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Aufi muass I, aufi auf`n Berg!

Es gab eine Phase, da wurde Achim Mörtl dem Rallyesport untreu und schwenkte auf zwei statt vier Räder um. Eine Zeit, auf die Peter Klein heute für uns einen Blick wirft.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Während Franz Wittmann 2001 noch einmal Staatsmeister wurde und Manfred Stohl, nach seinem Sieg im Waldviertel, endgültig das Ticket für ein Worldrallyecar bei der Rallye-WM gelöst hatte, gab es für Achim Mörtl nicht viel Erfreuliches. Beim WM-Lauf in Spanien ging sein 13. Platz mit dem deutschen Co-Pilot Klaus Wicha in den Medien fast unter, - dabei gab es dort ein Rekordteilnehmerfeld von 30 Worldrallyecars mit 20 Werkspiloten! Mörtl blieb rührig, die Hypo-Alpe Adriabank sponserte eine Marathonfahrt vor geladener Presse mit dem Jetski über die Adria von Lignano nach Porec- doch mit dem Subaru gab es, wie schon im Jahr zuvor, drei Ausfälle nach Unfall. Zur Entspannung,- aber auch um die Konzentration zu schärfen, kletterte Achim immer wieder in Bergen herum, die sich ein Normalbürger bestenfalls im Fernsehen ansieht. „Mein Leben war immer so ausgerichtet, dass Du auch B sagen musst! Wer ins Rallyeauto steigt und vorne sein will, muss mit einem Unfall rechnen. Wer in den Bergen auf solchen Hängen klettert, muss wissen, dass er fallen kann und wenn Du mit dem Motorrad Rennen fährst, kann es sein, dass Du nach einem Sturz nicht mehr aufstehst. Wer A sagt, muss auch das B akzeptieren.“

Nach einer weiteren, eher verkorksten Saison endete der Vertrag mit dem Hauptsponsor Powerhorse, dessen Portokassa geleert war und dem Werksteam von Promotor - Subaru World Rallye Team 2002 nach der Rallye San Remo. Auch die Kärntner Hypobank hatte es nicht mehr so mit Sponsoring und so stand Mörtl Anfang 2003 mit leeren Händen und ohne Rallyeauto da.

Also begann Achim wieder Rad zu fahren, auf dem Hometrainer und auf der Straße, - den Berg hinauf und wenn es nicht mehr weiterging, wurde das Rad eben am Rücken zum Gipfel transportiert. Dazu kam ein intensives Krafttraining, denn Radrennen zu fahren war nun nicht mehr das Ziel. Eine KTM kam ins Haus, ein paar Sponsoren waren nach wie vor überzeugt von dem nunmehr 32-jährigen Kärntner Kraftprotz, der jetzt durch die Wüste wollte. Marathon-Weltcup war das neue Ziel und wir erinnern uns wieder an Manfred Stohl, der bekanntlich als 18-jähriger zur Motocross-Weltmeisterschaft wollte (siehe motorline cc Paddock-Corner: Wenn Zwei das Gleiche tun … .

Marathon und Motocross lassen sich jedoch nicht vergleichen, wenngleich unser zweifacher Ex-Weltmeister Heinz Kinigadner diesen Weg einst gegangen war. Doch nicht der Tiroler war Achims Vorbild, sondern der Franzose Richard Sainct, dreifacher Dakarsieger und auch Italiens Fabrizio Meoni, Werksfahrer bei KTM, waren die Rennfahrer, an denen sich Mörtl orientierte. „Hast Du eigentlich nie an die Konsequenzen gedacht? Immerhin ist auch ein Kinigadner öfter zu Sturz gekommen und war oft genug verletzt" wollte ich von Achim wissen. „Na, es war immer der Hunger nach Erfolg, die körperlichen und auch mentalen Belastungen machen den Reiz“! Mit seiner KTM 660 Rallye setzte Mörtl gleich mehrere Ausrufungszeichen, bis er in der Wüste von Dubai schwer zu Sturz kam. „Du liegst im Sand, kannst dich nicht bewegen, siehst nur verschwommen und denkst: jetzt muss ich sterben." Nach vier Monaten in der Rehabilitation und nach einigen Operationen denkt Mörtl heute aber noch immer mit ein wenig Wehmut an diese Zeit.

"Ich wollte eigentlich nach einer längeren Pause doch noch die Wüste bezwingen, aber nachdem zuerst Richard Sainct in Ägypten und danach auch noch Fabrizio Meoni in Mauretanien tödlich zu Sturz gekommen waren, wenn also die zwei besten sterben, musst du jeden weiteren Gedanken an ein Comeback auf zwei Rädern beiseiteschieben. Man hat zwar oft von mir gesagt, der Mörtl fährt als wäre er lebensmüde,- aber sterben wollte ich noch nicht“! Der Körper machte langsam Fortschritte, aber von Heilung war lange nicht die Rede. Vier mühevolle Rallyes in Österreich mit brauchbaren Ergebnissen bei den seriennahen Autos,- 2005 wieder der Wechsel in die Gruppe A und man hatte den Eindruck, es gäbe nur noch Mitsubishis in Österreichs Rallyeszene. 117 Nennungen bei der Jänner-Rallye, davon über 30 mit „Mitsus" angeführt von Baumschlager, Stohl, Kopecky, Gassner, Harrach und auch Achim Mörtl der in Oberösterreich zurück auf die Erfolgsspur fand. Zweiter in Freistadt, noch vor Stohl, aber auch, weil Baumschlager knapp vor Schluss ausgefallen war. Zweiter auch im Lavanttal und endlich wieder ein Gesamtsiegbei der Pyhrn-Rallye. Die Saison endete in Althofen und nun gab es für Achim Mörtl auch einen Sieg in seiner näheren Heimat. Der fiel allerdings derart deutlich aus, dass man gar von einem Debakel der Konkurrent sprechen möchte.

Und weil dem noch lange nicht genug war, bestieg Achim auch noch Europas höchsten Berg,- auch wenn ihn viele Mont Blanc-Fans nicht zu Europa zählen. Gleich wie, der Elbrus ist mit 5.642 m der höchste Gipfel des Kaukasus und damit der höchste Berg Russlands. Nach dem Sieg in OÖ gönnte sich Achim im Mai die Reise nach Russland und in einer kleinen Gruppe, bewaffnet mit Ski und Steigeisen marschierte man in angemessener Eile. „I wollt unbedingt aufi aufn Berg" erzählte mir Achim, der auch hier das außergewöhnliche Ziel als einer der Schnellsten erreichte.

Nein, die Erfolgsgeschichten von Mörtl und Stohl gehen noch weiter. Über Achims Abenteuer mit Steyrlings Gastronom Sigi Schwarz im Subaru und den Weg von Manfred Stohl/Ilka Minor in die absolute Weltklasse des internationalen Rallyesports erzähle ich euch kommende Woche.

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