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Erinnerungen eines Sportreporters: Zu glauben ist schwer ...
Fotos: Klaus Neuberger privat, Peter Klein privat, Daniel Fessl

... nichts zu glauben ist unmöglich!

Peter Klein und Klaus Neuberger blicken zurück auf die glorreiche Rallye-Zeit mit riesiger Medienpräsenz. Und warum Andreas Gabalier Simon Wagners WM-Einsätze zahlen könnte.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Der Kopf war fast schon zugedröhnt nach dem recht langen und vor allem intensiven Gespräch mit Klaus Neuberger. „Was glauben Sie, wie wird es weitergehen mit dem heimischen Rallyesport, hat ein Österreicher überhaupt noch eine Chance international so richtig aufzuzeigen?“ Wir hatten über Sponsoren – denn ohne solche geht es einfach nicht – diskutiert und festgestellt, es gibt kaum noch welche aus der „guten, alten Zeit“. Und Neuberger wirft ein: „Wer käme denn überhaupt in Frage, wer hat die notwendige Qualität?“ Hermann Neubauers bestes Jahr ist schon wieder zwei Jahre her, 33 Jahre alt, leitet einen Familienbetrieb im Lungau, verheiratet mit enorm viel Engagement für den Rallyesport.

„Könnte der denn überhaupt eine zeitintensive Weltmeisterschaft bestreiten?“, wirft Klaus Neuberger ein. Denn es ist uns beiden klar, nur wenn international wertvolle Ergebnisse erzielt werden können, erhält man in den großen Medien die notwendige Aufmerksamkeit. „Siege in der nationalen Meisterschaft werden kaum noch wahr genommen, Herr Klein. Erinnern Sie sich doch einmal: Stohl fährt die Himalayarallye 1980 – wir sehen einen zwanzig Minuten langen Film im „ Sport am Montag“. Wittmann fährt 1981 die Weltpremiere mit dem Audi Quattro – der ORF berichtet mehr als eineinhalb Stunden und die Weltpresse gab sich bei der Akkreditierung die Türschnalle in die Hand.

Stohl kommt 1982 als erster Österreicher ins Ziel der Safarirallye und wird 12. mit einer Lada und hat Fotos in allen Zeitungen – Wittmann wird Dritter in Portugal – von beiden WM-Läufen berichtet der „Sport am Montag“ vor einem Millionenpublikum und der Stellenwert steigt und steigt! Sie wissen ja, der Prophet zählt nichts im eigenen Land! 1983 bringt Stohl den 80er Audi zur Weltpremiere nach Argentinien, hat Eskimo als Hauptsponsor und wird Sechster in diesem WM-Lauf, 1984 gewinnt Wittmann im Funkberater-Racingteam zum gefühlten 10. Mal die Jänner-Rallye vor Waldegard, Eklund, Eriksson, auch Marc Surer war dabei und Shekhar Mehta. Ich pendelte damals mit einem Moped zwischen den Servicepunkten, beobachtete die diversen Reifenwahlen.“

„1985 die erste Rallye Hongkong – Peking, natürlich mit Rudi Stohl. 1986 wechselt Wittmann als Werksfahrer zu VW, die beinharten Duelle zwischen dem Privatier Stohl und dem Werksfahrer Kenneth Eriksson um den WM-Titel dauern fast ein Jahr. Dann gewinnt Wittmann 1987 als erster Österreicher in Neuseeland einen WM-Lauf und Haider macht ihm das 1988 nach, wir sahen Fotos auf den Titelseiten der größten heimischen Zeitungen und neue Sponsoren sprangen auf diesen Zug auf!“

Ich muss dem guten Klaus recht geben, die 80er Jahre waren entscheidend für den Boom in den darauffolgenden 15 Jahren. Der Österreicher wird erst zum großen Fan, wenn Sportgeschichte geschrieben wird. Wir wurden ein Volk von Judokämpfern als unsere Damen in New York drei Mal Gold bei der WM holten, als Peter Seisenbacher Europa- und Weltmeister wurde und auch zweifacher Olympiasieger. In den 90er Jahre bekamen wir neue Heros, Manfred Stohl holte mit 20 Jahren als jüngster Österreicher die ersten Weltmeisterschaftspunkte an der Elfenbeinküste und bei der Safarirallye in Kenia. Er startete 1997 seine unglaubliche Karriere in der PWRC-WM im seriennahen Mitsubishi.

