Erinnerungen eines Sportreporters | 02.01.2026
Abschied von der „Jänner“
ORF-Legende und motorline-Kolumnist Peter Klein blickt voller Wehmut zurück auf seine letzte Jännerrallye 2006 und verrät, wen er 2026 ganz oben in seiner Liste der möglichen Sieger stehen hat.
Ich gebe gerne zu: Es war ziemliche Wehmut in mir, als ich am 4. Jänner 2006 zu meiner letzten Jännerrallye nach Freistadt fuhr.
Vierzehn Tage zuvor war ich noch bei der Firma Castrol zu einer Weihnachtsfeier eingeladen und hatte mit dem großen Gönner des heimischen Motorsports, mit Hannes Meisenbichler das Wort gepflegt. Er half den Motorsportlern wie er nur konnte - doch auch für ihn war seine Laufbahn zu Ende und rund zehn Jahre später leider auch sein Dasein. Ich bin sicher, die älteren Leser von motorline.cc erinnern sich an „Häuptling Silberlocke“ der über Jahrzehnte ein Begriff in der Szene war.
Und ich erinnere mich besonders an die extrem hohe Teilnehmerzahl, es waren sicher weit mehr als 100 Nennungen eingegangen. Internationale Piloten wie Stig Blomqvist aus Schweden, Finnlands Jani Paasonen, Toto Wolff hatte damals mit der Formel 1 noch nichts am Hut, wie gewohnt eine Armada aus Tschechien, angeführt von Vaclav Pech und Jan Kopecky, auch Herman Gassner durfte nicht fehlen. Dazu die heimische Phalanx, angeführt von Raimund Baumschlager, der auch logischer Favorit war. Selbst Rallycrosser Herbert Grünsteidl ließ sich mit 61 Jahren einen Start mit dem geliebten BMW 2002 Ti nicht nehmen und der Junior Franz sorgte dafür, dass ein Wittmann unbedingt am Start war. Es fehlte eigentlich nur Manfred Stohl, doch der hatte in diesem Jahr nicht nur ein volles Programm in der Rallye-Weltmeisterschaft, 2006 sollte auch sein erfolgreichstes Jahr werden.
Und dennoch verblüffte mich bei dieser enormen Anzahl von Klasseleuten einer ganz besonders: Achim Mörtl der mit Sigi Schwarz und einem seriennahen Gruppe N Subaru am Start war. Es waren extrem schwierige Bedingungen, von trockenem Asphalt über Glatteis und Schnee wurde alles geboten und Achim quälte Baumschlager trotz PS-Unterlegenheit mit etlichen Bestzeiten. Dass Raimund am Ende siegreich blieb, war keine Überraschung - dass Mörtl aber Gesamtzweiter wurde und souverän die Gr. N gewann, war dennoch sensationell.
20 Jahre später interessiere ich mich für den heimischen Rallyesport eher distanziert - zu sehr sind Vergangenheit und Gegenwart in mir verankert. Dennoch will ich zur nunmehr 39.Jänner-Rallye meine Meinung niederschreiben.
Ich finde, dass der Veranstalter, also der Rallye Club Mühlviertel ganz Großartiges für die Rallye, aber auch für die Fans leistet! Keine Ahnung, ob sich der Livestream rechnet - aber mit dem ORF ist ohnedies kein Staat mehr zu machen. Man hält dort nur die Hand auf und die Gegenleistungen sind sehr bescheiden - also viel Glück und Erfolg mit der Neuerung, die diversen PR-Clips waren erfreulich.
Das Nennergebnis finde ich diesmal aber leider nicht so gut, im Vergleich z.B. zur Herbstrallye 2025. Auch wenn Mads Östberg und Romet Jürgenson als tolle Attraktion präsentiert werden (jeder Krämer lobt seine Ware), fehlt es doch an breiter Qualität (siehe Teilnehmer wie Pech, Cerny, Kopecky usw.)
Für mich ist es auch ein wenig rätselhaft, dass sich vor dem ersten WM-Lauf in Monte Carlo und den französischen Alpen keiner zu Testzwecken nach Oberösterreich begibt. So ist für mich das Trio Lengauer, Wagner und Neubauer klar zu favorisieren - wobei ich Hermann den Sieg von Herzen gönnen würde! Lengauer ist zwar der Lokalmatador - dennoch habe ich diesmal einen Piloten ganz oben auf meiner Liste stehen: Simon Wagner, der 2025 gleich einige Highlights gesetzt hat und der die „Jänner“ endlich mal gewinnen sollte…..


















