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Der Maßanzug

Man kann es nicht immer erklären, doch es gibt Dinge, die "passen einfach". Man fühlt sich wohl, kommt gut mit ihnen zurecht, hat Spaß und ist tendenziell erfolgreich damit. Auch Manfred Stohl hatte so ein Ding; einen Peugeot 307 WRC nämlich.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Der Titel dieser weiteren Geschichte über Manfred Stohl ist mir nächtens zum Sonntag eingefallen, und zwar bei dem Gedanken an meinen alten X3. Er ist nun bereits 14 Jahre in meinem Besitz, war zuvor vier Jahre das Dienstauto meiner Frau und wir hatten das Auto mit 100.000 km aus der Firma gekauft. Als es zehn Jahre alt war und fast eine viertel Million Kilometer am Motor hatte, dachte ich erstmals daran, es zu verkaufen. Heute steht der X3 noch immer vor meiner Türe, hat mehr als 402.000 km hinter sich gebracht, zeigt im Verbrauch sechs Liter an und das "Pickerl" habe ich erst vor drei Wochen bei der Überprüfung wieder bekommen. Er ist natürlich in die Jahre gekommen und hat, wie auch ich, etwas an Glanz verloren; selbst das Markenemblem auf der Motorhaube ging irgendwann einmal verloren. Ok, mit 78 Jahren hat man schließlich auch nicht mehr alle Zähne im Mund. Was ich damit sagen will?

Es gibt Dinge im Leben, die man nicht missen möchte, die man lieb gewonnen hat, weil man sich einfach damit besonders wohlfühlt. Und eben dieses Gefühl kommt auch in mir auf, wenn ich an die Kombination Manfred Stohl und sein 2006 neues Sportgerät denke: den Peugeot 307 WRC. Das Auto, mit dem Marcus Grönholm im Jahr zuvor noch 3. in der Weltmeisterschaft werden konnte, 2x Weltmeister war und gesamt 30 WM - Läufe gewinnen konnte. Nun will ich Stohl nicht mit Grönholm vergleichen – und doch kamen mir im Jänner 2006 in den französischen Seealpen diese Gedanken: Grönholm als Werksfahrer 3. – Stohl ein Jahr später mit dem gleichen Auto? Und da saß er nun in diesem ehemaligen Werksauto, nun im Team von Bozian, sichtlich ein wenig aufgeregt aber zuversichtlich. Auch Ilka Minor wirkte cool und gelassen, als würde sie ein wenig die Konkurrenz taxieren. Und schon beim Shakedown in Sisteron, auf eisiger und extrem rutschiger Fahrbahn hatte man als Zuseher das Gefühl: dieser Peugeot 307 passt Stohl wie ein Maßanzug!

Zwar ist man gerade bei der "Monte" bemüht, die Sonderprüfungen abwechselnd zu gestalten, die sogenannten "Klassiker" bleiben aber erhalten und so lassen sich auch gut Vergleiche anstellen. Wetterbedingt natürlich nicht, es könnte ja einmal Schnee- oder auch Trockenfahrbahn vorhanden sein,- sehr wohl aber den Rückstand auf den jeweils Schnellsten. 2006 fuhr Stohl auf den ersten 5 Sonderprüfungen im sogenannten "alten" Peugeot 307 eine 8., zwei 7. eine 4. und sogar eine 2. beste Sonderprüfungszeit. Vergleichsweise im Jahr zuvor im neuen Xsara kam er kein einziges Mal unter die schnellsten 10!

