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Helden auf Rädern: Lykan HyperSport

Diamantenfieber

So viele Superlativen wie der Lykan HyperSport hat noch kein anderes Auto gesammelt. Und das, obwohl es noch nicht einmal darum geht, wie sich das vierrädrige Schmuckstück eigentlich fahren lässt.

Roland Scharf

Es gibt Autos, die man mit ziemlicher Sicherheit nie zu Gesicht bekommen wird. Geschweige denn, eine Runde drehen zu können. Dass der Lykan HyperSport dennoch durchaus bekannt ist und gefühlt in viel häufigerer Zahl durchs Internet schwirrt als jemals aus der Fabrik rollten, macht seine Geschichte nur noch interessanter. Denn wir reden nicht nur von dem einzigen Supersportwagen aus den Emiraten. Sondern auch von einem Filmstar, der einen heftigen Absturz erlitten hat.

W Motors hat es sich zur Aufgabe gemacht, Autos in und für die Arabischen Emirate zu fertigen. Man wollte dabei also nicht einfach nur sauviel Leistung bieten. Sondern gezielt den Geschmack der betuchten Käuferschicht treffen, die es gerne ein klein wenig Auffällig haben. Dazu gründete man mit Lykan extra ein Unternehmen, das aus libanesischen und italienischen Technikern bestand und als Premierenstück 2012 den HyperSport lancierte. Ein gewisses Selbstbewusstsein war also schon am Namen zu erkennen. Um die Sache noch ein wenig zu verkomplizieren, erledigte man die Entwicklung zwar komplett daheim, Technik und Karosserie werden aber komplett in Deutschland an unterschiedlichsten Orten gefertigt, um dann für die Montage nach Italien gebracht zu werden.

Ein ziemlicher Aufwand, der aber System hatte. Die Hülle bestand großteils aus Kohlefaser, die Technik vertraute vor allem auf Technik aus dem Hause Porsche, und beim Motor klopfte man dann noch bei Porsche-Tuner Ruf an, er möge doch bitte einen Boxermotor auf 3,7 Liter aufbohren und dank zweier Turbos auf knapp 800 PS hochdopen. Wie es um die Einhaltung der damals geltenden Abgasgrenzwerte stand, ist nicht ganz klar, wobei hier dazu gesagt werden muss, dass man da in den Emiraten eine liberalere Gesetzgebung hatte. Nachdem die Autos in Italien also komplettiert wurden, ging es aber erst richtig los mit den Besonderheiten. Denn einfach nur schnell zu sein reichte den Machern nicht. Zum Beispiel besetzte man die Scheinwerfer noch mit echten Diamanten, wobei es den Kunden frei stand, sich zwischen Rubinen, Saphiren oder sonstigen Schmuckstücken zu entscheiden.

Die Mittelkonsole bekam zudem ein holographisches Display verpasst, konnte Details also in scheinbar-angreifbarem 3D darstellen, die natürlich über interaktive Bewegungsabläufe verfügten, und dass die Ledersitze mit güldenen Fäden vernäht waren, passt eigentlich nur in das prunkvolle Gesamtbild. 2013 stand die Serienversion dann auf der Autoshow in Qatar, wo dann auch der Stückpreis verkündet wurde, um noch ein weiteres Superlativ hinzuzufügen: rund 3,6 Millionen Euro. Pro Exemplar, versteht sich, wobei die Summe in Anbetracht der verbauten Juwelen eigentlich gar nicht einmal so übertrieben scheint.

Das Problem an diesen superexklusiven Modellen ist jetzt aber, dass man natürlich bei entsprechender Stückzahl richtig Kohle machen könnte. Die Kundschaft findet es aber nicht sehr prickelnd, wenn noch viele andere das gleiche Auto fahren (oder besitzen) wie sie selbst. Also musste man die Produktion zumindest limitieren, wobei man auch hier Konsequenz nicht missen ließ: Mehr als sieben Stück wurden nicht produziert. Ein Exemplar übrigens landete bei der Polizei in Dubai, die sich in Anbetracht der Supersportler-Dichte im eigenen Land durchaus über die Fahrwerte gefreut haben dürften: Lykan gab eine Beschleunigung von 2,8 Sekunden von Null auf 100 km/h an, und eine Höchstgeschwindigkeit von 385 km/h.

Schnell genug, möchte man meinen, wobei sich hier natürlich schnell Gerüchte bildeten, ob diese Zahlen denn auch wirklich stimmen mögen. Lykan sagt, man habe das bei einer Präsentation selbst so gemessen. Da man die produzierten Stück aber problemlos ohne Werbung verkaufen konnte, bemühte man sich auch nicht um Tests durch unabhängige Experten oder Journalisten, somit mussten die angegebenen Fahrleistungen also einfach geglaubt werden.

Um noch einmal bei den Stückzahlen zu bleiben: Natürlich kaufte sich niemand einen HyperSport, um damit dann jeden Tag in die Arbeit zu pendeln. Die Idee, ein Exemplar ausgestellt in einem Luxushotel zu zeigen, war also so ziemlich das Realistischste, was jemals in den Fast&Furious-Filmen gezeigt wurde. Genau wegen dieses Auftritts im siebten Teil der Vollgas-Serie war es dann auch, dass die ganze Welt vom HyperSport erfuhr, wobei jeder für sich entscheiden muss, ob der anschließende Sprung – von Hochhaus zu Hochhaus – in irgendeiner Art und Weise realistisch war. Ganz egal im Nachhinein, denn W Motors war von der Idee, den Wagen in Dubai in einem internationalen Film zu zeigen, mehr als begeistert. Ein seltener Tiger in seinem natürlichen Lebensraum, das musste man unterstützen, und entsprechend kooperativ zeigte man sich, als Universal zehn Stück für die geplanten Stunts bestellte.

Diese zehn Stück waren aber keine ganz echten HyperSport. Man verwendete zwar die gleichen Formen, die Karosserie bestand aber aus dem deutlich günstigeren Glasfaser-Verbundstoff, und als Antrieb dienten natürlich auch keine Ruf-Aggregate. Und auch wenn der Stunt von Dominic Toretto nur wenige Sekunden dauerte, gingen neun der zehn Film-Lykans bei dem Dreh drauf. Nur einer überlebte, und der steht aber nun in der Zentrale von W Motors. Dass man dennoch auf Youtube immer wieder ein Vehikel sieht, das dem Lykan verblüffend ähnlich sieht, lag am Mythos, den der Wagen in diesem Film auslöste. So exotisch war man vorher und nachher nicht, also war es nur logisch, dass man für die Live-Shows dieses Film-Franchise den HyperSport unbedingt einbinden musste. Noch weniger kamen hier gebrauchte Exemplare zur Anwendung, sondern Nachbauten, die nur äußerlich Ähnlichkeiten mit dem Original aufwiesen. Drunter steckten nur lieblos zusammengeschweißte Rahmen, die irgendwelche Achsen beherbergten, mit denen die Bühnen-Stunts irgendwie bewälttigbar waren. Aber immerhin: Einer davon gelangte nach der Pleite der Veranstalteragentur in private Hände, der die Karosse richtete und auf ein Boxster-Chassis stellte – dem Original also damit erstaunlich nahe kam.

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