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Wenn zwei sich streiten

Wenn sich die Politik in die Modellpolitik einmischt, bedeutet das nicht unbedingt, dass die unterstützte Marke auch überleben wird. Wie zum Trotz bekam das neue Modell dann auch noch deren Namen verpasst.

Roland Scharf

Ende der 1970er-Jahre war der Trend zur modernen Kompaktklasse endgültig in den Vorstandsetagen dieser Welt angekommen. Frontantrieb, quer eingebauter Motor, eine große Heckklappe – alles ganz so, wie es Alfa Sud und VW Golf vormachten. So konnte man richtig Kohle machen, und auch bei der europäischen Niederlassung des US-Konzerns Chrysler dachte man entsprechend über so ein neues Fahrzeug nach.

Jetzt war es aber so, dass die Autoindustrie in England zu jener Zeit heftige Probleme hatte. Die Gewerkschaften riefen sogar zum Streik auf, wenn die neuen Latzhosen nicht die gewünschte Farbe hatten. Bandarbeiter bauten wie zum Trotz Autos schlecht zusammen, um sich an der Geschäftsführung zu rächen, und weil das alles natürlich ein riesengroßes Politikum war, wollte die Regierung nach dem Desaster rund um British Leyland nicht noch eine weitere Katastrophe riskieren. Also sprach man mit Chrysler, zu denen die Rootes-Gruppe – inklusive der Marken Simca und Sunbeam – gehörte, über das neue Modell.

Na logo greift man bei der Entwicklung finanziell gern unter die Arme, ist doch klar. Aber dafür musste der Neuling in nur 18 Monaten fertig sein und im Rootes-Werk in Linwood vom Band laufen, ohne wenn und aber. Hier ging es schließlich um den Erhalt zahlreicher Arbeitsplätze. Und deren Stimmen wollte man sich für die nächsten Wahlen natürlich so schnell wie möglich sichern.

Es blieb den armen Ingenieuren also nicht wirklich etwas anderes übrig, als auf das zurückzugreifen, was man in Linwood so fand. Und das waren vor allem altgediente Modelle aus dem Fundus von Rootes-Fahrzeugen. Also nahm man als Basis eine verkürzte Plattform des bereits in die Jahre gekommenen Hillman Avenger, was gleichzeitig bedeutete: Kein Front- sondern Heckantrieb. Keine Einzelradaufhängung, sondern Starrachse. Statt großer Heckklappe gab es nur eine große Heckscheibe, die als Klappe fungierte, und auf vier Türen hatte man zugunsten des Chrysler Horizon auch großzügigerweise verzichtet. Den entwickelte man nämlich parallel dazu in Frankreich bei Chrysler-Tochter Simca – mit Frontantrieb, Einzelradaufhängung und fünf Türen.

Warum der Name des Neulings dann auf Sunbeam fiel, darüber lässt sich nur mutmaßen. Vermutlich um noch irgendwie etwas von der guten alten Zeit zu retten, durfte es der Name einer längst aufgelassenen Marke sein. Jedenfalls wunderte es keinen so wirklich, dass der Neue auf dem Markt nicht wirklich gut ankam. Wenig Platz, miese Verarbeitung, fade Motoren – die Liste ist lang, doch als findiger Engländer weiß man grundsätzlich, was in diesen Situationen zu tun ist: Man lanciert einfach ein Sportmodell! Niemand geringerer als Lotus holte man dafür ins Boot, die ihren 2,2-Liter-Mehrventiler einpflanzten und aus dem Sunbeam mit 150 Pferden eine echte Rennschachtel zauberten. Sein Name jedoch bestand dann schon aus drei Markennamen. Richtig: Chrysler Sunbeam Lotus!

Wobei, es war da eigentlich eh schon wurscht. Diese ganzen Doppelbelastungen mit Sunbeam hier und Horizon da wuchs Chrysler über den Kopf. Das Geld war weg, man musste die ganze Sparte an den PSA-Konzern verkaufen. Was für unseren Helden bedeutete: Der hieß fortan Talbot Sunbeam, zweitweise sogar Talbot Simca Sunbeam. Aber nur kurz, denn bereits 1981 durfte der Zweitürer endlich abdanken. Und PSA formte aus dem ehemaligen Simca- Rallyeteam, die mit dem Sunbeam Lotus 1981 sogar Weltmeister wurden, jenes Peugeot-Team, das dem 205 T16 zu Weltruhm verhelfen sollte. Es war also doch nicht alles umsonst.

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