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Es war nicht einmal

Die Retro-Welle begann gerade sich aufzuschaukeln. Doch wie man auf ihr reitet, hat Chrysler mit dem PT Cruiser leider nicht verstanden.

Roland Scharf

Wenn man sich amerikanische Heimaltfilme wie Top Gun ansieht, wird einem sofort klar, woraus amerikanische Folklore so alles besteht: aus Hot Dogs. Hot Rods, Drive Ins und der Route 66, ewige Highways, bisschen Basketball und dem üblichen Easy Living, den und der vor allem Kalifornien geprägt hat. Und danach lechzte lange Zeit die halbe Welt. Als Chrysler nach der Fusion mit Daimler Benz zu DaimlerChrysler Ende der 1990er-Jahre also auf der Suche nach der neuen Rolle im Weltkonzern war, besann man sich natürlich auf klassische Werte. Die Schickeria und Bonzen konnte man eh nie von Mercedes weglocken, also wollte man lieber die Coolness buchen und brachte wirklich einige Modelle auf den Markt, die es so nie gegeben hat. Den Plymouth Prowler zum Beispiel, einen waschechten Hot Rod, zumindest optisch. Und dann eben den PT Cruiser.

Auch dieser schwamm optisch auf der Retro-Welle, die seinerzeit gerade so richtig an Fahrt aufnahm. VW mit dem New Beetle zeigte, dass man mit alter Optik und neuer – meist günstiger – Technik durchaus Erfolg haben konnte. Schließlich konnte man so die Masse ansprechen. Zudem hatte man ja sowieso den etwas faden Neon als Technikspender im Programm, Minivans waren zu der Zeit auch gerade sehr beliebt – warum also nicht aus der Not eine Tugend machen? 1999 präsentierte man also die erste Fassung des PT Cruiser, wobei PT schlicht für Personal Transport stand – Firmenkunden waren somit also gleich einmal nicht die Zielgruppe.

Es ist jedenfalls unübersehbar gewesen, an welchen Vorbildern man sich den ein oder anderen Optik-Kniff abschaute. Die 30er-Jahre, gepaart mit ein bisschen Art Deco, schon hatte man den historischen Look von – ja, von was eigentlich? Im Vergleich zum Beetle oder später dann zum Fiat 500 fehlte es dem PT von Anfang an an einem Ur-Modell, das man sich als Teenie sooo gerne gekauft hätte, aber einfach nicht die Kohle hatte. Oder dass man zu Studentenzeiten fuhr und nun die Jugend noch einmal aufleben möchte. All das holte man dann eben mit einem New Beetle nach, oder etwas später auch mit der Neugeburt des Golf GTI. Aber Vorbilder aus den 30er-Jahren wären 60 Jahre später ohnehin schon nur etwas für Leute gewesen, die zur Jahrtausendwende kaum mehr über eine Neuanschaffung nachdachten.

Zudem kam, dass auch die zweite Rolle, die des Minivans, nicht wirklich etwas für den PT Cruiser war. Dazu musste aufgrund der Optik die Windschutzscheibe zu niedrig, das Heck zu flach und der Innenraum generell zu klein ausfallen, weswegen auch Pratmatiker nie auf die Idee gekommen wären, hier zuzuschlagen. Motorisch war auch kein echter Leckerbissen dabei, der Neon bot nun einmal ausschließlich Vierzylinder. Aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend.

Es ging also recht bald an eine Überarbeitung, wobei man hier ein wenig die möglichen Volumina wohl maßlos falsch einschätzte. Der Diesel-PT zum Beispiel (der nie TD Cruiser hieß) wurde nur für ein Jahr bei Magna in Graz gefertigt, ehe dort das Eurostar-Engagement auslief und man sowieso drauf kam, dass diese Operation zu teuer kam. Zwar kauften damals die Europäer zwar am liebsten Selbstzünder, aber eben nur sehr wenige PT Cruiser, weswegen man diese Variante so wie alle anderen auch dann ebenfalls in Mexiko fertigen ließ.

Also startete man wieder einen neuen Versuch. Man legte eine Sportversion auf mit dem 2,4 Liter-Turbo aus dem Neon SRT (der nie GT Cruiser hieß), was mit der ratlosen Lenkung und den schwachbrüstigen Sitzen mit plusminus 0,0 Seitenhalt aber überhaupt keine brauchbare Mischung abgab. Der völlig überforderte Frontantrieb ergab dazu ein Fahrverhalten sonderbarer Güte: der Turbo-PT fuhr aufgrund des hohen Drehmoments nie geradeaus, außer in Kurven.

Also ging man erneut ans Werk und brachte ein Cabrio auf den Markt (das auch nie GT Cruiser hieß), was den Wagen aus einem Vier- zu einem Zweitürer machte. Ein gigantischer Aufwand also für Konstruktion, Fertigung und Homologation, wobei das Ergebnis eher eine Badewannen-Atmosphäre versprühte, da man aufgrund der sehr hohen Gürtellinie kaum etwas von der Frischluft mitbekam und beim Rückwärts-Einparken am liebsten das Verdeck zugemacht hätte – hätte man dann nicht noch weniger gesehen.

Dass es der PT Cruiser dennoch schaffte, zehn Jahre lang auf dem Markt zu bleiben, zeigte nur schön, wie gut und preiswert einerseits man in Mexiko produzieren kann. Und wie sehr amerikanische Heimatfilme angesehen werden. Zumindest in den USA.

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