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Erinnerungen eines Sportreporters: Frau Mama gibt ihr Comeback
Fotos: Peter Klein & Gabi Husar privat

Erinnerungen eines Sportreporters: Frau Mama gibt ihr Comeback

Eigentlich wollte sie gar nicht 1981 Rallyes fahren, sie wollte zu Hause bleiben und erleben, wie das so ist mit Baby und ohne Co-Pilotin.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Im Jahr zuvor hatte die französische Marke Talbot aus dem Konzern PSA aufhorchen lassen. Erst mit einem dritten Rang durch Guy Frequelin und zum Jahresende gar durch einen Sieg von Henry Toivonen bei der RAC-Rallye in Großbritannien .

Aus dem Hause Raab kam ein heftiges Engagement, man holte noch 1980 Georg Fischer ins Team und wollte nun auch eine Frau, eine Art österreichische Michelle Mouton mit dem Talbot Lotus ins Rennen schicken. Wen sonst als Gabi Husar also, der man fast  kostenlos das Auto zur Verfügung stellte. Doch es geschah Eigenartiges vor dem Start der legendären Jänner-Rallye 1981 in Freistadt: Ein Massenaufgebot an Journalisten, die Weltpremiere des Audi Quattro - der ORF gewährte eine Gesamtsendezeit von annähernd  zwei Stunden!

Safarisieger Shekhar Mehta, eine auch international extrem stark besetzte Rallye mit den Norwegern Engseth und Haugland, Sepp Haider, Kösti Hämäläinen, sie alle und noch weitere 76 Piloten standen im Parc Ferme. Doch als Georg Fischer als Fünfter zum Start fahren sollte - ratlose Gesichter. Weder er noch Co-Pilot Michael Weinzierl hatten einen passenden Autoschlüssel bei sich und alle Journalisten rätselten: Schlüssel vergessen, wie kann das sein? Zu lange in vergangener Nacht in der Sailor`s Bar bei einer Weinverkostung gewesen oder plötzlich vom Kurzzeitgedächtnis verlassen? Kopfschütteln, Unverständnis - aber wie auch immer: Georg Fischer stand vor verschlossenem Auto, konnte nicht starten  und auch Gabi Husar konnte mit Frontantrieb keine Bäume ausreißen. Rang 29 mit dem Talbot Sunbeam TI entsprach, auch trotz langer Pause, nicht ihrem Können!
 

 

Wenn der Franzl ruft…..
 
...dann setzte sich Gabi gerne auch auf den rechten Sitz um dem Meister anzusagen. Die Schneerosenrallye im März war der erste gemeinsame Einsatz im Porsche 911 SC und es wurde für dieses Duo ein überlegener Sieg vor Georg Fischer/Michael Weinzierl die den Schlüssel für den Talbot wieder gefunden hatten und dem Playboy der Nation John Peter Bittner, gemeinsam mit Erich Pollak im Ford Escort RS 2000. Danach fuhr der Franz direkt zurück nach Ramsau bei Hainfeld, während Gabi Husar das Rallyeauto mit Wittmanns Chefmechaniker Max Ogrisek nach Wien brachte. Dort angekommen wollte Max wissen: „Na wie war`s mit dem Franz im Porsche“ und Gabi lächelte glücklich bei den Gedanken an PS, Hinterradantrieb und Gesamtsieg. „Schau, ich hätte da einen Porsche  911 SC, magst nicht sowas einmal fahren ?“ und Gabi`s Begeisterung kannte keine Grenzen.

Einen Porsche selbst in der Rallye fahren, fast doppelt so viel PS wie in der Lada, die Fantasie an die nahe Zukunft machte sich in den Gehirnzellen breit - ein neues Projekt war geboren. Doch vorher noch einmal nach Griechenland - als Co-Pilotin bei Rudi Stohl in der Lada 1600 und kurz vor dem Start der Sonderprüfung Neo Distomo über gut 13 km versprach Rudolf auf der bergab führenden Strecke eine Bremsenschonende Fahrt. Mit Startnummer 73 unterwegs gab es im Ziel nur ungläubiges Staunen und ein zufriedene Lächeln der Co-Pilotin: fünftschnellste Zeit, nur 10 Sekunden hinter Wittmann, aber 14 Sekunden vor Alen, dann Kleint, Wilson, Mehta, Waldegaard und Frequelin - die Acropolis hatte ihre Sensation. Am Ende reichte es für den sehr guten 13. Gesamtrang, doch schon beim Landeanflug über Wien waren Gabis Gedanken beim neuen Projekt.