War die Besetzung eine andere, fragt sich vielleicht der geneigte Leser? Kaum, lautet die Antwort! 20 WRC im Jahr 2005 mit den gängigen Werkspiloten an der Spitze - ein Jahr später, in Stohl`s Peugeotjahr, gar 25! Ein besserer Vergleich gefällig? Die rund 20 km lange Sonderprüfung Toudon – St. Antonin wurde in beiden Jahren gefahren. 2005 gewann Loeb diese SP – Vorsprung auf Markenkollegen Stohl 26,4 Sekunden. Auch im Jahr darauf gewann Loeb diese Sonderprüfung, Stohl`s Rückstand diesmal aber nur 16,9 Sekunden. Ist Loeb langsamer, oder Stohl nun mit dem älteren Peugeot schneller geworden? Und was sagt die Endplatzierung? 2005 gewinnt Loeb deutlich – Stohl wird Sechster mit mehr als 8 Minuten Rückstand. Ein Jahr später gewinnt Marcus Grönholm im neuen Ford Focus mit rund einer Minute Vorsprung auf Sebastien Loeb – Stohl wird diesmal Vierter, mit nur 1 Minute 42,3 Rückstand auf den Gesamtsieger und auf Loeb sind es gerade mal 40 Sekunden - ein Schelm der Böses dabei denkt! 2006 war bekanntlich auch jenes Jahr, als es im BOZiAN-Peugeot - Team die Partnerschaft mit Henning Solberg gab. Es galt also, auch in der Teamwertung zu punkten und die Gegner waren Ford, Citroën, Subaru, Stobart Ford (vergleichbar mit Peugeot) und Red Bull Skoda.

Alle 16 WM-Läufe mussten bestritten werden und davon war Manfred 13 x in den Punkterängen – Henning 10 x und heute kann man durchaus sagen, ein WM-würdiges, großartiges Team!

Aber genug mit der Lobhudelei, es gab 2006 auch über Abflügen zu berichten. Und das von ganz besonderer Art! In Schweden räumt Solberg eine lange Schneebank ab, an die sich zuvor fast alle nach einer sauschnellen Rechts 4 angelehnt hatten. (siehe oben) Henning überschlägt sich auf dieser Schneebank, bleibt seitlich liegen, doch die Fans helfen ihm schnell auf die Reifen. Die Frontscheibe ist zertrümmert, keine Sicht und Co-Pilot Cato Menkerud tritt sie lieblos aus dem Rahmen. Diese legendären Bilder samt Weiterfahrt bei Schneetreiben waren absolutes Highlight meines ORF-Beitrages, wie auch der folgende Abflug von Manfred Stohl. Im fünften Gang durch die Kurve, anlehnen an die Schneebank – aber die hatte Henning abgeräumt und Stohl endet im tiefen Schnee auf dem Dach.

Dafür gab es in Mexico mit Rang Drei den ersten Podestplatz für Stohl,- doch in Spanien folgt der nächste Rückschlag. Stohl quält sich mit der Abstimmung auf Asphalt, schafft nur Rang 12 – doch dann klappt es auf den Kurvenorgien auf Korsika schon viel besser,- Platz 7. Das Auf und Ab setzte sich in Griechenland fort, Stohl duellierte sich mit dem Teamkollegen, lag schon auf Rang 5, der Blick Richtung Podest als er am letzten Tag einen Unfall baute – Ausfall.

Stattdessen wird Henning Solberg 5. und rettet die Ehre für das Team Peugeot/Bozian. „I hätt do Dritta wern kenna und hau mi ausse" stöhnt Manfred im Olympiastadion von Athen „und jezd noch Deitschland, wieda Asphalt". Doch gerade dort überraschen Manfred und Ilka mit perfektem Schrieb und beherzter Fahrt: Rang Fünf.

Ab diesem Zeitpunkt war das Duo Stohl/Minor 2006 immer im Ziel. Neunte in Finnland, 5. In Japan, 4. auf Zypern und schließlich Rang 8 bei einer verrückten Rallye in der Türkei, wo gleich zu Beginn drei Prüfungen abgesagt wurden und im Ziel Piloten wie Duval, Aigner, Rovanperä und Weltmeister Petter Solberg hinter Manfred ins Ziel kamen. Von den Waldviertler Nachrichten über Krone bis zur gepflegten Qualitätszeitung war über Stohl zu lesen, im ORF war jeder WM-Lauf zu sehen,- doch das „Grande Finale" stand noch ins Haus: „Große Dinge" und auch der letzte Vergleich Peugeot vs. Citroën.

Drei Weltmeisterschaftsläufe – dreimal auf dem Podest, sensationelle Erfolge und überraschende Erkenntnisse, über die ich kommende Woche hier, auf motorline cc und auf deren fb-Seite berichten werde.

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