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Einzige Rettung oder große Farce?

Im Gespräch mit Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost analysiert Helmut Zwickl die Sinnhaftigkeit einer Budgetobergrenze für Formel-1-Teams.

von Helmut Zwickl

Die Befürchtung von Max Mosley ist nicht unbegründet: Wenn das uferlose Wettrüsten in der Formel 1 so weitergeht, die Top-Teams einander zwingen, mit Kriegskassen von bis zu 400 Millionen Dollar pro Jahr zu operieren, werden die Automobilhersteller eher früher als später die Notbremse ziehen, weil die Kosten-Nutzen-Rechnung völlig zum Entgleisen kommt.

Die erste Welle der Androhung von Mosley, in der ein zweiter Windkanal, die Arbeitszeiten im Windkanal, die Anzahl der Computer und die Zahl des Technik-Personals limitiert wird, hat die Top-Teams darart in Panik versetzt, dass sie die Budget-Deckelung, die ab 2009 kommen soll, akzeptieren werden.

Der Deckel soll bei rund 150 Millionen Dollar liegen. «Das gibt innerhalb der Budgetgrenzen eine gewisse Flexibilität», sagt Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost. Wenn das Salär der Teamchefs, Fahrer, das Marketing und der Aufwand für die Motoren aus dem gedeckelten Budget ausgeklammert wird, kann ein Team innerhalb des 150-Millionen-Rahmen entscheiden, wohin man die Schwerpunkte verschiebt: Windkanalarbeit, CFD-Computer, Testteams, Kosten für Personal, Materialien etc.

Und wie soll das kontrolliert werden? Wird Mosley ein Heer von Finanzfahnder zu den Teams ausschwärmen lassen, wie er durchblicken ließ, um die Budgets zu überwachen? Wird die Formel 1 zum Spielfeld einer Stasi? Zusammen mit Franz Tost spiele ich folgendes Szenario durch.

Franz sagt: «Nehmen wir einen Flügel. Irgendwer will einen großen Budgetposten verschleiern, deshalb lagert man die Herstellung aus und lässt die Flügel außerhalb des Werkes irgendwo im Geheimen machen.»

Ich: «...und der Sponsor überweist die Kosten direkt an die geheime Firma. Wie willst das kontrollieren?»

Franz dazu: «OK, aber der Flügel geht dann aufs Auto, seine Nummer ist im System drinnen, mit seinen Daten und seiner Laufleistung. Es ist leicht, an Hand seiner Nummer den Werdegang zu verfolgen.»

Ich: «Die Stasi wird viel Arbeit kriegen. Was ist, wenn ein Team bei einer Bank in Grönland von einem Geheimkonto Geld abhebt?»

Franz: «Wenn wir beim Beispiel Flügel bleiben, so sind in die Herstellung viele Leute involviert, Designer, Carbon-Abteilung, Messtechniker, auf die Dauer lässt sich nichts geheim halten. Überhaupt: wenn Leute zwischen den Teams hin- und herwechseln, würden Budgetverstöße an die Oberfläche kommen...»

Ich: «Was da auf die Formel 1 zukommt, wird die Spionage-Affäre zu einem Sommermärchen degradieren...»

Franz Tost bleibt optimistisch: «So wie das technische Reglement kontrolliert werden kann, lässt sich auch die wirtschaftliche Seite kontrollieren. Man muß aber auf jeden Fall ein Signal setzen, damit die Autohersteller sehen, dass die Formel 1 kein Fass ohne Boden ist. Was ist wenn Toyota aussteigt, steigt dann auch Honda aus? Was ist wenn Mercedes Schluß macht, zieht dann BMW mit? Wir als Toro Rosso würden das Einheits-Budget begrüßen.»

Ob es die einzige Rettung ist, oder bloß die große Farce: Die Praxis wird diese Frage beantworten.

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