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Erinnerungen eines Sportreporters: Safari - Übermut tut selten gut!

Stammleser wissen: Recht bald nach seiner Rückkehr aus Afrika setzte sich Kris Rosenberger mit Norbert Klein zusammen um aus erster Hand über die East Africa Safari Classic Rally 2022 zu plaudern. In unserem ersten Artikel aus diesem Gespräch ging es um die ersten drei Tage. Hier nun um den Abschluss der Rallye. Und es gab erneut viel zu bereden. Weiter geht's im O-Ton von Kris:

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Der aktuell sechste Rang stellte mich ebenso nicht zufrieden, wie der Zeitrückstand von gut 13 Minuten und doch beschloss ich, noch einen Tag mit forcierter Fahrt zu warten. Die sechste Zeit auf der ersten morgendlichen Prüfung verlief ohne Probleme, während Ken Block, nach zwei Reifenschäden am Vortag, erneut gnadenlos die nächste Bestzeit erzielen konnte. Der Amerikaner war mit eigenem Filmteam und Fotografen angereist, auch in seinem neu aufgebauten Porsche waren zumindest zwei Kameras montiert, selbst sein Co-Pilot hatte am Helm eine solche befestigt. Block nutzt jede Gelegenheit, Action und damit Werbung zu machen und sich bestens zu vermarkten. Und es kam, wie es kommen musste und eigentlich alle erwartet hatten, Ken riss ein Rad aus dem Porsche. Er verlor nicht nur mächtig viel Zeit, nach unerlaubter Hilfe gab es auch eine zweistündige Strafzeit und er hatte keine Chance mehr. So war ich am Ende des vierten Tages trotz Reifenschäden wieder an vierter Stelle, hinter Sandell, Chager und Ian Duncan.

Am Abend zog sich Ken Block in der feinen Lodge Kilima Camp Amboseli wie gewohnt zurück, selbst sein großartiger Co-Pilot Alex Gelsomino saß mit der Crew an einem anderen Tisch, Block gilt als "Shy Loner". Ganz anders ein anderer Teilnehmer aus Portugal, für den es nie um den Sieg gehen konnte, sondern um Erlebnis, Abenteuer und Savannenromantik: Pedro Matos Chavez, zweifacher Rallyestaatsmeister, der einst im Team von Ex-Formel 1 Star Nigel Mansell die britische Formel 3000 gewann und dann auch in der Formel 1, allerdings ohne wesentliche Erfolge, seine Runden drehte. Bei der East African Safari Rallye Classic brachte der glühende Renault - Fan einen 4 GTL mit 34 PS an den Start!

Natürlich bekam Pedro jede Menge Strafzeit aufgebrummt und wurde schlussendlich 41., aber nicht die Platzierung war ihm wichtig, sondern 9 Tage voller Abenteuer und die Zielankunft mit einem sehr untermotorisierten Auto.

Ich habe am Morgen des 5. Tages einen neuen Wagenheber bekommen - den alten hatte ich beim letzten Reifendefekt verbogen. Der Ruhetag war nur ein solcher für die Fahrer - die Mechaniker hatten jede Menge zu tun: Es wurde gehämmert, geschraubt und geschweißt und zur sechsten Etappe waren noch 44 Teilnehmer im Bewerb. Noch immer war Vorsicht angesagt und als ich auf der rund 53 Kilometer langen ersten Prüfung des Tages am aufgebockten Porsche des führenden Sandell vorbeifuhr, nahm ich auf dieser extrem schlechten Strecke noch mehr Tempo weg. Der Schwede verlor auf dieser Prüfung fast 29 Minuten und fiel vom ersten auf den sechsten Rang zurück. Ich behielt Rang Vier, doch in der darauffolgenden Prüfung erwischte es auch Nikki und mich. Vorsichtig über eine Kuppe landete ich im ersten Gang auf einem festen Baumstumpf. Wagenheber raus und die Erkenntnis: er passt nicht für meinen Porsche! Sicher auch meine Schuld - ich hätte das kontrollieren müssen. Die "Ausgrabungsarbeiten" kosteten rund eine halbe Stunde, jede Menge Schweiß und außerdem sechs Plätze. Zurück im Parc Ferme fand ich mich auf dem 10. Gesamtrang wieder, während Sandell schon wieder 5. war. Und mir war klar, ein Aufholen wird nun zur Schwerarbeit, denn ein Überholen im dichten Staub ist fast unmöglich.

Kris wird wieder mal ins Geschäftslokal gebeten, bei Rosenberger Motors werden nicht nur tolle Motorräder verkauft, auch exquisite Automobile werden angeboten und ich betrachte seine mitgebrachten Bilder. Kein einziges, wo auch nur eine Pfütze zu sehen wäre, nur riesige Staubfontänen. „Welches Konzept hast Du Dir für die letzten drei Tage zugelegt, wie kann man unter solchen Bedingungen aufholen“ wollte ich von Kris wissen?

Es gibt kein fixes Konzept, man muss ständig konzentriert bleiben, Gelegenheiten nützen und keine leichtsinnigen Aktionen starten. Am Endes des 7. Tages war ich noch immer 10. Aber wir sind näher zusammengerückt. Am achten Tag gab es für Bahrij eine Zeitstrafe und wir waren um einen Rang vorgerückt. Man fährt bei der Safari Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 80 und über 140 km/h und vor dem letzten Tag fehlten nur noch knapp 40 Sekunden auf den Holländer Van Cauwenberge und rund zweieinhalb Minuten auf den Russen Kireev, beide gleichfalls mit einem Porsche 911 - Rang 7. war also ein realistisches Ziel, eine Chance die Nikki und ich unbedingt nutzen wollten.

Noch drei Sonderprüfungen, noch knapp 150 Kilometer bis ins Ziel und schon auf der ersten Prüfung war der 8. Rang erreicht. Zweitbeste SP-Zeit und auf den 7. Kireev fehlten nur noch gut eineinhalb Minuten! 80 Kilometer Sonderprüfung nach Boff, Schnitt rund 100 km/h, aber schon nach halber Strecke sehe ich den Russen am Straßenrand stehen, sein Porsche will nicht mehr,- Gesamtrang Sieben ist erreicht, - noch rund 50 km Sonderprüfung und dann weiter ins Ziel nach Watamu am Indischen Ozean. In einer halben Stunde wird die letzte Prüfung bewältigt, wir fahren die drittschnellste Zeit und erfahren im Ziel, dass Piers Daykin, der mit einem wunderschönen Datsun 240 Z ins Rennen gegangen war, 24 Minuten Strafzeit hinnehmen muss. Die permanenten Attacken haben sich gelohnt: Am Ende Rang Sechs im Gesamtklassement, mehr war wirklich nicht mehr möglich!

"Und, wirst Du noch einmal die Safari fahren" will ich wissen? Kris ist ein wenig nachdenklich und meint schließlich: "Durchaus möglich, aber es gibt auch in Neuseeland eine tolle Rallye für klassische Fahrzeuge, wir überlegen noch. Aber jetzt schau ich mich einmal in Österreich um, beim Start zur heimischen Meisterschaft bringe ich ein neues Auto mit – und auch Sigi Schwarz, damit er nicht mehr alleine zu Hause ist" ...

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