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Das letzte Auto ist kein Kombi

Die einst so glorreiche Sportwagenmarke versuchte es in den 1980er ein letztes Mal noch mit japanischer Hilfe. Allerdings nicht mit Heckantrieb, zwei Türen und Stoffverdeck. Sondern einer Limousine konservativstem Zuschnitt, die aber voll den Geschmack der Kundschaft traf – und dennoch das Ende dieser Traditionsmarke einläutete.

Roland Scharf

Die Welt ist unfair, das ist nichts neues. Und wer schon am Boden liegt, der bekommt auch meist noch die Tritte ab, weil’s schon wurscht ist. Anders kann man das Ende der Marke Triumph nicht beschreiben. Jene Marke, die immer schon sportliche Zweisitzer gebaut hat. Lustige Vehikel mit vier und sechs Zylindern, die immer dazu da waren, Fahrspaß zu bereiten. Sicher gab es da auch noch den Dolomite, eine Limousine mit vier Türen. Sie war dafür als Sprint aber das erste Serienauto mit einem Vierventil-Kopf. Es schlummerte also ein gehöriger Sportsgeist in Triumph, der aber im finanziellen Desaster namens Stag und der Zerschlagung des British Leyland-Konzerns beinahe vollständig erstickt wurde. Der einst so mächtige Multimarkenkonzern lag am Boden, und zu allem Übel musste man fremde Hilfe annehmen, um neue Modelle auf den Markt bringen zu können, die noch halbwegs konkurrenzfähig waren.

Dazu wählte man niemand geringeren als Honda aus. Die willigten ein, allerdings mit einem eindeutigen Hintergedanken: zur damaligen Zeit gab es nämlich eine Selbstbeschränkung der japanischen Hersteller. Die verpflichteten sich dazu, nur elf Prozent ihrer Produktion in der Europäischen Union zu verkaufen. Außer, diese Autos rollten in Europa vom Band, Ja und das gelang durch diesen Coup. Der Acclaim ist also kein echte Triumph. Er ist viel mehr ein Honda Ballade, eine brave, kompakte Limousine ohne besondere Vorkommnisse, dem man für den Einsatz unter neue Flagge ein wenig ummodelte.

Zwar liefen beide Modelle vom gleichen Band. Als Triumph bekam der Ballade aber Doppelvergaser verpasst, bequemere Sitze, ein aufwändiges Fahrwerk mit Einzelradaufhängung und dann noch zahlreiche Kleinigkeiten wie Lenkrad, Außenspiegel und allerlei Logos. Man kann jedenfalls sagen, dass man seinen Job tadellos gemacht hat, denn sofort nach Marktantritt entpuppte sich der Acclaim als zuverlässigster Triumph seit langem, dessen Qualität die Käufer nach Jahrzehnten an Schlamperei im Nu versöhnte.

Er schaffte es in 1982 und 1983 sogar in die Top 10 der meistverkaufen Autos in England, und irgendwie sah die Zukunft von Triumph auf einmal wesentlich rosiger aus als, ja als eigentlich seit 20 Jahren. Doch nutzte das alles leider überhaupt nichts. Wieder einmal stand eine Umstrukturierung an. Der Konzern – derzeit noch als British Leyland Motor Corporation firmierend – benannte sich in Austin Rover um. Schließlich klebte am alten Namen noch der Mief der 70er, mit all seinen Streiks und Rostproblemen. Das bedeutete zugleich aber auch: Das Ende aller anderer Marken. MG musste schon 1981 sterben, obwohl sie immer noch Gewinne einfuhren. Ja und 1985 war somit auch Triumph dran, nach den wohl erfolgreichsten Jahren in der Markengeschichte.

Die Zusammenarbeit mit Honda blieb übrigens noch aufrecht und mündete in weiteren Modellen, die allesamt auf japanischer Technik basierten. Allerdings nur mehr Austin und später dann Rover hießen.

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