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Helden auf Rädern: Buick Riviera VII

Über kurz oder lang

In der siebten Ausprägung des Riviera lernte Buick vieles über den Fahrzeugbau. Was man darf. Was man nicht darf. Und was man nur zur rechten Zeit darf.

Roland Scharf

Riviera – ein Name schwungvollen Klangs voll mondäner Stimmung. Er steht für Luxus. Leben. Flanieren. Dem vollen Genuss, zudem natürlich auch ein passender fahrbarer Untersatz dazugehört. Das waren die ersten Coupés von Buick auch, die diesen Namen trugen, doch irgendwann in den 1970ern verkommte das ehemalige Nobeltöchterchen ein wenig, wie auch die Region in Frankreich.

Den anfänglichen Gipfel des Niedergangs markierte die sechste Generation von 1975, die optisch nicht nur viele ratlos zurückließ, wer von den ehemaligen Designern noch etwas zu melden hatte. Dazu schrumpfte der Kahn deutlich und hatte erstmals Frontantrieb. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Generation Sieben nämlich debütierte 1986, hatte natürlich auch Frontantrieb aber ausschließlich nur mehr Sechszylinder. Ein Ami ohne V8 ist an sich schon so eine Sache. Aber ein Genießerzweitürer dermaßen bestückt, das war schon harte Kost, zumal man als Zeichen der Zeit noch weiter an der Größe drehte. Keine 4,80 Meter maß der Riviera nur mehr, was für die Neue Welt schon fast ein Kleinwagen war. Man kann sich also vorstellen, dass die Käuferschaft mehr als nur verhalten reagierte.

Da half es auch nicht, dass man dagegen zumindest technisch auftrumpfen wollte. Der Riviera war zum Beispiel das erste Großserienmodell mit einem Touchscreen, was damals wie Technik aus dem Atomraketenarsenal gewirkt haben musste. Natürlich war dieses Display nicht hochauflösend oder hatte gar Farben. Man blieb bei dieser Röhrenkonstruktion bei der klassischen grünen Schrift auf schwarzem Hintergrund treu – wie Computerbildschirme damals halt arbeiteten – vereinte aber damals schon Funktionen wie Klimasteuerung oder Radio oder Bordcomputer auf diesem zentralen Anzeigeinstrument – eigentlich vom Prinzip her genauso wie es heute in jedem Auto üblich ist.

Das eigentlich Tragische an dieser Geschichte ist aber, dass man mit dieser tapferen Ingenieursleistunge völlig den Punkt verfehlte, worauf Kunden dieses Fahrzeugs eigentlich Wert legen. Tatsächlich griffen nur echte Hardliner zur siebten Riviera-Generation, was aber weit zu wenig war. Also machte man zum Facelift 1989 das einzig logische: Man verlängerte das Fahrzeug einfach, was aber gar nicht so easy war, da man bei diesern Generation erstmals eine selbsttragende Karosserie verwendete. Daher blieben Dinge wie Radstand oder Fahrgastzelle gleich, es gab lediglich ein weit längeres Heck, das den Wagen um fast 30 Zentimeter stretchte.

Mindestens genau so wichtig war es, praktisch im gleichen Atemzug den futuristischen Touchscreen zu stanzen und wieder ganz normale herkömmliche Instrumente und Bedienregler zu verbauen, und tatsächlich stiegen nach diesen ziemlich aufwändigen Änderungen die Verkäufe kurzzeitig wieder spürbar an, um dann aber zum Ende des Produktionszyklus fast ins Bodenlose zu fallen. Was damals noch keiner ahnen konnte, als alle in Detroit große Hoffnungen in die achte Generation setzte: Diese sollte sogar noch erfolgloser werden, obwohl sie noch einmal 30 Zentimeter länger war. Die V6 waren aber nach wie vor eher etwas zum abgewöhnen, sodass General Motors 1999 final den Stecker zog und dem Riviera endgültig und für immer das Licht abdrehte.

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