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Die Braut, die sich doch traut

Anfangs ein ungewolltes Kind, entwickelte sich der Doch-nicht-Audi zu einem echten Porsche. Trotz VW-Teilen. Und trotz wenig Gleichheit mit anderen Porsches. Aber genau das war das Reizvolle.

Roland Scharf

Es war eine wirre Zeit in den 1970ern, als es zwischen VW und Porsche immer wieder brodelte. Grundsätzlich waren die zwei Häuser ja eng miteinander befreundet. Man unternahm gemeinsam ja auch einiges. Der 356 ging ja aus Käfer-Teilen hervor, zahlreiche Entwicklungsaufträge der Wolfsburger erledigten die Zuffenhausener, ja und Ende der 1960er sollte mit dem 914 sogar ein gemeinsamen Projekt entstehen, das der damals neue VW-Boss aber schnell abdrehte. Anfang der 1970er hingegen gab es wieder einen neuen Obermacker am Mittellandkanal, und der meinte, man brauche ja für dieses Auto einen Nachfolger. Also einigte man sich mit Porsche wieder einmal auf das bewährte Konzept: Ihr konstruiert den Wagen, verwendet aber großteils bitte VW-Teile.

Damit die Sache ein wenig mehr Sex bekam, sollte der Neue unter der Marke Audi laufen, die zu der Zeit noch auf der Imagesuche war, ja und für Porsche stellte sich die große Frage, wie man mit konservativen Großserienteilen denn nun ein sportliches Auto bauen soll? Indem man die Physik einfach mit ins Boot holt. So entschied man sich für das Transaxle-Layout, sprich: Der Motor – ein Vierzylinder von Audi – sitzt vorne und ist über ein stabiles Rohr, in dem die Kardanwelle läuft, mit dem Getriebe verbunden, das direkt an der Hinterachse sitzt. Das ergibt ein tolles Gewichtsverhältnis und damit von Haus aus schon gute Fahreigenschaften.

Zeitgleich fand man beim Käfer durchaus brauchbare Achskonstruktionen, und nachdem man sich für ein Design entschied, das zwar sehr Audi-mäßig aussah, dank Klappscheinwerfer aber doch nicht zu bieder wirkte, ging man frohen Mutes und nicht unstolz zum wieder neuen VW-Chef (ja die Zeiten waren damals in der Tat kurzlebig), der den Prototypen arglistig begutachtete und dann aber überraschenderweise abwinkte. Danke, aber nein. Wie das?

VW war Mitte der 1970er-Jahre in finanziellen Nöten. Natürlich, der Golf war schon am Markt, auch der Passat. Aber so richtig in Schwung waren die Baureihen noch nicht, um sich Abenteuer wie Sportwagen leisten zu können. Dazu gab es ja noch den Scirocco, und da brauchte es interne Konkurrenz also wirklich nicht. Natürlich schaute man jetzt etwas blöd bei Porsche, schließlich waren die brutalen Verhandlungen damals um die 914-Causa noch in guter Erinnerung. Man konnte sich dieses Mal aber gütlicher einigen.

Porsche erwarb alle Rechte am 924 zurück. Die Produktion durfte nach wie vor in Neckarsulm bei Audi ablaufen. Und die benötigten VW-Teile bekam man zum Vorzugspreis und ohne Skonto. Die rechnerische Seite war also in Butter, aber konnten wir denn nun von einem Porsche sprechen? Immerhin war es ja eigentlich eine Auftragsarbeit, die mit dem 911 aber rein gar nichts gemeinsam hat.

Diese Frage lässt sich bis heute nicht so eindeutig beantworten, denn es stellt sich die Frage: Was macht einen Porsche jetzt eigentlich aus? Geht es nach dem Handling, war der 924 sogar einer der besten Porsche überhaupt. Beim Platzangebot hingegen nicht, weil im Vergleich zum 911 hatte er einen echten Kofferraum und eine brauchbare zweite Reihe. Und beim leistbaren Preis war es für die Hardliner dann sowieso vorbei. Aber man entschied sich ja auch bewusst dafür, hier ein neues Einstiegsmodell auf den Markt zu bringen, und auch wenn der kleine Klappscheinwerferwagen immer dafür gepeitscht wurde, nie wirklich erfolgreich zu sein, entstand aus ihm in weiterer Folge der 944 und dann auch noch der 968. Alle übrigens nur mit Vierzylindermotoren, da nichts größeres reinpasste. Ob Audi, die Ende der 1970er mit dem Fünfzylinder durchstarteten, mit dieser Auftragsarbeit also jemals glücklich geworden wären, bleibt also sowieso fraglich.

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