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Helden auf Rädern: Venturi 400 GT

Der ewige Wille

Die Geschichte des 400 GT endet mit der von Venturi, wenn auch nur auf den ersten Blick. Denn aus PS-strotzendem Patriotismus hätte sonst nie eine Firma werden können, die ihrer Zeit ein wenig zu weit voraus war.

Roland Scharf

Warum gründen zwei Ingenieure eine Firma, um Sportwagen zu bauen? Mitte der 80er-Jahre hatte das recht spannende Gründe. Frankreich galt lange Zeit als Wiege des Automobils, und tatsächlich kamen im Laufe der Jahrzehnte viele wichtige Innovationen aus diesem Land, ohne denen das moderne Fahrzeug nicht möglich gewesen wäre. Nur in einem Bereich, da waren die Franzosen einfach nicht vertreten: dem der Sportwagen. Ja sicher, die Alpines waren ja recht nett, und es gab viele große Namen, allen voran Facel Vega. Aber die Zeiten sind vorbei gewesen, und Ferrari und Porsche, vor allem aber auch die Erzfeinde aus England namens Aston Martin spielten in einer ganz anderen Liga. Das konnte es ja einfach nicht sein.

Also entschlossen sich Claude Poiraud and Gérard Godfroy MVS zu gründen, damit der Name schon keine Zweifel daran lässt, was hier Programm ist: Manufacture de Voitures de Sport, Fabrik von Sportwagen.

Und man legte auch sofort konsequent los. Das Erstlingswerk, der Ventury, hatte Doppelquerlenkeraufhängung und für eine perfekte Gewichtsverteilung natürlich ein Mittelmotor-Layout. Anfangs noch mit einem Motor aus dem Golf GTI, switchte man aber schnell auf französische Aggregate um, da muss man dann schon konsequent sein. Und bereits 1985 saß bereits der Vierzylinder aus dem Peugeot 505 Turbo mit 200 PS unter der Haube, und ein Jahr später zur Pariser Autoshow bereits der damals neue Euro-V6 mit drei Litern Hubraum und ebenfalls rund 200 PS.

Ob dieser hemdsärmelige Motor jetzt der schlaueste Zug war, weil er eigentlich überhaupt nicht dem Charakter eines Sportwagens entsprach, sei dahin gestellt. Aber, man hatte zumindest sechs Zylinder unter der Haube, und damit konnte man 1987 dann zumindest einmal in Serie gehen. Dass der Wagen in unterschiedlichsten Versionen bis 2000 im Programm blieb, ist an sich schon eine erstaunliche Leistung, denn im Prinzip änderte man immer nur Details und Features, nie aber das eigentliche Auto. Wohingegen man bei der Konkurrenz in dieser Phase der PS-Eskalation nicht aufhören konnte, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Im beschaulichen Couëron im Westen des Landes hingegen hatte man vor allem mit einem Problem zu kämpfen: dem fehlenden Image.

Supersportwagen verkauft man schließlich nicht nur rein über das Datenblatt, wo Venturi (das Y tauschte man inzwischen gegen ein international anerkannteres I) zum Schluss dank Turboaufladung und Vierventil-Technik recht gut mitspielen konnte. Es muss immer auch ein wenig Glamour mitschwingen. Der Glanz großer Namen und prägender Historie, wo Porsche und vor allem Ferrari einfach um Längen voraus waren. Und diesen Vorsprung konnte Venturi einfach nie einholen. Dennoch: 750 Exemplare in 13 Jahren an den Mann zu bringen, ist in Anbetracht dieser Umstände eine echte Leistung. Genau so die große Freude an der Innovation. So verfügte die letzte Eskalationsstufe des Venturi, der 400 GT, nicht nur über 408 PS und schaffte den Sprint auf 100 km/h in 4,7 Sekunden. Er war auch das erste Serienauto mit Carbonbremsscheiben, und nicht nur deswegen eine solide Basis für einen Le Mans-Einsatz, den 1995 unter anderem Paul Belmondo, der Sohnemann von Jean Paul Belmondo, bestritt.

Irgendwann ging es sich dann aber einfach nicht mehr aus. Nicht zuletzt immer strengere Abgas- und Sicherheitsauflagen Anfang dieses Jahrtausends führten die doch schon ziemlich alte Venturi-Basis an ihre Grenzen. Für eine komplette Neukonstruktion, ebenso für einen gänzlich neuen Motor, fehlte es aber definitiv an Kapital. Venturi beendete die Geschäftstätigkeit also, wobei das nur für das bisherige Geschäftsfeld zutrifft. Der neue Eigentümer nämlich, Gildo Pallanca Pastor aus Monte Carlo, sah in dieser Firma die perfekte Basis, um seine Vision eines französischen Sportwagen zu verwirklich – nämlich einen mit E-Antrieb. Und dieses Vorhaben verfolgt Venturi bis heute.

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