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Autosalon Genf - Teil 1: von Audi bis Cadillac

Für alle etwas (1)

Für Besucher und Medien ist der Genfer Salon wie immer ein Schaufenster mit reicher Auswahl. PS-Protze, Elektroautos, Alltagsware - alles da.

Friedbert Weber/mid

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Genf rüstet wie in jedem Frühjahr für den Autosalon, und die Autobranche rüstet für Genf. Insgesamt 250 Aussteller tummeln sich auf 110 000 Quadratmetern. Mehr als 700 000 Besucher werden zur großen PS-Party rund um den Lac Leman erwartet.

Den Frühlingsbeginn genießen können jene Konzerne, die global agieren und vor allem dank guter Absatzzahlen in den USA, China und auf anderen Weltmärkten mit breitem Kreuz ein paar Dellen in Europa wegstecken können. Das gilt nicht nur für VW, GM, Ford oder Toyota, sondern auch für alle Marken, die das Premium-Segment bedienen.

Als Blickfang kommt auch in diesem Jahr in Genf niemand um Elektroautos, Konzeptstudien oder (Klein-)Serienmodelle herum, aber der Hype der vergangenen Jahre ist verklungen. Die Realität hat das Wunschdenken abgelöst, und bei den Hauptproblemen der E-Mobilität - der Batteriekapazität und damit der Reichweite sowie den Batteriepreisen - geht es nur in winzigen Schritten vorwärts. Plug-in-Hybride kristallisieren sich immer mehr als Übergangstechnik für lange Zeit heraus, denn die Brennstoffzellen-Autos lassen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - noch auf sich warten.

Für Besucher und Medien ist der Genfer Salon wie immer ein Schaufenster mit reicher Auswahl. Man kann sich über PS-Protze und schnelle Sportwagen freuen und nach dem Elektroauto zum Sozialtarif verlangen.

Wer Alltagsautos wie den überarbeiteten VW Polo oder sparsame Motorentechnik wie beim neuen Opel-Dreizylinder sucht, wird ebenfalls fündig. Und immerhin sieben Prozent der in Genf ausgestellten Modelle unterbieten mit ihrem CO2-Ausstoß bereits die 100-Gramm-Grenze.

250 Aussteller tummeln sich auf 110.000 Quadratmetern. Mehr als 700.000 Besucher werden erwartet.

Im vergangenen Jahr war der große Hingucker auf dem Alfa-Stand der 4C. Das rassige Mittelmotor-Coupé, das eine gehörige Portion Adrenalin in das Alfa-Programm zurückgebracht hat, ist mittlerweile in Produktion gegangen.

Und nun feiert die Cabrio-Version ihre Premiere, die Anfang 2015 bei den Händlern stehen wird. Die technische Basis bleibt unverändert, für den Antrieb sorgt ein quer eingebauter Vierzylinder mit 1,8 Litern Hubraum und 177 kW/240 PS, der mit dem rund 900 Kilogramm wiegenden und 258 km/h schnellen Auto leichtes Spiel hat.

Dass das Cabriolet ein paar Kilogramm mehr als das Coupé wiegt, fällt bei den überragenden Fahrleistungen wohl kaum ins Gewicht. Das leichte Carbon-Monocoque und die Aluminium-Hilfsrahmen vorn und hinten sind auch für offenes Fahren verwindungssteif genug.

Neben dem 4C-Cabrio stehen auch die QV-Versionen von Mito und Giulietta bereit. Nach deren Überarbeitung im vergangenen Jahr haben im Ausstattungs-Portfolio noch die sportlichen "Quadrifoglio Verde"-Optionen gefehlt, die Alfa nun unter anderem mit 17-Zoll-Rädern und Sportfahrwerk nachreicht.

Bei Audi gibt es eine echte Handvoll an Premieren, allesamt mit sportlichem Charakter: vor allem das TT Coupé - die Cabrio-Ausführung kommt später. Ein weiterer Auftritt: die verschärfte Ausführung des TTS.

Analog zum A3, auf dessen Plattform der TT basiert, stehen auf dem Stand der Ingolstädter der stärkste Zweiliter-TDI mit 135 kW/184 PS und als Spitzenmotorisierung mit rund 170 kW/230 PS der Zweiliter-TFSI - beide wahlweise mit Frontantrieb oder als quattro. Ein Einstiegs-Benziner auf Basis des 1.8 TFSI im Bereich um die 118 kW/160 PS ist zum Marktstart noch nicht vorgesehen. Der TTS kommt ausschließlich mit Allradantrieb und hat rund 220 kW/300 PS unter der Haube.

