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Erinnerungen eines Sportreporters: Ein Sir namens Björn
Fotos: Porsche, Peter Klein privat

Ein Sir namens Björn

Björn Waldegard war nicht nur der erste Rallye-Weltmeister, er war auch ein echter Sir und unterstütze etwa die Schule in Mombasa, der Wahlheimat des großen Schweden.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Eigentlich sollte ja meine Jubiläumsgeschichte „Ilka – the one and only!“ lauten, aber die eilige Dame hat mir einen Korb gegeben und ist nicht zum Interview in Wien erschienen sondern in die Türkei zum WM-Lauf geflogen. Aber aufgehoben ist nicht aufgeschoben und „the first lady of Co“ kann mir – und damit auch euch, bald noch mehr aus ihrer Rallyekarriere erzählen.

Nachdenkphase, was schreibe ich nun für Motorline cc – woran erinnere ich mich spontan? Und blitzartig kommt mir ein Mann in den Sinn, der leider schon vor sechs Jahren von uns gegangen ist und zweifellos der Sir unter all den Weltklassepiloten seiner Zeit war: Björn „Walle“ Waldegard, genannt „The King of Africa“. Bis zum Ende seiner Karriere war Porsche seine große Liebe gewesen, seine größten Erfolge feierte der große Schwede allerdings mit Ford – mit dem Escort wurde er 1979 sogar erster offizieller Rallyeweltmeister – und Toyota.

Im November 1943 kam Björn Waldegard in der Gemeinde Solna auf einem Bauernhof zur Welt, 18 Jahre später feierte er mit einem VW 1500 seine ersten Erfolge bei schwedischen Meisterschaftsläufen und konnte auch international bald aufzeigen. Der stille, stets bescheidene Mann war auch als Rallyepilot stets ein loyaler Mensch, fuhr fünf Jahre VW, fand dann bei Porsche sein Lieblingsauto im 911er, fuhr Fiat, BMW und auch mal Opel, ja sogar den Mini Cooper, Citroen SM, Lancia und Ford, seine Leistungen und Erfolge sind ohne Zahl. Monte Carlo-Sieger 1970 mit dem Porsche, Schweden mit dem Lancia Stratos und auch San Remo, mit Ford Escort die Safari, Acropolis und RAC, mit Mercedes an der Elfenbeinküste, ja selbst mit dem allradgetriebenem Audi Quattro konnte er siegen.

Am Beginn seiner Karriere saß ihm meist Lars Helmer zur Seite, bei seinen ersten 13 WM-Siegen war es der bärtige Landsmann Hans Thorszelius und bei den letzten drei der Nordire Fred Gallagher. Und damals, als 1970 die österreichische Alpenfahrt noch WM-Lauf war, da hieß der Sieger Björn Waldegard. Im Jahr darauf fuhr er erstmals die Safarirallye in Kenia, natürlich noch mit Porsche und am Strand von Mombasa fand er so großen Gefallen an dem Land, dass er sich später gar ein eigenes Haus kaufte und viele Wochen im Jahr dort verbrachte.

Zu seinen engsten Freunden zählte Ove Andersson, selbst erfolgreicher Rallyepilot und später Motorsport-Chef von Toyota. Er und Waldegard waren praktisch Garanten für unzählige Toyota-Erfolge, viele Konzepte für die laufende Saison wurden in diesem Haus in Mombasa besprochen. Und dorthin wurde vor dreißig Jahren auch das ORF-Team eingeladen, zu Waldegard, Fred Gallegher und der einheimischen Familie, die den zweiten Wohnsitz des großen Schweden ganzjährig betreute.

Der erste Eindruck im privaten Bereich bestätigt jenen, den Waldegard auch in seinem motorsportlichen Berufsleben vermittelt. Ruhig, bescheiden, immer freundlich und zuvorkommend zu seinen Gästen, wie auch seinem Personal. Bier wird gereicht, oder auch Wasser und Kaffee, das Essen wird gemeinsam vorbereitet. Wir sitzen im Kreis, lösen gemeinsam Erbsen aus den Hülsen bzw. Schoten, die Eingeborene beginnt schon zu kochen, ihr Gatte und auch die vier Kinder helfen mit, haben ihre Aufgaben.

Noch eine Runde Bier und mir fällt auf, dass die Kinder ausschließlich europäische Kleidung tragen. „Ich nehme immer ein bis zwei Koffer von zu Hause mit“, erzählt mir Björn auf meine Frage. „Was bei mir zu Hause in Schweden nicht benötigt wird, aber auch von meinen Verwandten und Bekannten bekomme ich Kleidung die hier oft dringend gebraucht wird. Manches bringe ich auch in die Schule hier in Mombasa, die unterstütze ich auch immer wieder finanziell.“

Tatsächlich lebt die kenianische Familie ausschließlich von ihrer Arbeit im Hause Waldegaard, Bilder von ihm hängen in der „Elementary School“ und Co-Pilot Fred Gallagher berichtet: „Björn has a big heart for children, he often brings kilos of sweets in his house and also distributes chocolate at school.“ Ich beobachte Björn, der so ruhig und oft auch sehr sachlich wirkt. Der mit seinen Angestellten so menschlich umgeht, um Tätigkeiten bittet um sich danach auch zu bedanken wie man es in Kenia leider nur selten zwischen Weiß und Schwarz sieht.

In diesem Jahr wird das Duo Waldegard/Gallagher hinter Kankkunen, Mikael Ericcson und Jorge Recalde Vierter vor seinem Landsmann Stig Blomquist. Es sollte in Afrika seine letzte tolle Platzierung bei einem Weltmeisterschaftslauf mit dem Toyota Celica GT-4 sein.

Rudi Stohl kam übrigens 1991 wegen kaputter Ölpumpe nicht ins Ziel, er beendete seine so erfolgreiche „Safari-Laufbahn“ aber auch erst 11 Jahre später, doch das ist eine andere Geschichte. Björn Waldegard starb 70jährig vor etwas mehr als sechs Jahren an einem Krebsleiden. Für viele war er „der stille Schwede“ – für alle die ihn nur ein wenig näher kannten ein echter „Sir“ der auch mir beispielgebend war. So wurde aus der kleinen Safiya aus den Slums von Nairobi eine diplomierte Krankenschwester im Aga Khan University Hospital Nairobi.

Und sollte jetzt einer tatsächlich nachdenklich geworden sein und den Drang verspüren, mit ein wenig Geld viel helfen zu wollen, der wende sich an den umtriebigen „Rallyedoktor“ Helmut Czejkal aus Lasberg bei Freistadt. Der hat nämlich eine eigene Stiftung in Mombasa – und das seit vielen Jahren.

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