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Erinnerungen eines Sportreporters: Who`s that girl?
Fotos: Peter Klein & Gabi Husar privat

Gabi Husar: Nie ohne meinen Sport!

Peter Klein blickt dieses Mal zurück auf Gabi Husar, die in den 1980er-Jahren die männerdominierte Rallyeszene ordentlich aufmischte und auch mit schnellen Zeiten für Furore gesorgt hat.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Schon als kleines Mädchen war Sport allgegenwärtig. Der Herr Papa fuhr mit dem Motorrad Rennen, arbeitete in Graz bei Puch, kam selten nach Niederösterreich „und wenn, gab es danach immer Nachwuchs“, lächelt Gabi Husar heute noch. Dann das Sportgeschäft in Bad Vöslau, welches Mama Hildegard betrieb, bot zwei Geschwistern viel Platz um herumzutoben. Schwimmen, Rad- und vor allem Skifahren waren die Lieblingsbeschäftigungen neben der Volksschule und der folgenden „Knödlakademie“, also der höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe. Und die „Husars waren tüchtige Leute, Papa Sigmund eröffnete eine Autowerkstatt in Baden bei Wien und auch als Fiat-Händler wurde der Name zum Begriff.

Es folgte prompt eine Tankstelle und auch Mutters Sportgeschäft in Bad Vöslau erfreute sich großen Zuspruchs. Vaters Rennvergangenheit übertrug sich auf die Familie, der ältere Bruder Johannes (Jonny) liebte den Rallyesport, aber auch die Fliegerei. In ewiger Erinnerung bleibt seine Notlandung in den Weinbergen von Baden und berühmt waren auch Mutters stets in angemessener Eile durchgeführten Fahrten zwischen Kottingbrunn, Bad Vöslau und Baden. Töchterchen Gabi jauchzte am Rücksitz, später auch neben der Mama und dem einstigen Herrn „Revierinspektor“ ist die Erklärung der eiligen Fahrt noch heute in guter Erinnerung: „ Herrschaften ich muass ins Gschäft, i hob ka Zeit!“

Tempo also war Gabrieles täglicher Begleiter und so wundert es nicht, dass sie sich als Teenager vor allem im Wintersport einen Namen machte. Der Skisport faszinierte nicht nur sie, Karl Schranz, Killy und vor allem Annemarie Pröll waren Vorbild und bei den Landesmeisterschaften lernte Gabi Husar nicht nur den gleichfalls blendenden Skifahrer Franz Wittmann kennen, sondern auch das Gefühl des Triumpfs als es hieß: Slalommeisterin Gabi Husar. „Und warum hast Du dann Deine Karriere als Skifahrerin beendet?“, wollte ich wissen. „Ich wollte Skifahren, aber nicht trainieren“, antwortete sie, „und dann war auf einmal der Rallyesport interessant.“

Franz Wittmann, um eine Handvoll Jahre älter als „die Gabi“, kam mit getuntem Käfer zur Landesmeisterschaft und war der Liebling der Mädchen. Fräulein Husar aber interessierte mehr das Auto als der Fahrer, mehr der Motor und PS. Und es kam, wie es kommen musste! Den Führerschein in der Tasche und von der Frau Mama einen Fiat 127 bekommen, so schön und rot wie ein Ferrari. Die erste Ausfahrt ist den Mitgliedern des Badener Rallyeklubs ein Begriff: Haidlhof, ein Ortsteil von Grossau in der Stadtgemeinde Bad Vöslau.

Der rote Flitzer lag gut in der Hand, die Kurven kamen immer schneller heran, das neue Auto verschwand in einer Staubwolke und Gabi kam mit dem Traktor zurück. Der Fiat ein Totalschaden, auf der Stirne ein blutendes Cut und im Gesicht fünf Finger einer Hand. „Das war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich von meiner Mutter eine Ohrfeige bekommen habe“, lächelt Gabi heute noch verschmitzt. Wir sitzen auf der Terrasse vor dem neuen Haus nahe Berndorf, traumhafte Aussicht und eine augenscheinlich sehr glückliche Ehefrau. Der Herr Gemahl, ein Mediziner aus Leidenschaft und Gabi regiert in der Ordination als Liebling der Patienten.

