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Heu mit Schrecken

Das richtige Modell nützt nichts, wenn es zum falschen Zeitpunkt auf den Markt kommt. Dass mehr Kinderkrankheiten als Extras an Bord waren, taten dem Plymouth Cricket aber auch nicht unbedingt gut.

Roland Scharf

Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen. Zu Beginn der 1970er-Jahre war das Tanken ein so niedriger Posten, dass man es im Haushaltsbudget eigentlich nicht als echten Posten anführen musste. In den USA natürlich noch mehr, wobei die Ölkrise 1973 weltweit den Automobilisten wirklich das Fürchten lehrte. Auf einmal waren kleinere, leichtere und verbrauchsärmere Fahrzeuge hoch im Kurs – aber vorher? In den Staaten jedenfalls definitiv nicht.

Und damit haben wir schon einen entscheidenden Punkt erwähnt, warum dem Plymouth Cricket kein Erfolg beschert war. Die Chrysler Gruppe brachte ihn nämlich 1971 auf den Markt, wo sich auf der anderen Seite des Teichs wirklich niemand für ein Auto interessierte, das keinen Achtzylinder hatte, nicht mindestens 5,5 Meter lang oder ein Käfer war. Dabei ging man das Projekt ja wirklich ambitioniert an. Sogar den Namen (engl. für Heuschrecke) wählte man in Hinblick auf den erfolgreichen Konkurrenten aus Wolfsburg. Ja und weil die Europäer mit kleinen Autos ja anscheinend Erfahrung haben, entwickelte man auch selber kein Modell, sondern griff bei der englischen Tochter – der Rootes Group – zu.

Was Chrysler tat: Sie schnappten sich den damals neu entwickelten Hillman Avenger, der (wirklich) rein zufällig relativ amerikanische Linien trug und verpassten ihm ein kleines Update, um in den USA halbwegs ernst genommen zu werden. Vier Rundscheinwerfer, Kopfstützen, dazu nur die Option des stärkeren Motors mit 1,5 Litern Hubraum – fertig war der Käferkonkurrent, frisch von den englischen Kornfeldern.

In der Praxis hätte man sich bis zur Ölkrise aber noch Zeit lassen sollen, denn kaum ein Exemplar funktionierte so wie es soll. Die Autos waren schließlich völlig unerprobt und gerade frisch angelaufen, entsprechend gab es gehörige Probleme bei der Qualität und Haltbarkeit. Dazu kam die gewohnt lasche Rostvorsorge der Briten, die mit den heftigen Wintern und dem entsprechend üppigen Salzstreuen an der amerikanischen Ostküste überhaupt nicht zurecht kam.

Kurz gesagt: Es blieb bei ein paar Schiffsladungen. Auch wenn er für amerikanische Verhältnisse mit seinen 4,2 Metern recht kurz war – als Käfer-Konkurrent wollten ihn die Amis einfach nicht akzeptieren, und so gab es nur ein Jahr nach Markteinführung auch schon wieder die Beendigung dieses Engagements. Ja und dann kam aber die Ölkrise, und Chrysler benötigte erneut einen kleinen und leichten und verbrauchsarmen Wagen.

Was sie aber dieses Mal taten: Anstatt sich bei den eigenen Tochterunternehmen umzusehen, übernahmen sie lieber den Celeste von Mitsubishi und vertrieben ihn als Plymouth Arrow. Kleine Ironie am Rande: der Avenger hielt sich in Südamerika mehr als zehn Jahre am Markt. Und das zeitweise sogar als umgelabelter Volkswagen.

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