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Erinnerungen eines Sportreporters: 1982 – Röhrl, Wittmann, Stohl
Foto: XPB

Ein Blick hinter die Kulissen der Erfolge...

Im Jahr 1982 feilten nicht nur Franz Wittmann und Rudi Stohl an ihren jeweiligen Karrieren, Walter Röhrl geriet durch den allradgetriebenen Audi quattro unter Druck.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Okay, eigentlich begann alles Ende 1981. Wittmann feilte an einem erfolgreichen Comeback,- Stohl an der Fortsetzung einer internationalen Karriere und Walter Röhrl wollte um alles in der Welt beweisen, dass selbst Allradpiloten für ihn keine Gegner wären. Aber beginnen wir beim Saisonbeginn, der 13. Castrol-Jännerrallye.

Wittmann hatte nach wie vor die Unterstützung von Porsche-Austria und damit seinen Sitz im Audi Quattro, Rudi Stohl, drei Stockwerke tiefer bei ÖAF-Gräf & Stift und damit einen Sitz in der eigenen Lada 1600 . Und ganz oben Ex-Weltmeister Walter Röhrl, der nach einem Jahr mit Porsche nun zum zweiten Mal bei Opel in Rüsselsheim einen Profivertrag für den legendären Opel Ascona 400 unterschrieben hatte.

Franz wollte seinen Unfall von Finnland vergessen, Stohl beweisen, dass man mit einer Lada 1600 die Safarirallye beenden kann und Walter Röhrl war sowieso der Meinung, „ dass sogar ein Aff mit dem Quattro gewinnen würde“. Freistadt Anfang Jänner 1982, der Topfavorit hieß natürlich Franz Wittmann und er stand einer Armada von Asconas 400 gegenüber.

Allen voran Rauno Aaltonen, der zu diesem Zeitpunkt schon 15 Safaristarts in seiner Biografie hatte, Sepp Haider, Gerhard Kalnay, John Peter Bittner und der Deutsche Peter Mattig. Shekhar Mehta, damals vierfacher Safarisieger, hatte die Startnummer 1 im Datsun 160, Georg Fischer im Talbot, ein sehr gefährlicher Außenseiter- während Rudolf Stohl mit seiner Lada 1600 eher als Randerscheinung galt.

Livebericht Jänner-Rallye 1982



Doch wie so oft im Leben kam es anders, als man dachte. Wittmanns ewiger Herausforderer Sepp Haider fiel ebenso aus, wie Aaltonen und Mattig. Georg Fischer bot im Talbot eine wahre Meisterleistung und konnte als Zweiter mit rund fünf Minuten Rückstand aber deutlich vor Gerhard Kalnay glänzen. Wittmann blieb als klarer Sieger mit fünf Minuten Vorsprung eher farblos,- man hatte seinen 20 Minuten-Vorsprung vom Vorjahr noch in bester Erinnerung, Franz hatte sichtlich seinen Unfall von Finnland noch nicht verdaut!

Die Sensation fand dahinter statt und diese lieferte wieder einmal das Duo Stohl/Mödlhammer. Der gute Rudolf hatte sich nämlich von Walter Röhrl Traktionslösungen abgeschaut, den Sitz des Co-Piloten auf den Platz der hinteren Sitzbank verschoben und ein guter Zentner Mödlhammer sorgte in seiner Lada bei schwierigsten Bedingungen für stabilere Traktion auf Eis und Schnee. Nach einem wahren Husarenritt als Vierter im Ziel hatte Stohl nur 12 Sekunden Vorsprung auf Walter Egger im VW Golf GTI und 18 Sekunden auf Shekar Mehta im Datsun 160. Und auf den Safarisieger sollte Stohl schon zwei Monate später wieder treffen – beim Weltmeisterschaftslauf in Kenia – allerdings dort ohne „Traktionshilfe“.

