescherte, wobei da alles schon zu spät war. Der Ruf hatte schon seine Schlagseite, und – noch schlimmer – ging zu der Zeit gerade der Stern der SUV auf, sodass bei uns 2008 endgültig Schluss war. Nur in Italien lief der Multipla noch zwei Jahre weiter.

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Helden auf Rädern: Fiat Multipla

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