Achim Mörtl gewann 1999 sechs Rallyes und wurde souverän Staatsmeister, Hagara/Steinacher werden Welt- und Europameister, holen 2000 und 2004 jeweils Gold bei olympischen Spielen und plötzlich hat der Segelsport einen derart hohen Stellenwert in Österreich, dass selbst der Großsponsor Red Bull entzückt war. Wolfgang Fasching war schon dreifacher Weltmeister, aber erst durch das weltberühmte „race across America“ wurde er auch in Österreich zum Hero und konnte dieses Rennen problemlos acht Mal fínanzieren, davon 3x gewinnen und jedes Mal am Podest stehen. Und Didi Mateschitz ist nun seit mehr als 20 Jahren Sponsor und auch Gönner von Roman Hagara-Hans Peter Steinacher.

Wir lernen: Nur internationale Erfolge zählen tatsächlich in Österreich, doch solche im Rallyesport zu erzielen ist ein teures Unterfangen. Selbst der Improvisationskünstler Rudi Stohl musste, trotz „Freundschaftspreisen“ seiner sechs Mechaniker, eine Safarirally vor gut 20 Jahren mit einer Million Schilling budgetieren. Ein WM-Lauf in Europa kostet heute – bei Anmietung eines guten RC 2 Autos – etwa 80.000 Euro. Bei 12 WM-Läufen im Jahr darf man also mit zumindest einer Million Euro rechnen, sparsamst kalkuliert... „Man braucht einen Top-Sponsor der etwa zwei Drittel der Gesamtkosten übernehmen kann“, legt sich Klaus Neuberger fest und erneut muss ich ihm recht geben. Aber wie kommt man zu einer Million und reicht ein Staatsmeistertitel um Sponsoren derart zu überzeugen?

„Man braucht einen Manager mit tollen Kontakten“, werfe ich ein und erinnere mich an Manfred Kimmel, der im Auftrag für Audi agierte, Hannes Geist bei Fiat/Lancia für Wittmann und Thomas Blazek bei Opel Österreich. „Stimmt“ nickt Neuberger, „ aber die wollen dann auch was verdienen, sicher nicht unter 10 – 15 Prozent was das notwendige Budget weiter erhöht. An einen Österreicher in der Weltmeisterschaft mit Erfolgen wie zuletzt Manfred Stohl glaube ich nicht. Und auch der Rallyesport in Österreich wird schon künstlich beatmet.“

Ich bin schon am resignieren da meint Herr Neuberger noch: „Wir hatten damals bei Gustl Auinger einen Fanklub der nach einem Spendenaufruf für eine komplette WM-Saison mitverantwortlich war. Und vor fast 40 Jahren war die schwedische Popgruppe ABBA gar Hauptsponsor eines Schweden bei ATS in der Formel!“ Ich starre ihn fassungslos an, die Fantasie geht mit mir durch und ich stelle mir vor, dass Andreas Gabalier in der Münchner Allianz-Arena ein Konzert gibt und der Reinerlös an Simon Wagner geht... Hulapalu, I sing a Liad für di...

Am Weg nach Hause schwinden vorerst alle Hoffnungen, ich sehe keine internationalen Chancen für einen Österreicher im Rallyesport. Doch dann denke ich an die Erlebnisse mit Rudi Stohl, der Unmöglich möglich machte. Und an Hermann Hesse, der schon vor mehr als 100 Jahren schrieb: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen!“ Und die Moral von der Geschicht: Es ist nie zu spät das zu werden, was man hätte sein können!

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