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Helden auf Rädern: Stutz Blackhawk
Stutz

Reich & schön

Ein Exot, der ewig gebaut wurde. Der fünf unterschiedliche Autos war. Und der die berühmtesten Käufer hatte – all das war der Stutz Blackhawk, dessen Geschichte fast wie ein amerikanisches Märchen klingt – allerdings ohne Happy End.

Roland Scharf

Die Idee des Autos mit Retro-Schick – das ist alles andere als eine neue Erfindung. Wer bei diesem Begriff an Fiat 500 oder den Mini denkt, sollte schleunigst weiterlesen, denn bereits vor 50 Jahren gab es die ersten Anstrengungen in diese Richtung. Und zwar von einem Designer namens Virgil Exner. Der leitete lange Zeit die Design-Abteilung von Chrysler in Detroit, musste aber ausscheiden, nachdem ein Herzinfarkt und diverse gescheiterte Projekte dazwischen kamen. Das Zeichnen von Autos ließ ihn aber nie ganz los, und weil man daheim ohne Job nun einmal gerne in Erinnerungen schwelgt, kam ihm die Idee, warum nicht eine Automarke aus seiner Jugend wiederaufleben zu lassen? Duesenberg etwa, was sich gut traf, denn der Sohn des Firmengründer, der August, wollte eh gerade neu durchstarten. Exner entwarf also seine Interpretation eines modernen Duesenbergs, und tatsächlich gab es auch schon erste Vorbestellungen, aber finanziell war das Projekt dann leider nicht zu stemmen.

Auftritt James D. O’Donnell. Der Banker aus New York sah in einer Zeitschrift um 1964 herum Exners Entwürfe und war begeistert. In das Autobusiness wollte er eh schon lange einsteigen, und die Idee der Retro-Mobile brachten den Stein ins Rollen. O’Donnell kontaktierte Exner, und weil man bei Null anfangen wollte, suchte man sich einen großen Namen aus der Vorkriegszeit aus, dessen Markenrechte schon ausgelaufen waren: Stutz. Wer damit jetzt nichts anfängt – kein Stress, die ist bei uns wirklich keine große Nummer gewesen. Wichtig ist nur zu wissen, dass sie Ende der 1960er in den USA noch eine schöne Strahlkraft hatte, mit der man die Reichen und Schönen der Gesellschaft locken konnte. Und entsprechend zeichnete Exner den Blackhawk auch – wie man sich seinerzeit halt echten Luxus vorstellte: maßlos, übertrieben und voll von zahlreichen Stilelementen.

Manche mögen ihn als überzeichnet ansehen, aber die Zeit war damals einfach eine andere. Und weil sich bei diesem Auto alles nur ums Image dreht, ging man auch an die Konstruktion sehr eigen heran. Die Technik holte man sich ganz einfach von General Motors. Der Pontiac Grand Prix spendete Rahmen, Achsen, Motor und Getriebe. Die Karosserie hingegen entstand bei Carrozzeria Saturn im italienischen Cavallermaggiore und bekam 20 (in Worten: zwanzig) Lackschichten für den wirklich tiefen Glanz. Dort wurde sie auch an die Chassis angepasst, was bedeutete, dass man diese erst über den Seeweg nach Europa schippern musste. Ein unglaublicher Aufwand, der sich aber auszahlte. Denn damit traf man genau den Geschmack der Schickeria.

Ein goldener Zündschlüssel. Eine Namensplakette auf dem Armaturenbrett. Connolly-Leder und Walnussholz, Lammfell und Klimaanlage. Eingekleidet in Italien – alles Dinge, die sich perfekt vermarkten ließen, vor allem in einer Branche, die auf Mehr-Schein-als-Sein spezialisiert ist: dem Show Business. Frank Sinatra besaß einen Blackhawk, seine Spezln Dean Martin und Sammy Davis Jr. ebenso. Johnny Cash fuhr ebenso einen genau so wie Curd Jürgens, Evel Knievel, Muhammad Ali und auch Elton John. Elvis Presley besaß im Laufe der Jahre gar fünf davon, und natürlich sprangen auch die Staatslenker aus dem Nahen Osten auf dieses Fahrzeug an, allen voran der Sultan von Brunei, König Hassan II. von Marokko und der Schah von Persien.

Geld war spürbar, und daher war es auch überhaupt kein Problem, dass der Stutz – um sich irgendwie zu rechnen – das teuerste Auto aus amerikanischer Produktion war. Selbst ein Rolls Royce Corniche war günstiger, die Konfektionsware von Mercedes oder Jaguar sowieso. Was die betuchte Klientel bekam? 2,5 Tonnen Leergewicht mit 7,5 Liter Hubraum, der weder besonders schnell noch besonders gut war. Für den gelungenen Auftritt aber zählt das alles nicht, weswegen auch niemand bemerkte, dass Stutz nach zahlreichen kleinen Überarbeitungen 1980 gleich mehrmals die Basis wechseln musste, da der Pontiac Grand Prix nicht mehr verfügbar war. So gab es einige Exemplar auf Basis des Oldsmobile 88 Coupé, einige wenige auf Basis des Pontiac Parisienne. Die Zeit war vorbei für ausladende Formen und riesige Fahrzeuge, weswegen der Blackhawk auch Federn lassen musste und immer kleiner wurde. Bei den Motoren war man am Ende schon auf fünf Liter Hubraum unten, und dass es 1986 ganz vorbei war, verwundert nicht wirklich. Die selbsttragenden Karosserien waren bei den großen Herstellern endgültig angekommen, ebenso der Frontantrieb, weswegen das Ende von Stutz ein sehr unruhmreiches ist. Fehlt es an der Basis, kann kein Showstar mehr weiterleben. Warum sollte es bei den Autos auch anders sein als bei den Zweibeinern?

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