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Peter Klein: Fraaaaaanz!
Foto: Peter Klein privat

Fraaaaaaaaaaanz!

"Erinnerungen eines Sportreporters" heißt die neue Kolumne von ORF-Legende Peter Klein - seine erste Kolumne widmet er Franz Wittmann senior, der heute seinen 70. Geburtstag feiert...

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Im traurigen Monat November war´s, die Tage wurden trüber, der Wind riss von den Bäumen das Laub,
HALT – STOP und keine Sorge!

Ich liebe zwar Heinrich Heine, diesen genialen Poeten der dieses Gedicht rund um 1845 zu Papier gebracht hatte. Aber es war tatsächlich im November und zwar 1977 als ich erstmals den Namen Franz Wittmann in mir verinnerlichen musste. Zwar war mir bekannt, dass „Herr Wittmann“ beim Weltmeisterschaftslauf in Finnland sich als einziger „Nichtskandinavier“ unter den ersten 10 platzieren konnte,- damals mit einem gewissen Helmut Deimel als Co-Pilot mit deutscher Lizenz und auch, dass er in Österreich zum 2. Mal Staatsmeister geworden war,- aber das war mir zu diesem Zeitpunkt ziemlich egal.

Doch Teddy Podgorski, damals Sportchef im ORF/Fernsehen meinte: „ der Kerl fährt wie die Sau – Klein, kümmern Sie sich um ihn.“ Das war der Moment, in dem ich gleich zwei Feinde mehr in der Sportredaktion bekam.

Die „ schrecklichen Zwillinge“ hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt die Rallyeberichterstattung brüderlich aufgeteilt und plötzlich, von „ ganz oben angeordnet „ einen Konkurrenten bekommen. Und der Stachl saß tief. Und weil „ da Teddy „ es angeordnet hatte fuhr ich 1978 zu meiner ersten „Jänner-Rallye“ nach Freistadt.

Natürlich hatte ich mich vorher schlau gemacht, die Ergebnisse des Jahres 1977 genau studiert und mir Namen der Besten eingeprägt. Hauptaugenmerk natürlich auf Wittmann gerichtet, aber auch andere wie zB Schwager Dipl.Ing. Georg Fischer im Datsun Sunny dessen Co-Pilot Michael Weinzierl schlitzohrig die Konkurrenz verunsicherte, den schlauen und ebenfalls sauschnellen Wolfgang „ Beppo „ Sulc – Mechanikermeister aus Wien mit einem VW Käfer , Herbert Grünsteidl – frischgebackener Rallye-Cross Europameister wie Rudolf Stohl auf Lada , Wilfried Wiedner, der Ingenieur aus Tirol hatte 1977 mit einem Fiat Abarth aufhorchen lassen, Andi Stigler – der Leichenbestatter aus OÖ, Sepp Haider-Hotelier aus Saalbach und noch viele andere mehr. Und natürlich drehten wir vorrangig Franz Wittmann und noch heute höre ich das Jubeln zig-tausender Fans als Wittmann seinen Kadett durch die Sonderprüfungen trieb „ Fraaaaaaaaaaanz“!

Und wir drehten am Serviceplatz als der Perfektionist Wittmann tobte, diskutierte, zweifelte, fluchte, Spione ausschickte um über die Reifenwahl seiner Gegner Bescheid zu wissen, Co-Pilot Kurt Nestinger anschnauzte und hypernervös zur nächsten Sonderprüfung und einer tollen Bestzeit raste.
Und natürlich siegte Franz Wittmann nicht,- er wurde „ nur“ Dritter.

Er konnte den grandiosen Sieg von 1977 nicht wiederholen,- was er sich vermutlich auch heute noch nicht verzeihen kann. Aber er war schon damals ein großes Licht unter den vielen Lichtern die Österreichs Rallyesport zu bieten hatte. Und er war 7. Beim Weltmeisterschaftslauf in Finnland geworden und Staatsmeister mit dem Kadett.
Und er feierte im Jahr darauf Eis und Schnee einen Sieg den ihm niemand zugetraut hatte! Mit einem Porsche 911,- einer „ Heckschleuder“. Und 1980 hießen die Sieger erneut Franz Wittmann/Dr.Kurt Nestinger,- diesmal im Audi 80, also mit Frontantrieb! Wieder einmal vor seinem „Lieblingsgegner“ Sepp Haider der auch im Opel Ascona keine Chance gegen den Fraaaaaaaanz hatte. Und wieder spielte man Harry Koflers Lied, welches er eigentlich für Klammer geschrieben hatte: „Der Sieger ist wieder der Franz"

In diesen Tagen, 40 Jahre später feiert Wittmann seinen 70. Geburtstag. Und es gibt noch soviele Begebenheiten zu erzählen. Von seiner Weltpremiere im Audi Quattro und wie es dazu kam, von seinem Chefmechaniker Max, von den Rallyes in Portugal, Afrika, Griechenland, San Remo, Neuseeland, von all den Rallyes dieser Welt .
Aber das sind andere Geschichten die ich Euch im Verlauf der nächsten Wochen erzählen möchte. Und beileibe nicht nur von Wittmann. Für heute nur: alles Gute zum 70er lieber Franz und lass Dich in Zeiten wie diesen nicht auf Deinem geliebten Golfplatz erwischen. Wo Du penibel, wie stets in Deinem Leben, alles ganz genau wissen und kontrollieren willst. Jeden Abschlag, jedes Fairway, jedes Grün. Wo Du vielleicht heimlich mit dem 7er Eisen kleine weiße Bälle prügelst. Wo Du, wie stets in Deinem Leben, Deine Mitarbeiter nerven wirst, zur Perfektion, Höchstleistung, zu Ehrgeiz und vollsten Einsatz treiben willst. Eigenschaften, die Du selbst in hohem Ausmaß auch noch heute hast.Und um die ich Dich im Verlauf von mehr als 40 Jahren oft beneidet habe.

Beim nächsten Mal erzähle ich von Deinen Anfängen im Audi Quattro- und darauf freue ich mich heute schon.
Bis dann, Prost lieber Franz- und g`sund bleiben.

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