CLASSIC

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Das Gesicht der Formel 1

Nehmen wir es vorweg: Die Formel 1 wird auch diesen Skandal überleben, und es ist anzunehmen, dass sie nicht nachnachhaltig beschädigt ist.

von Helmut Zwickl

Aber das Gesicht der Formel 1 hat sich geändert. Konkurrenzdenken und Feindseligkeiten hat es immer gegeben, die Geschichte der Formel 1 ist voller Skandale. Betrügereien hat es immer gegeben, sie wurden mehr oder weniger hart bestraft. Die Formel 1 war immer eine politische Formel, die Gerichtsbarkeit hinterließ immer wieder Zweifel an der Gerechtigkeit. Ferrari war immer ein politisches Schwergewicht.


Unter dem Druck des vielen Geldes, das am Spieltisch liegt baute sich aber ein derartiger Erfolgszwang auf, dass immer mehr «Tugenden» zum Tragen kommen, die der Formel 1 ein hässliches Gesicht geben: Geldgier und Hass.

Geldgier und Hass trieben Nigel Stepney dazu, Ferrari-Geheimnisse in einem 780 Seiten Dossier an McLaren auszuliefern.

McLaren schickte das Dossier nicht postwendend zurück, es war auch keine Rede davon, sofort eine Anzeige bei der FIA zu machen, sondern man studierte das Dossier zwei Monate lang in aller Ruhe: Ferrari, dieser verhasste Feind, wurde transparent.

Aber Konstruktionsdetails ließen sich nicht eins-zu-eins übernehmen, zu unterschiedlich waren die Silberpfeile von den heurigen Ferrari-Modellen. Aber für die Zukunft bliebt sicher einiges hängen, was Strategien und Konstruktions-Philosophien betrifft.

Auch die beiden spanischen Fahrer, Alonso und der Testpilot dela Rosa ließen sich von den McLaren-Ingenieure, die das Dossier hatten, in diese Bibel einweihen, um daraus einen Gewinn zu schlagen – Alonso erhoffte sich Vorteile gegenüber Hamilton zu sichern.

Fernando Alonso war bisher ein Symphatieträger, doch im Stallduell gegen Schokomilch-Bubi Lewis Hamilton musste er immer neue Pfeile aus seinem Köcher nehmen, die letzten sind offenbar vergiftet.

Mit Ayrton Senna hatte Ron Dennis heftige Duelle über das Salär, aber gemessen an heute, war das die gute, alte Formel 1.

Ron Dennis hat letztlich auch den Senna an Williams abgeben müssen, und auch an dem, was mit Alonso heuer passierte, ist der McLaren-Boss nicht unschuldig.

Er tendierte zu seinem Schützling Lewis Hamilton, und Alonso, diese Mimose mit Hang zur Gnadenlosigkeit (wie er in der ersten Kurve des Belgien-Grand Prix mit einem Gewaltmanöver gegen Hamilton bewies), sah seinen im Vertrag garantierten Nummer eins-Status nicht erfüllt. Hass staute sich auf, letztlich erpresste er Ron Dennis: entweder du spielst mich auf WM-Sieg, oder ich verrate der FIA den E-mail-Verkehr mit de la Rosa...

So wie Ron Dennis die Kontrolle über seine Ingenieure verloren hat, die mit dem Ferrari-Dossier herumspielten, hat er auch die Kontrolle über seine Piloten verloren.

In den Sportgesetzen der Formel 1 stehen genug Paragraphe, die noch dazu breiten Spielraum lassen, um einen solchen «Spionage-Skandal» abzuurteilen.

Das ist auch richtig so.

Klar ist aber auch, dass die Formel 1 ein einziger Spionage-Haufen ist.

Doch die Polizei schaut weg.

Autor Helmut Zwickl ist neben seiner langjährigen Tätigkeit als einer der führenden deutschsprachigen Motorsportjournalisten auch Veranstalter der Ennstal-Classic, alle Infos dazu finden Sie unter www.ennstal-classic.at

News aus anderen Motorline-Channels:

Helmut-Zwickl-Kolumne

Weitere Artikel:

Selten lag die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn so nahe beinander wie beim Fiat Multipla. Da passt es nur gut, dass ihm sogar ein Leben nach dem Tod vergönnt war. In China. Als Elektroauto.

Gleich, aber nicht

Helden auf Rädern: VW Mitra

Dieser VW Transporter ist kein VW Transporter. Oder zumindest nur teilweise. Jedenfalls nicht so, wie man es anhand der Optik vermuten würde. Eine wirre Geschichte, die nicht lange gutgehen konnte.

Zwischen Kaiserwetter und Temperatursturz

Flachgau-Höllental Spring Classic 2025

Leider hatten sich nur 25 Teilnehmer zu dieser tollen Rallye am 4. und 5. April 2025 angemeldet. Ich kann allen Nicht-Teilnehmern nur sagen: Ihr habt was versäumt.

Kleiner Bruder, das Luder

Helden auf Rädern: Renault 6

Plattformübergreifende Entwicklungen waren schon in Mode, bevor sie wirklich in Mode kamen. Im Falle des Renault 6, brachte das Gleichteileprinzip aber fast mehr Nach- als Vorteile mit sich.

Starter, Elektrik, Vergaser im Fokus

Auf zum Schrauberseminar!

Oldtimer-Spezialist Dieter Serglhuber lädt zum Oldtimer–Spezialseminar. An fünf Samstagen werden Klassik-Spezialthemen in Theorie und Praxis erklärt.

Schon jetzt sind mehr als 100 Anmeldungen für die 28. Ausgabe der ARBÖ Classic (5. & 6. Juni) in der Admonter Gesäuse Region eingelangt - im September steigt dann die Austrian Rallye Legends.