Die „Monte“ und ihre Stars

Eine Woche später begann die legendäre Rallye Monte Carlo und dort, wo sich immer wieder Stars und Sternchen, Multimillionäre, Adelige und Neureiche, Formel-1-Piloten und Filmschaffende treffen, gab es 1982 eine unglaubliches Starterfeld. Audi mit der sehnsuchtsvollen Gier nach dem Sieg im Fürstentum brachte Hannu Mikkola, Michelle Mouton und Michele Cinotto im Quattro an den Start.

Gleich vier Porsche 911 SC in den Händen von Guy Frequelin, Björn Waldegaard, Jean Luc Therier und Jean Pierre Ballet. Den Ferrari 308 GTB lenkte Jean Claude Andruet, Bruno Saby einen Renault 5 Turbo und Achim Warmbold den Mazda 323. Bei Opel glaubte Teamchef Tony Fall kaum an einen Gesamtsieg, hoffte aber in erster Linie auf Walter Röhrl, seinem Landsmann Jochi Kleint und dem belgischen Meister Guy Colsoul, alle im Ascona 400.

Im Mittelpunkt des Interesses aber stand der Teilnehmer mit Startnummer 66 auf dem Peugeot 104 Jean Luis Trintignant, französischer Weltstar und Frauenversteher. Filmpartner von Jean Gabin und Brigitte Bardot in dem Film „Und immer lockt das Weib", der zumindest drei Generationen von Männern feuchte Träume bescherte. Das lange Verhältnis mit der Bardot war auch der Grund für die Scheidung seiner ersten Ehe.

Dem damals schon rennsportbegeisterten Schauspieler sagte man unzählige amouröse Abenteuer nach, mit Jeanne Moreau drehte er „Gefährliche Liebschaften“ Romy Schneider schätzt ihn als Partner in gar drei Filmen ebenso wie Anouk Aimee im Oscar preisgekrönten Film „Ein Mann und eine Frau", Ann Margret in „Brutale Schatten", oder Catherine Deneuve in „Die Entfesselten“, und „Eine politische Liebesaffäre".

Bericht Rallye Monte Carlo 1982



Der gute Mann war in mehr als 130 Filmen zu sehen und für die jüngeren Cineasten sei sein vorletzter Film 2012 erwähnt: Liebe (Amour). Besagter Trintignant hatte also 1982 in Monte Carlo mit strammen 52 Jahren noch immer Benzin im Blut – und eine Dame am Beifahrersitz: Marianne Höpfner, Zweite der Himalayarallye 1980 und später . im Jahr 2000 auch die dritte und letzte Frau des Weltstars. Vielleicht wäre es ja besser gewesen, er hätte die zukünftige Gattin fahren lassen, aber Rang 51 vor 40 weiteren Piloten war ja auch nicht ganz schlecht und ein netter Seitenblick, oder?

Zurück zu den Profis und den gesamt fast 300 gestarteten Teilnehmern. Walter Röhrl ließ schon am ersten Tag die Konkurrenten verzweifeln,- mehr als eine Minute Vorsprung auf Teamkollegen Jochi Kleint, Michelle Mouton fast zweieinhalb Minuten zurück und noch vor Mikkola. Im Ziel lagen Röhrl/Geistdörfer mit Heckantrieb im Ascona fast schon peinliche 3:49 Minuten vor dem Allradpiloten Hannu Mikkola und gut 12 Minuten vor dem Dritten, dem französischen „ Genie im Porsche“ Jean Luc Therier.

Und „der Lange“ meinte damals eher humorlos: „Audi ist über die eigene Unfähigkeit gestolpert, war unprofessionell und außerdem hat die Mouton einen Röhrl-Komplex." Tatsächlich hatte der Deutsche bei der Monte 1980 die rassige Französin in einigen Sonderprüfungen nicht nur ein- sondern auch überholt... Drei Wochen später setzte man bei Audi auf Stig Blomquist der prompt diesen zweiten WM-Lauf gewann,- aber Röhrl als Dritter hinter Vatanen baute seine Führung in der Weltmeisterschaft aus!

Beim nächsten Mal erzähle ich euch vom ersten gemeinsamen Filmeinsatz mit dem legendären Rallye-Filmer Helmut Deimel.

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