„Wie ging es also dann weiter, nach Beendigung der Skikarriere“, will ich wissen. Vorerst mal „daneben sitzen“ wurde von ihrem damaligen Freund und Mentor Harald Gottlieb in den späten 70er Jahren geraten, bei keinem Geringeren als Georg Fischer. Der Diplomingenieur, 1973 mit dem VW Käfer 5. bei der Akropolisrallye geworden, versuchte es im Jahr darauf mit einem BMW 2000 ti bei der Barum-Rallye.

Aber weder das Auto, noch die Co-Pilotin brachten Glück: Motorschaden. „War da was mir dem feschen Georg?“, will ich indiskret wissen. „Bist Du verrückt?“, war die entsetzte Antwort. Ich bohrte ein wenig nach: „Naja, im Rallyezirkus später dann, da schwänzelten doch viele um Dich herum und wollten „die schnelle Gabi“ näher kennen lernen!“ Sie verneinte gnädig und schüttelt den Kopf: „Ich war zwar jung, blond und blauäugig, aber nicht blöd!“

Es blieb bei einem einmaligen Gastspiel mit Georg Fischer, zu Franz Wittmann, mit dem sie zwei Rallyes gewann, pflegt sie heute noch eine echte Freundschaft wie auch zu Rudi Stohl, der ihr bei den ersten Einsätzen mit einer Lada sehr behilflich war und mit dem sie als Co-Pilotin in Portugal und Griechenland das Ziel feiern durfte. Als Pilotin gab es in den späten 70ern zwar immer große Aufmerksamkeit unter den Fans und Gegnern – „Schau, do foart a Madl und goa net schlecht“, war zu hören aber auch, „Waun i amoi hinta da Husar bin, hea i auf“, von manchen Konkurrenten. Und die Zeit schien nicht mehr fern, obwohl es am Beginn der neuen Karriere einige Ausfälle gab. Taktik war stets ein Fremdwort, Vollgas die logische Konsequenz und so gab es den Abflug über Kuppen, oft zu spätes Bremsen und ein ungezügeltes Temperament.

Dann die erste Zielankunft mit einer neuen, furchtlosen Co-Pilotin: Elisabeth Adamec, ebenfalls blond mit strahlenden Augen. Ein reines Damenteam in der heimischen Rallyeszene und nicht nur die Konkurrenz schnalzte mit der Zunge, ein wahrer Augenschmaus in der bislang ungestörten Männerdomäne. Eine Lada kam ins Haus, 1300 ccm und viel zu wenig PS. Das bedeutete immer voller Angriff, mehr Risiko nehmen als die anderen, aber auch einige Ausfälle. Mit Startnummer 103 bei der Costa Smeralda und doch Rang 26 im Ziel! Die ersten Schlagzeilen wurden geschrieben und hinter vorgehaltener Hand war zu hören: „De san ned nur schee, jetzt sans schnö a no!“

1980 folgten zwei tolle Ergebnisse und das schönste Ereignis: Franz Wittmann – ihr Rallye-Idol – gewinnt die Jännerrallye im Audi, Gabi Husar wird in diesem extrem strengen Winter auf Eis und Schnee mit Hinterradantrieb sensationell 17. Zwei Monate später, Ende März, gewinnt Wittmann auch die Lavanttaler Mitternachtsrallye, das Duo Husar/Adamec diesmal gar auf Platz 11, allerdings waren sie da schon zu dritt in der Lada 1300.

Der Nachwuchs war Ende des Jahres zu erwarten und ab sofort gab es für Gabi Husar keine Rallye, nur noch das Baby. Ein Jahr danach aber bereits das Comeback, wieder im Raum Freistadt bei der Jänner-Rallye 1981 und bald schon sollte es ein neues Auto geben – aber das ist eine andere Geschichte!

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