Weltpremiere feiert der Audi S1, die Spitzenversion des Einstiegs-Modells A1. Mit S1 und S1 Sportback runden die Ingolstädter das Portfolio der S-Modelle nach unten ab. Unter der Haube der kompakten Sportler arbeitet ein 2,0-Liter TFSI-Triebwerk, ein Zweiliter-Vierzylinder mit Abgasturbolader und 170 kW/231 PS.

Es katapultiert den S1 in 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Fahrer des S1 Sportback müssen sich dafür eine Zehntelsekunde länger gedulden. Als Höchstgeschwindigkeit erreichen beide 250 km/h.

Große 17 Zoll-Räder und ein überarbeitetes Fahrwerk mit gegenüber dem A1 vergrößerter Bremsanlage tragen der erheblich gestiegenen Leistung Rechnung, der quattro-Antrieb ist ebenfalls serienmäßig. Wer seinen Reflexen traut, kann das ESP in zwei Stufen herunterregeln oder abschalten.

Eine weitere Weltpremiere zelebriert Audi mit dem S3 Cabrio. Basis ist der auf der IAA vorgestellte offene A3 mit Stoffdach, der mit Fahrwerk und Antrieb aus dem S3 antritt. Das bedeutet: 18-Zoll-Räder, Allradantrieb und 221 kW/300 PS, mit deren Hilfe es sich zumindest mit geschlossenem Verdeck bis zu 250 km/h schnell sein lässt. Im Innern finden sich Sportsitze und eine Zweizonen-Klimaautomatik.

Und schließlich enthüllt Audi auch den RS 4 Avant Nogaro selection. Die Ingolstädter erinnern damit an den Audi Avant RS2, den Begründer der dynamischen RS-Linie, der vor 20 Jahren sein Debüt gab. Ausschließlich in Nogaroblau Perleffekt als Reminiszenz an die Lackierung des RS2 erhältlich, verschafft sich das neue Sondermodell bereits mit seinen serienmäßigen 20-Zoll-Felgen einen starken Auftritt, ebenso wie durch die beiden ovalen Endrohrblenden der RS-Auspuffanlage.

Unter der Haube arbeitet ein V8-Benzinmotor mit 4,2 Litern Hubraum und 331 kW/450 PS, die er allerdings erst bei sportlichen 8.250 Umdrehungen pro Minute mobilisiert. Mit dem serienmäßigen Fahrdynamiksystem "Audi drive select" lassen sich die Kennlinien der Servolenkung, der S-Tronic und des Gaspedals in den drei Modi "Komfort", "Auto" und "Dynamic" einstellen.

Audi will das Sondermodell nur im Frühjahr und in einer begrenzten Sonderserie anbieten. Die Lackierung in Nogaroblau erinnerte an Audi-Rennsiege auf der Piste im französischen Nogaro.

Neben all den sportlichen Neuerscheinungen stellt Audi, quasi als Kontrastprogramm, auch die Palette seiner sparsamen Ultra-Varianten aus, beginnend mit dem im Dezember vorgestellten A3 Ultra bis zu den entsprechenden Versionen von A4, A5 und A6.

BMW geizt ebenfalls nicht mit Welt- und Europapremieren und spielt quasi das volle Blatt beim Füllen der Nischen in den noch relativ jungen Zweier- und Vierer-Reihen aus.

Die größte Aufmerksamkeit des Publikums wird wohl dem Van 2er Active Tourer bei seiner Weltpremiere zuteil, denn mit ihm stößt BMW in ein neues Marktsegment vor. Dazu mussten die Münchener Techniker erst einmal über ihren Schatten springen, denn der erste Dreizylindermotor im Programm - dazu noch im ersten BMW-Fronttriebler - das ging nicht ohne interne Diskussionen ab.

Lieferbar sind zunächst ein Dreizylinder-Benziner mit 100 kW/136 PS und zwei Vierzylinder-Motoren - als Benziner mit 170 kW/231 PS und als Diesel mit 110 kW/150 PS - jeweils quer eingebaut.

Die leicht nach vorn geneigte BMW-Niere sorgt dafür, dass dieser Kompakt-Van sofort als BMW zu erkennen ist. Viel Wert hat BMW darauf gelegt, dass der Innenraum nicht nur geräumig, sondern auch genügend variabel für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Familien und Freizeitsportlern ist. Der Schuss zielt in Richtung Stuttgart, um der erfolgreichen B-Klasse von Mercedes Kunden abzujagen.

Weltpremiere feiert auch das BMW 4er Gran Coupé, das dem Trend zum viertürigen Coupé Rechnung trägt. Das dritte Modell der 4er Reihe verbindet Coupé-Optik mit dem Vorzug von vier Türen und startet mit fünf verschiedenen Triebwerken. Die Auswahl reicht vom 105 kW/143 PS starken Vierzylinder-Diesel im BMW 418d Gran Coupé bis hin zum Sechszylinder-Benziner im 225 kW/306 PS starken 435i Gran Coupé.

