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Erinnerungen eines Sportreporters: Ich kann – weil ich es will!
Klein, Mörtl & Stohl Privat

Ich kann – weil ich es will!

Peter Klein setzt für uns seinen Blick in die Karrieren von Manfred Stohl und Achim Mörtl fort ...

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Dass Achim schon als Kind sportlichen Ehrgeiz hatte, war damals in Maria Elend und Umgebung vielen bekannt. Dass er den Sport, welche Art auch immer, geradezu exzessiv betrieb, erzählten mir später einige seiner Mitstreiter. Er scheute keinen Vergleich auf der Laufbahn, wich keinem Randori, also Training im Judo, mit größeren Gegnern aus, rannte nicht nur den Berg hinauf, er bestieg diese auch mit weit älteren Kletterern – und lernte von diesen. „Du wirst mental stärker, entwickelst Dich schneller, dein Horizont wird breiter und so wird man besser als gleichaltrige in der Schule wie im Sport „fachsimpelt Achim im Wohnzimmer. Ich versuche, alles mitzuschreiben, alle Eindrücke sammeln, während es aus Achim förmlich heraussprudelt. Mehr als einhundert Fotos liegen auf dem Tisch, aus denen ich wählen darf und Achim zieht ein besonderes Bild hervor. „Sportklettern hab ich auch gemacht – und tu ich noch heute, aber damals waren gerade Peter Habeler und Reinhold Messner besonders im Gespräch und auch ich wollte Berge besteigen und hab das Klettern zu meinem zweiten Sport, neben dem Rallyefahren gemacht .“

Ich hole Achim zurück, will nichts von den Bergen, sondern über seinen Weg zum Rallyefahren wissen. „Ich war damals in der vierten Klasse der HTL und Schulsprecher, da habe ich Ilka, die in der ersten Klasse Sprecherin war, kennengelernt. Sie war meine Jugendliebe, vier Jahre jünger und machte alles mit. Sie lief mit mir, rannte die Berge mit mir hinauf,- war mit mir klettern, alles Sachen, die sie heute noch macht! Nach der Matura ging ich nach Wien, Tätigkeit im Exporthandel und immer wieder Rallye. Einmal waren wir, Ilka und ich bei der Saturnusrallye und erlebten 1993 den überlegenen Sieg von Wittmann im Toyota Celica vor dem französischen Werksfahrer Philippe Bugalski und Raphael Sperrer im Audi Coupe`. An diesem Tag beschloss ich, meinen Traum endlich zu verwirklichen, und zwar mit einem Toyota Celica Turbo 4WD und es musste natürlich ein „Carlos Sainz Edition“ sein.

Mit gut 22 Jahren nimmt man das Leben etwas leichter, vor allem wenn man noch tolle Eltern hat und einen eben solchen Opa. Für das erste Rallyeprojekt war einiges Geld vonnöten,- die Bank hatte es und Achim ziemlich schnell einen Kredit über 500.000,- Schilling. Im Freundeskreis wurde das Auto für die Gruppe N rennfertig gemacht und Peter Unterauer wurde sein erster Co-Pilot. Unterauer, ein Kärntner, der unter anderen Christoph Dirtl drei Jahre lang bis 1990 im Lancia Delta Integrale den Weg gewiesen hatte, lehrte Mörtl den „Schrieb" zu machen. Der erste Schritt in die neue Karriere begann bei der Mobil-Rallye im Raum Aspang recht verheißungsvoll: 64 Teilnehmer am Start – aber nur 37 im Ziel und gesamt Rang 8 für das Duo Mörtl/Unterauer bei der Rallyepremiere. Am darauf folgenden Tag wurde die Rallye ein zweites Mal gefahren, das Ziel war nun ein Platz unter den ersten Fünf – es wurde Mörtl`s erster Ausfall, technisch bedingt!

