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Der Traum eines Mannes

Hoch waren die Pläne für ein Auto, das den Eindruck erweckte, nie diese Rolle einnehmen zu wollen. Doch der Vater des VW Passat W8 war einfach ein durchaus mächtiger.

Roland Scharf

Man muss sich die grundsätzliche Situation von vor 21 Jahren nur einmal vor Augen halten. VW war seinerzeit gerade in der Phase des großen Aufbruchs. Volkswagen, so hieß man, ja. Aber der Anspruch war schon längst Premium, wie der damals aktuelle Vierer-Golf es bewies. Der neue Polo auch ein bisschen, vor allem aber der frisch geliftete Passat. Der intern 3BG genannte Wagen basierte ja auf dem damaligen Audi A4, man konnte also auf eine durchaus gute Basis bauen. Und nachdem der ganze Konzern unter der Führung von Ferdinand Piech auf allen Kanälen nach den Sternen griff, war es nur logisch, dass man hier noch eins draufsetzen musste. Der Phaeton war schließlich noch nicht einsatzbereit.

Also bedient man sich einfach des Passat und eines alten Konzepts: acht Zylinder. Das klappte zehn Jahre früher schon beim Audi V8, der eigentlich nur ein umgemodelter 200er war. Und auch dieses Mal erfand man den Motor nicht komplett neu, sondern kombinierte die verbauten Komponenten einfach ein wenig anders. Der W8 ist also von der Bauweise ein klassisches VR-Triebwerk, wie es vom Golf VR6 bis zum Bentley Flying Spur auch heute noch zum Einsatz kommt. Man musste also nicht von Null anfangen – immerhin. Dennoch war der Aufwand natürlich gigantisch und irgendwie nur schwer zu erklären, warum man nicht einmal auf die Idee kam, die 4,2 Liter großen Achtzylinder von Audi zu versuchen in den Wolfsburger zu klemmen.

Vielleicht waren die Ingolstädter ja auch dagegen, also entstand ein vier Liter großes Aggregat mit 275 PS, das vor allem dank seines Klangs herausstechen konnte. Die Zündreihenfolge ist nämlich so wie die eines Ferrari, war in TV-Beiträgen damals zu hören, ja und tatsächlich machte das Röhren Vorfreude auf Mehr. Natürlich gab es den W8 als echtes Topmodell nur mit Automatik und Allradantrieb, und irgendwie fingen dennoch erste Zweifel an zu keimen, wer sich eigentlich dieses Auto kaufen sollte. Es ist ja – mit Verlaub – doch nur ein Passat. Und der kommende Phaeton mit V8-Motor (da dann von Audi) kostet zwar natürlich mehr, um so viel mehr aber dann auch wieder nicht.

Es kam also wie es kommen musste. Irgendwie konnte der W8 nicht so Recht überzeugen. Natürlich war er an Understatement nicht zu überbieten, nur stellte er diese Herangehensweise schon auf fast übertriebene Art und Weise dar. Vier Auspuffrohre mögen heute bei starken VWs Standard sein, muteten damals aber noch reichlich befremdend an, zumal sie in Kombination mit relativ schlanken 17-Zoll-Rädern etwas überdimensioniert wirkten. Dazu wollte der Motor nie so recht „aus dem Quark“ kommen, war dafür aber alles andere als ein sittenhafter Trinker. Und das, was an Drehmoment noch übrig blieb, behielt die extrasoft abgestimmte Automatik dann noch großteils für sich.

Den W8 als Totgeburt zu bezeichnen, wäre aber dennoch nicht ganz richtig. Schließlich sorgte er für ein nochmals aufpolierteres VW-Zeichen am Kühlergrill, was natürlich auf die ganzen TDIs stark abfärbte, die ja eigentlich genau so aussahen wie der fantastisch klingende W8. War es also reines Kalkül, um die gesamte Baureihe höher anzusiedeln als die nüchtern betrachtet auch nicht schlechtere Konkurrenz? Man dürfte jedenfalls nicht langfristig damit gerechnet haben, dass man mit so einem Modell lange Erfolg haben wird. Denn dass der nachfolgende Passat künftig auf Golf-Basis stehen sollte, stand damals schon fest. Und damit die Tatsache, dass aufgrund der quer eingebauten Motoren kein Achtzylinder mehr Platz finden könnte. So blieb dem hubraumstärksten Passat aller Zeiten zumindest die Trophäe des Wagens mit dem zweithöchsten Wertverlust aller Zeiten.

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