Der BMW X3, die mittlerweile zweite Generation des erfolgreichen SUV, hat ein Facelift erhalten, das BMW gleichfalls in Genf zum ersten Mal vorzeigt. Details sind noch geheim, aber BMW verspricht in jedem Fall, die Dieselmotoren gestärkt und sie trotzdem sparsamer gemacht zu haben.

Seine Europapremiere erlebt das 2er Coupé, das genau genommen auf der Einser-Serie basiert und deren bisheriges Coupé ablöst. Ein aufwendiges Fahrwerk mit einer Achslastverteilung von 50:50 und Hinterradantrieb sorgen für sportliche Fahreigenschaften.

Die breitgefächerte Turbomotorenpalette mit Vier- und Sechszylindern beginnt mit 105 kW/143 PS im 218d Coupé. Das Highlight bildet das BMW M235i Coupé mit 240 kW/326 PS. Insgesamt stehen drei Diesel- und drei Benzinmotoren zur Wahl.

Die M GmbH steuert zwei Europapremieren bei. Die M3 Limousine und das M4 Coupé kommen beide mit dem neu entwickelten Sechszylinder-Reihenmotor mit der BMW TwinPower-Turbotechnologie. Die Leistung beträgt 317 kW/431 PS und das Drehmoment liegt bei 550 Newtonmeter - letzteres volle 40 Prozent mehr als beim M3-Vorgänger. Wer beim Sprint von 0 auf 100 Km/h die Stoppuhr drückt, kommt mit optionalem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe auf 4,1 Sekunden.

Mercedes-Veredler Brabus feiert in Genf eine Schweiz-Premiere. Auf der Basis des nicht gerade schwächlichen Mercedes E 63 AMG haben die Bottroper eine 850-PS-Version des T-Modells geschaffen.

Der serienmäßige V8-Motor mit 5,5 Litern Hubraum erhält eine neue Kurbelwelle, neue Pleuel und neue Kolben, ebenso eine überarbeitete Auspuffanlage und einen neuen Turbolader. Zur Schonung des Antriebs ist das Drehmoment auf 1.150 Newtonmeter limitiert, und bei 350 km/h regelt die Elektronik zum Schutze der 20-Zoll-Reifen ab.

General Motors lässt seine Edel-Tochtermarke Cadillac in Genf zwei Europa-Premieren feiern. Als Ableger der bekannten ATS-Limousine, des Einstiegsmodells ins Cadillac-Programm, erscheint das zweitürige ATS Coupé. Der Radstand von 2,78 Metern bleibt unverändert, doch rollt das Coupé auf breiterer Spur mit serienmäßigen 18-Zoll-Rädern, überdeckt von breiteren Kotflügeln.

Es kommt im Herbst auf den Markt. Als Antrieb dient ein Vierzylinder-Turbobenziner mit für US-Verhältnissen bescheidenen zwei Litern Hubraum und 203 kW/276 PS, dazu ausgestattet mit dem neuen CUE-Infotainment-System und 8-Zoll-Touchscreen.

Bei der zweiten Neuheit handelt es sich um die vierte Auflage des imponierenden Luxus-SUV Escalade. Unter dessen Haube arbeitet ein neuer 6,2-Liter-V8-Motor, und im Fahrwerk des Escalade steckt, wie auch im ATS Coupé, das adaptive Dämpfersystem Magnetic Ride Control.

Lederausstattung und das Infotainment-System gehören zur Serienausstattung, ebenso wie das Bose-System zur aktiven Geräuschunterdrückung im Innenraum. Europäische Interessenten werden sich allerdings bis zum Jahresende gedulden müssen.

Wem das für amerikanische Verhältnisse relativ zierliche ATS Coupé zu klein ist, der kann darauf hoffen, dass aus der ebenfalls präsentierten Studie Elmiraj Concept ein Serienmodell wird. 5,21 Meter Gesamtlänge, dazu ein 500-PS-V8 mit 4,5 Litern Hubraum und Doppel-Turbolader, das mutet schon deutlich amerikanischer an.

Im 21. Jahrhundert angekommen ist dagegen das ebenfalls ausgestellte Luxuscoupé ELR mit Elektroantrieb und Range Extender. Ein 1,4-Liter Verbrennungsmotor ergänzt den Elektroantrieb, und als Reichweite mit geladener Lithium-Ionen-Batterie und vollem Tank gibt GM 480 Kilometer an.

Teil 2 folgt in Kürze!

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