Neue Rallye, dritter Start, diesmal stand der letzte Meisterschaftslauf auf dem Programm, die Semperit – Rallye im Raum Waidhofen an der Thaya. 183 Sonderprüfungskilometer waren zu absolvieren und ein voll motivierter Achim Mörtl war mit Startnummer 36 wild entschlossen, es allen zu zeigen. Natürlich war Wittmann der Topfavorit, aber in der seriennahen Gruppe N waren Waldherr, Schachinger oder Rosenberger zu schlagen. Erste Sonderprüfung Altmanns über gut 6,5 km, aber zur Hälfte der Strecke kam schon das Ende. Nein, Rainhard Fendrich hatte nicht in weiser Voraussicht das Lied von der „Zweierbeziehung" geschrieben, doch er hatte recht: „ Waun ned dea deppate Bam do gstondn wa „… Co-Pilot Peter Unterauer kündigte seinen Dienst fristlos – und so musste ab sofort Freundin Ilka einspringen. „Ilka war natürlich auch dafür zu haben, wir trainierten gemeinsam, ich erklärte ihr, wie der Schrieb zu machen sei. Wir trainierten für die erste gemeinsame Rallye am damaligen Österreich Ring, Start 1. Sonderprüfung – 100 Meter – links 5 voll – 200 Meter – links 5 voll" sagte ich ihr an. „Manst, geht des wirklich 5 voll ?" wollte Ilka bestätigt wissen. Achim meinte nur: „Wir fahren es einfach – Links 5 voll, dann wermas eh wissen…

Noch vor dem Bundesheer hatte Manfred Stohl seine Führerscheinprüfung abgelegt. "Mochst glei olle, oiso A – B – C - D und E, dann host sicherheitshoiba an zweitn Beruf" hatte Vater Stohl empfohlen und weil die ältere Schwester Gleiches getan hatte, konnte und wollte Manfred nicht anders handeln. Doch dann geschah ein Missgeschick – und damit änderten sich die sportlichen Ambitionen grundsätzlich. Manfred stürzte mit seiner Maschine und hatte einen Handgelenksbruch erlitten. „Zumindest ein Jahr Rennpause" hatte der Arzt dringend empfohlen. Rudi Stohl hatte seinen Sohn nie sportlich beeinflussen wollen, doch nun meinte er: „ waunst wüst, foahrst hoid amoi a Rallye“.

An einem prachtvollen Sommertag im August 1991 gingen Vater und Sohn beim 8. Rallyesprint in Bruckneudorf, auf den Gütern von Ernst Harrach an den Start. Die Besetzung war großartig, unter den knapp 60 Teilnehmer gleich vier Lancia Delta Integrale mit Graf Harrach selbst, Christoph Dirtl, Jörg Ramsauer und Mathias Moosleitner. Walter Mayer im Ford Cosworth, Christian Lietz im Gruppe A Mazda 323, Wilfried Wiedner, Karim Pichler – um nur einige zu nennen. Rudi begann das Rennen, übergab aber bald an den Junior und Manfred zauberte SP-Zeiten in die Schotterprüfungen, dass vielen der Mund staunend offen stand. Vom „Jahrhunderttalent" war schnell die Rede,- die Österreicher, auch die Journalisten sind bekanntlich schnell einmal „himmelhochjauchzend". Jedoch ab diesem Zeitpunkt war klar, Manfred Stohl wechselt vom Motorrad ins Rallyeauto.

Anfang Oktober gab Rudi Stohl seine Nennung für seine 6. Rally Cote dÌvoire ab, nach drei Ausfällen und den Plätzen 2 und 3 sollte nun der Ausgleich erreicht werden. „I hob mein Trainingsquattro a in Abidjan, mid dem kann daun da Manfred die Rallye foan“ verkündete Rudi. „Aber er ist doch erst einen Rallyesprint gefahren, rund 40 Kilometer auf Schotter, er kann doch nicht jetzt sofort einen WM-Lauf bestreiten“ war mein Einwand. „ Oba auf üba 2000 Kilometer wiad da Manfred vü lerna, er kriagt an Supamechanika ois Beifoara, da Fredi kennt si a im Auto scho gaunz guad aus, a paar Ersautzteile kriagns a no mid und waun i Bresln hob, kumman de Zwa 20 – 30 Minutn späda“, erwiderte Rudi schlau. In Abidjan lernte Manfred den „Piefke aus Hamburg“ Kay Gerlach kennen – und die Zwei verstanden sich auf Anhieb! Ohne Besichtigung, nur nach Roadbook fahrend, wird der Audi mit der Startnummer 18 zum Tagesgespräch, denn das Duo Stohl/Gerlach liegt am Nachmittag des zweiten Tages nur drei Ränge hinter Stohl sen. an sechster Stelle.