Wir sitzen nach wie vor auf der lauschigen Terrasse Nahe Berndorf und ich will wissen „Wie habt ihr denn das neue Rallyeauto finanziert, hast Du viele Sponsoren abklappern müssen?“ Gabi verneint: „Überhaupt nicht, die Sponsoren sind immer zu mir gekommen, ich hatte Kapsch als Hauptsponsor, auch Pino Silvestre ein Eau de Toilette und später Ellen Betrix, dazu gab es auch einige kleinere Sponsoren die mir immer geholfen haben ohne dass ich bitten und betteln musste!“

Und so gab es bei der 300 Minuten Rallye nach einigen technischen Problemen Rang n neun bei der Premiere im Porsche und auch das folgende Jahr war abgesichert: Mit Elisabeth Adamec am Beifahrersitz begann  die Saison 1982 bei der Jänner Rallye.
 

 

Hoch und Tief im ersten Porsche-Jahr
 
Ich glaube 1982 war auch das Jahr, in dem „der Pressebetreuer“ im heimischen Rallyesport Fuß fassen konnte. Man hatte das Gefühl, jeder zweite Pilot hatte seinen eigenen Pressesprecher und diese  wieder versuchten permanent ihren Schützling in diversen Medien unterzubringen. Es gab also selbsternannte Pressesprecher die anderswo keinen Job fanden oder auch Idealisten waren, tatsächlich schreibende Journalisten irgendwelcher Printmedien die sich auf diesem Weg ein Zubrot verdienten und schließlich die Vollprofis mit Werbeagentur oder zumindest eigenem Büro und guten Kontakten in die Wirtschaft. Sie brachten neue Firmen und damit auch neue Sponsoren, verdienten am Sponsorgeld fast schon unverschämt hohe Summen und wollten diese Gönner naturgemäß auch im Fernsehen etablieren. Und so gab es für den TV-Berichterstatter keine Rallye, wo er nicht vorher von zumindest fünf (oft auch mehr) Pressebetreuern mit Mitteilungen überhäuft und tollen Infos überschüttet wurde, die ohnedies bekannt waren. Natürlich nur, um dem „Herrn Redakteur“ helfend zur Seite zu stehen und ihm womöglich den Job zu erklären...

Gabi Husar schaffte es noch ohne „Anhängsel“ und es gab wechselnde Ergebnisse, die am Selbstbewusstsein nagten - oder dieses dann auch doch wieder stärkten. Ausfall bei der Jänner-Rallye, dann Rang sieben bei der „Schneerosen“, danach wieder Ausfälle technischer Natur und endlich ein Top-Ergebnis in Admont: Rang drei, der erste Podestplatz mit dem Porsche. Aber weil sich die langjährige Co-Pilotin Adamec beruflich verändern wollte, gab es eine Neue auf dem Beifahrersitz. Doch schon bei der zweiten Ausfahrt im Herbst bei der Semperitrallye kam das Ende einer „ kurzen Freundschaft“. Frau Sylvia D. verließ noch vor dem Ziel „unerlaubt die Truppe“ - Gabi konnte alleine kein weiteres Spitzenergebnis einfahren und dazu gibt es zwei Versionen. „Sie hatte das Tempo im Porsche nicht verarbeiten können, hatte nur noch Angst und ist nach einer Sonderprüfung einfach davongelaufen“ so die Pilotin.

Anders die geflüchtete Frau Sylvia: „I hoit des afoch nimma aus, nach jeda Prüfung tuast di schminkn und frisiern, wia bei ana Schenheitskonkurrenz“. Nun weiß der Autor dieser Zeilen, dass Frau Husar stets auf ihr Äußeres achtet und nach getaner Arbeit und abgenommenem Helm sofort das Haar mittels Bürste in Ordnung brachte. Die Sponsoren waren auch stets sehr zufrieden, eine immer hübsch anzusehende Repräsentantin im TV oder auf Zeitungsfotos zu sehen. Der geneigte Leser möge sich also seine eigene Meinung bilden...

Zum Abschluss der Saison gab es mit neuer Co-Pilotin doch noch ein sehr gutes Resultat bei der 300 Minuten Rallye im Raum Weiz: Rang Fünf war ein gelungener Einstand von Elisabeth Hudelist-Fekonja aus Kärnten, mit der es danach einige sehr erfolgreiche Jahre geben sollte.

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