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Erinnerungen eines Sportreporters: Ein Leben voller Gegensätze
Fotos: Tina-Maria Monego privat, Daniel Fessl, Walter Vogler, Harald Illmer

Ein Leben voller Gegensätze

Peter Klein widmet sich dieses Mal einer ganz besonderen Persönlichkeit, Tina Maria Monego zählt nicht nur zu den besten Co-Pilotinnen des Landes, sondern ist auch eine der schillerndsten Persönlichkeiten.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Ich habe in meinem Leben nicht nur großartige Sportler kennen gelernt, auch Kunst und Kultur haben mein Leben geprägt, haben mich in das Leben verschiedenster Charaktere schauen lassen. Ob Marika Rökk und Johannes Heesters in meinen Kindheitstagen, Romy Schneider und Oskar Werner als Teenager, später Erika Pluhar und Andre Heller, Friedrich Torberg oder Helmut Qualtinger. Als Sportredakteur in meinen Anfängen Annemarie Pröll und Franz Klammer, Niki Lauda und Michelle Mouton. Hermann Maier und Walter Röhrl, Ingrid Wendl oder Roman Hagara. Ich könnte noch eine ganze Seite mit Namen fortsetzen, Namen, die jedem durchschnittlich interessierten Österreicher ein Begriff sind.

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten habe ich im Rallyesport kennen gelernt. Erst oberflächlich nur, als kleiner Teil des Ganzen, als süßes Mädel in einem Männersport, von vielen unterschätzt, bis heute noch. Das stets fröhliche Lachen verdeckt die gemachten Lebenserfahrungen, die dunkelbraunen Rehaugen verraten nichts aus ihrem Innersten, die Stimme klingt rauchig und schwingt ein wenig lasziv durch den Raum.

Es ist Lockdown in Österreich und für mich nun wieder Zeit, über „Erinnerungen eine Sportreporters“ auf Motorline cc zu berichten. Ich brauche Fotos und mehr Informationen, mehr Insiderwissen - mehr Aktualität. Ich rufe sie an und wir treffen einander in Wien, in ihrer Wohnung – in den eigenen vier Wänden fühlt sich jede Interviewte heimeliger und sicherer. Das weiß der gelernte Journalist aus Erfahrung. Nach sieben Stunden, inklusive köstlichem Abendessen und ein paar Gläsern Prosecco, ist die Geschichte in meinem Kopf abgespeichert. Die Geschichte aus einem Leben voller Gegensätze, die Geschichte von

Tina Maria Monego

Nicht nur ich dachte lange Zeit, dass Tina Maria in Oberösterreich beheimatet wäre und die Jänner-Rallye im Raum Freistadt sie mit dem Rallyevirus befallen hätte. Denn kennen gelernt habe ich sie bei Helmut Doppelreiters OMV-Rallye im Raum Aspang/Krumbach. Damals, als Manfred Stohl im Focus WRC Raphael Sperrer im Peugeot WRC vernaschte und am ersten Tag alle Sonderprüfungen mit Ilka Minor am Beifahrersitz gewann.

Im Servicepark fiel mir Tina auf, als fast kindliche Co-Pilotin bei Kärntens Alfred Kramer. „A siaße Gredl“ dachte ich mir und machte mich später schlau. Im Fahrsicherheitszentrum in Sankt Veit an der Glan wäre sie tätig und zwei Jähre später wechselte sie nach Marchtrenk, lebte in Linz und war dort auch mit einem damals recht bekannten Rallyefahrer liiert. Mein Interesse an ihr hielt sich in Grenzen und noch heute denke ich mir, wie oberflächlich man(n) eigentlich manchmal sein kann.

Tatsächlich begann das Leben dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit 1976 in einer kleinen Stadt hinter dem Semmering, in Mürzzuschlag. Die Frau Mama, eine waschechte Steirerin – der Papa italienischer Abstammung aus altem, adeligen Geschlecht. Sandro Munari, Werksfahrer bei Lancia, zählte zu seinen Vorbildern und Herr Monego fuhr gleichfalls Rallyes. Allerdings noch ohne Gurt und mit Raucherlaubnis für den Beifahrer... Aber Klein-Tina war das damals noch ziemlich egal, viel wichtiger war der Urlaub am Strand und später die Volksschule in Mürzzuschlag.

Es folgte das Gymnasium, doch im zarten Alter von 15 Jahren ging das Interesse an weiteren vier Jahren und anschließendem möglichen Studium verloren. Als herangewachsener Teenager will man selbstständig werden, ist flügge geworden und will eigenes Geld verdienen. Sie möchte gerne Automechaniker werden, doch der Herr Papa sagt strikt: „Nein, du bist zu gescheit dafür, kannst mehr erreichen im Leben als mit dreckigen Händen als Frau in der Werkstatt zu stehen“.

Es folgen drei Jahre Hotelfachschule in Oberwart, arbeiten in Hotel und Gastgewerbe, die italienisch und Englischkenntnisse werden ebenso perfektioniert wie das EDV-Know-How, das Ausland ruft und die Schweiz ist erste Station. Zurück in die Steiermark wird eine dreijährige HAK in der Abendschule absolviert, Frau Magistra hat einen Titel den sie nie erwähnt und das Interesse an der Logistik steigt. Sie verdingt sich in Wien bei Versicherung und Erste Bank, lernt einen Tankwart am Semmering kennen – und der fährt Rallyes!

Das Interesse ist geweckt, Tina treibt sich wieder in der Werkstatt herum und scheitert vorerst am Standpunkt des Herren: „Mia kummt ka Frau bei ana Rallye ins Auto“. Doch das Fräulein Monego ist hartnäckig, beweist Fachkenntnis unter der Hebebühne und als der Co-Pilot überraschend ausfällt, ist ihre Stunde gekommen.

Innerhalb weniger Stunden lernt Tina Maria einen „Schrieb“ zu lesen, richtig zu Stempeln und zum Serviceplatz zu finden. In Kirchdorf bestreitet sie im Jahr 2000 ihre erste Rallye – und ist fasziniert. Fasziniert von einem Sport, der sie in die Welt hinaus bringt, der ihren eigenen Interessen entgegen kommt und ihr unvergessliche Abenteuer beschert. Aber auch einen schweren Unfall – der sie jedoch vom „Virus Rallye“ nicht abbringen kann. Über die folgenden Jahre in der höchst abwechslungsreichen Karriere von Tina Maria Monego erzähle ich demnächst hier auf Motorline.cc

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