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Helden auf Rädern: Biagini Passo

Viel hilft nicht viel

Dieses Auto ließ viele ratlos zurück. Auch seine Erbauer, die sich einfach viel zu viel vornahmen und sich damit selbst zu Grabe trugen. Heute ist der Biagini Passo umso bizarrer. Und seltener.

Roland Scharf

Es gibt so wenig über dieses Auto zu erzählen, obwohl es so wirr und gut gemeint war, dass man nur schwer fassen kann, was hier eigentlich passiert ist. Am ehesten versteht man das Dilemma wohl, wenn man sich die Geschichte des Mutterkonzerns anschaut: ACM. Die Gruppe Ali Ciemme S.p.A. aus Piazzino di Atessa baute diverse Kisten auf Fiat-Basis, suchte aber immer nach der perfekten Nische, die man nach einigen Jahren gefunden zu haben schien. Man wollte damals die noch geringe Auswahl an kleinen und leistbaren Geländewagen auffetten, die bislang fast nur von japanischen Herstellern bespielt wurden. Also startete man 1981 mit Lizenzbauten aus dem rumänischen Hause ARO. Auto Romania verstand sich als Experte für nicht die hübschesten, aber doch recht robusten Kraxler, was für ACMs Zwecke wie ideal schien. Ein Auto aus Italien aber mit so einem komischen Kürzel auf den Markt zu bringen, das ging irgendwie überhaupt nicht.

Also erfand man Ciemme. Unter diesem Label vertrieb man umgemodelte AROs, denen man einen Dieselmotor von VW oder einen Benziner von Renault spendierte. Als Scorpion lancierte man sogar eine Pick up-Variante, aber irgendwie war der Wagen Ende der 1980er-Jahre, in der Hochphase der Spaßgesellschaft, aber dann doch irgendwie zu langweilig. Auch der Name.

Zu Beginn des neuen Jahrzehnts überlegte man sich also alles komplett neu. Ciemme ließ man einfach fallen und gründete Biagini, was schon einmal sehr italienisch klang. Aber für die neue Klientel für kleine Gatschhüpfer musste man schon etwas besonderes bieten. Diese Käuferschicht gibt schließlich gerne etwas mehr für ihre Spaßgeräte aus. Und da kam man auf eine wilde Idee: Warum kein Cabrio mit Allradantrieb? Über die Connection mit Fiat kam man mit Steyr Puch ins Gespräch, die seinerzeit gerade den Golf Country fertigentwickelt hatten. Und von VW ist es zu Karmann ja nicht mehr weit, wo das Golf Cabrio vom Band lief.

Es kam also, was kommen musste. Mit einer wilden Rahmenkonstruktion schaffte man es irgendwie, den Antriebsstrang des Country (der ja auf der zweiten Golf-Generation basierte) unter die Karosserie des Cabrios (das ja auf der ersten Generation des Golf basierte) zu stecken. Was ja grundsätzlich keine blöde Idee war: Die Technik war ausgereift und verfügbar, und das Cabrio viersitzig und offen. Das alleine reichte der jungen Marke Biagini aber nicht.

Schließlich sah der VW ja immer noch wie ein VW aus. Also musste ein neues Design her, wobei man sich hier leider alter Vorbilder aus der Firmengeschichte bediente, ja und diese Ciemmes hatten nun einmal alle den Look eines rumänischen Zweckform-Allradlers. Nichts desto trotz gestaltete man die gesamte Front um, nur um Scheinwerfer und Blinker der ersten Fiat Panda-Generation zu verbauen. Die Heckleuchten stammten vom Golf Caddy, und weil man die Heckklappe nicht oben, sondern unten anschlug, ersetzte man das Verdeck mit Glasscheibe gegen eines mit Folie.

Sogar der Schriftzug sah eher so aus, als wäre er nur eine abgeänderte Version des damals aktuellen Passat-Logos, und alles in allem ließen diese zahlreichen kleinen Fragwürdigkeiten den Passo ein wenig zusammengestückelt wirken, obwohl er zu Zeiten der planlosen Fire, Ice & Dynamite-Ära durchaus Erfolg hätte haben können. Der Erfolg indes wollte sich einfach nicht einstellen. An die 60 Stück, so ganz genau weiß das heute keiner mehr, wurden bis 1993 gebaut. Und dass VW 1991 den Country und 1993 das Einser-Cabrio einstellte, somit also keine Basisfahrzeuge mehr vorhanden waren, dürfte in Piazzino fast wie eine Erlösung empfunden worden sein So konnte man die Produktion des Passo endlich beenden, und nach dem durchschlagenden Misserfolg auch gleich die ganze Marke ACM.

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