Ich erinnere mich noch genau an die Bildmontage am Anfang des Beitrags für „Sport am Montag" mit Cat Stevens Welthit „Father and Son". Als Rudi bei der Fahrt auf einem Kahn über den Fluss Bandama von Zwischenstand erfuhr, meinte er nachdenklich: „I glaub, am Obend miass man eibremsn, er foat ned zu schnö, oba es bleibt trotzdem gfährlich“. Vier Stunden später steckte der Audi 90 Quattro von Manfred gut zwanzig Meter unterhalb der Straße tief im Gebüsch….und Rudi wurde Gesamtdritter.

Ein Jahr später gab es für Stohl/Gerlach völlig überraschend die ersten Weltmeisterschaftspunkte. Überraschend deshalb, weil Manfred am Nachmittag vor dem Start in ein Spital gebracht werden musste – Lebensmittelvergiftung. Der Magen wurde ausgepumpt, Infusionen, ein Start schien unmöglich. Am frühen Morgen fuhr ich noch einmal ins Spital, um nach Manfred zu sehen als mir eine Krankenschwester mühevoll erklärte: „Il a disparu ce matin" – er ist heute früh verschwunden!

Rudi hatte die Startnummer 3 – Kurt Göttlicher die Nummer 8 und 10 Autos dahinter stand der Audi mit Kay Gerlach am Steuer während Manfred kreidebleich am Beifahrersitz lag. „Kannst Du überhaupt ansagen" wollte ich wissen? „Na, mia is nua schlecht“, stöhnte Manfred und Gerlach erklärte launig: „ach was, ich fahr einmal die paar hundert Kilometer auf Sicht, oder guck mal ins Roadbook, und in Yamoussoukro sehen wir weiter. Rudi Stohl rollte schon nach rund 150 Kilometer hoffnungslos ins Gebüsch und ab sofort wurde sein Audi zum Ersatzteillager. Nach mehr als zwei Stunden war der Quattro wieder fahrbereit und Rudi eilte die Hauptstraße hinauf in die Hauptstadt der Elfenbeinküste. Es regnete in Strömen, als der großartige Kay Gerlach als 17. die Servicezone erreichte, linke Hand am Lenkrad – das Roadbook in der rechten Hand.

Manfred stieg kreidebleich aus dem Auto, besorgte einen Schraubenschlüssel und begann am Fahrersitz zu schrauben. Ich ahnte böses, wollte Manfred doch den Sitz seiner Größe anpassen: „Ist das wirklich gscheit, was Du da machst Manfred?“ Rudi eilte herbei, um zu helfen und Manfred knurrte mir zu: „a paar Stunden kann i jezd sowieso schlofn und daun sogt ma da Kay an, daun gebma Gas.“ Rudi nickte beruhigend als Manfred fünf Stunden später zu einer entfesselnden Aufholjagd startete. Retour in Abidjan bereits an zehnter Stelle und auf der dritten Schleife werden drei weitere Plätze gut gemacht.

Kenjiro Shinozuka, damals Werkspilot bei Mitsubishi gewann, Manfred wurde 7. und auch Kurt Göttlicher kam noch als 11. Ins Ziel – mehr als 70 % waren ausgefallen. Der Audi wurde die nächsten vier Jahre das Dienstfahrzeug von Manfred Stohl und zwischen ihm und Kay Gerlach entstand eine wunderbare Freundschaft, die noch heute Bestand hat. Aber darüber erzähle ich kommende Woche ...

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