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Helden auf Rädern: Renault Alliance

Wenn zwei sich helfen

Optisch knapp am 9 dran, war der Renault Alliance nicht nur ein völlig anderes Auto. Eigentlich war er nicht einmal ein französisches. Und es rettete einen Konzern, wenn auch nur kurz.

Roland Scharf

Wie jetzt, wieso ist das hier kein Renault 9? Weil hinter dieser Limousine ein großer Masterplan stand, der weit mehr erforderte, als nur ein europäisches Auto in den USA zu verkaufen. Und weil es natürlich wieder einmal eine Vorgeschichte gab, die in den späten 1970ern anfing. AMC war der kleinste der vier amerikanischen Hersteller, der mit Jeep zwar solide Verkäufe hatte. Die Pkw indes waren maßlos veraltet und alles andere als zeitgemäß. Hier machten die japanischen Importe immer mehr das Rennen, und als die Wirtschaft generell eine Flaute hatte, war die American Motors Corporation knapp vorm Zusperren. Die Regierung meinte nämlich, dass die Bude nicht wichtig genug war, um am Leben gehalten zu werden und sponserte lieber Chrysler, die zwar weit größer, aber ebenso knapp am Abgrund standen. Es musste also ein Plan B her. Und der kam aus Frankreich.

Renault meinte nämlich, Anteile von AMC zu erwerben, was gewissermaßen auch eine staatliche Hilfe war, da Renault ja dem französischen Staat gehört. Im Gegenzug hatte man automatisch ein landesweites Händlernetz, und das einzige, was jetzt noch fehlte, war ein zeitgemäßes Kompaktmodell, auf das die Amis zu der Zeit voll abfuhren. Man beschloss also, den Renault 9, lange Jahre das meistverkaufte Auto in der Grand Nation, US-fit zu machen, weswegen man die Ingenieure der neuen Partnerfirma damit beauftragte. Um es kurz zu machen: Es war nicht viel, was gleich blieb. Es gab eine neue Front, einen neuen Innenraum, nicht einmal die Rücklichter blieben gleich, sogar die Karosserie übernahm man nicht einfach so. Man konstruierte lieber eine zweitürige Version und obendrein auch noch ein Cabrio, hübschte den Innenraum nach amerikanischem Geschmack auf und katalysierte die braven Vierzylinder, um den neuen strengen Emissionstests gerecht zu werden.

Dass nach all den Änderungen man den Wagen gleich in den USA produzieren konnte, war also fast schon aufgelegt, zumal es ja in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin eine komplette Fabrik gab. Und außerdem war der Wechselkurs von Franc auf Dollar so mies, dass es durchaus Sinn ergab, vor Ort zu produzieren, denn: Alles in allem waren 75 Prozent der Teile zudem aus lokaler Produktion, rein rechtlich galt der Renault Alliance also als US-Fahrzeug, auch wenn das die damaligen Journalisten genau so anders sahen wie die Kunden. Aber das war alles kein Nachteil, denn der umgemodelte 9er entwickelte sich tatsächlich zum Erfolgsmodell. Bereits im ersten Verkaufsjahr 1982 konnten mehr als 140.000 Stück abgesetzt werden, was die Verantwortlichen dazu motivierte, mehr Versionen auf den Markt zu bringen, sogar eine Sportversion namens GTA. Alles in allem also ein gelungener Coup der Franzosen, könnte man meinen, oder? Ja und spätestens jetzt wird es ein klein wenig mühsam.

Die nach wie vor auf Talfahrt befindliche US-Ökonomie machte die finanzielle Seite immer komplizierter, sodass Renault an jedem Auto nicht wirklich viel verdiente. Dazu kam, dass man viele Händler nicht nutzen konnte, weil (Schmäh ohne) sie mit AMC einen Exklusivvertrag hatten, der Alliance aber trotz aller US-Wurzeln unter Renault lief. Und die Händler, die man unter Vertrag hatte, konnten mit der eigenartigen Technik aus Europa nicht wirklich viel anfangen und reparierten viele Fahrzeuge bereits im jungen Alter kaputt, weswegen sich die Garantiefälle immer mehr häuften und die rechnerische Seite allmählich aus dem Ruder lief. Kurz gesagt: Die Amis mochten den Alliance, aber der Alliance mochte nicht die Rahmenbedingungen, denn unterm Strich konnte AMC durch dieses Auto gerettet werden. Renault selbst aber stieg eher schlecht aus dem Deal aus und beendete 1987 mit der Einstellung der Produktion auch das gesamte US-Engagement. Retrospektiv betrachtet, freut sich in diesem Fall tatsächlich der Dritte, denn hätte Renault AMC nicht so lange am Leben gehalten, hätte Chrysler den Laden Ende der 1980er dann kaufen können, die wie eingangs erwähnt ja selber erst saniert werden mussten – mit Steuergeldern.

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