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Helden auf Rädern: Alfa Romeo Alfa 6

Das verflixte siebte Jahr

Als er neu war, war der Alfa 6 gewiss kein schlechtes Auto. Es verstrichen nur leider sechs Jahre, bis er endlich auf den Markt kam. Und gerade damals war die Autowelt eine völlig andere, in der sich der große Italiener wiederfand.

Roland Scharf

Wer diese Serie ein wenig verfolgt, wird für viele Kleinstserienhersteller und limitierte Sonderlinge auf vier Rädern vor allem ein Jahr bereits festgemacht haben, in dem sich die Bedingungen drastisch änderten: 1973. Im Jahr der großen Ölkrise wurde man erstmals auf die Endlichkeit des Erdöls aufmerksam, der Benzinpreis begann, ein echte Budgetoposten zu werden und auch Dinge wie Verbrauch und Abgasverhalten rückten in die gesellschaftliche Mitte. Doch nicht nur die Kleinen hatten ab dann heftig zu kämpfen. Auch große Marken, zum Beispiel Alfa Romeo.

Der Staatsbetrieb war bis zum Schicksalsjahr mehr oder weniger ein Vollanbieter. Es gab kleine Limousinen, große Limousinen, auch ganz große. Und gerade in dem Bereich bastelte man schon länger an einem Neuling, der die betont konservativ denkende Klientel optimal bedienen sollte: der Alfa 6. Das Design war genau so, wie man sich das von einer Limousine im Drei-Box-Design erwarten würde, ohne jeglichen Anflug von Finesse oder Effekte. Und auch die Technik blieb dort, wo man sich seit Jahrzehnten aufhielt, nämlich bei einer klassischen Anordnung Motor-Getriebe vorne und Antriebsachse hinten. Das ist deswegen erwähnenswert, weil die anderen Alfas, von Giulietta bis Alfetta allesamt über eine Transaxle-Bauweise verfügten, aber man hatte ja seine Zielgruppe genau im Auge. Jedenfalls – das muss schon gesagt werden – war der Wagen zu seiner eigentlichen Lancierung ziemlich ideal zugeschnitten, zumal Alfa Romeo als Staatsbetrieb ja bestimmte Vor- und Aufgaben zu erfüllen hatte. Zum Beispiel als Lückenfüller einspringen, da Italien erst kürzlich die Maserati-Anteile von Citroen erworben hatte und dort der Quattroporte nicht mehr produziert wurde. Man befand sich also auf einem durchaus soliden Weg.

Dann kam 1973. Schlagartig hatten es alle Fahrzeuge mit großen Motoren und vielen Vergasern alles andere als einfach, überhaupt Käufer zu finden. Der 6 hatte es da alles andere als gut erwischt, denn unter seiner langen Motorhaube schlummerte der brandneue 2,5-Liter-V6 mit drei Doppelvergasern, der zwar mächtig anschob und natürlich fantastisch klang, indes alles andere als ein Sparwunder war. Panik brach in Mailand aus – werde man mit dem neuen Modell überhaupt Käufer finden? Zahlt es sich aus, ihn überhaupt jetzt auf den Markt zu bringen? Wenn man nicht genau weiß, was man tun soll, ist es vielleicht schlauer, einmal gar nichts zu machen, und so verschob man den Marktstart einfach erst einmal auf unbestimmte Zeit. Besser schließlich, als mit jedem verkauften Auto Geld zu verlieren.

In der Zwischenzeit bewegte sich die Autowelt natürlich weiter, und auch in Italien gab es Neuigkeiten. DeTomaso zum Beispiel erwarb für einen lächerlichen Betrag Maserati und begann an der Entwicklung des Quattroporte III. Vor allem in Deutschland formierte sich eine breite Front an soliden und schnellen Limousinen mit überraschend guten Trinksitten. Aus Japan schwappten immer mehr preisgünstige und vernünftige und verlässliche Fahrzeuge nach Europa, und allesamt gruben sie den italienischen Traditionsmarken mehr und mehr Segmente ab, in denen sie traditionell gut waren. Kein Wunder, dass vor allem große Modelle langsam ausstarben, was für den Alfa 6 natürlich alles andere als gute Vorzeichen waren, als er 1979 dann doch noch auf die Märkte dieser Welt kam. Denn ganz schlicht gesagt, war die Industrie bereits eine Generation dem Romeo voraus.

Da half es auch nichts, dass man hastig von den Vergasern auf eine Einspritzung umstellte. Auch wenig hilfreich war, dass die ganzen anderen Alfas wie schon erwähnt über die deutlich lässigere Transaxle-Technik verfügten. Es war einfach wie verhext, aber gegen die 5er-BMWs und E-Klassen (die damals noch nicht E-Klasse hießen) dieser Welt sah der 6er unmittelbar ganz schön alt aus. Das ging sogar so weit, dass der US-Importeur die ersten sieben Exemplare, die die Küsten der Neuen Welt erreichten, quasi direkt verschrotten ließ, weil nicht einmal er daran glaubte, sie jemals verkaufen zu können. Kein Wunder also, dass gerade einmal nur ein paar hundert Stück jedes Jahr die Werkshallen verließen, was sich auch nicht änderte, als man 1983 ein gröberes Facelift durchführen ließ, das den Alfa aber auch nicht schöner, sondern nur noch abstrakter werden ließ.

Als es 1986 dann endlich mit dem Spuk vorbei war, kann man fast schon von einer Erlösung sprechen, wobei das Auslaufen des 6ers eigentlich kaum jemand mitbekam. Bei Alfa und vor allem beim Eigentümer, dem Staate Italien, hat man aus dem Drama jedenfalls gelernt und beschloss clevererweise, den überalteten 6 und die überüberaltete Giulietta gleich mit einem Modell zu beerben. Wobei: Dass dieser Alfa 90 von der Technik her erst wieder auf einem alten Modell basierte, ist ein völlig anderes Drama.

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