RALLYE

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Erinnerungen eines Sportreporters
Fotos: Jellinek/ Techn. Museum Wien, Rudi Wallner, Stohl privat

Waldviertel will never die!

ORF-Legende und motorline-Kolumnist Peter Klein freut sich auf die bevorstehende neue Grasl Rallye Horn - ehe er dort mit den Veranstaltern sprechen möchte, erinnert er sich an die guten alten „Semperit“-Zeiten…

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Bei meinen Recherchen zu diesen Erinnerungen habe ich zufällig erfahren, dass selbst Jochen Rindt einst eine Semperit-Rallye bestritten hat. Das war im Mai 1962 und Jochen pilotierte mit Startnummer 72 eine Alfa Giulietta!

Ich liebe das Waldviertel und seine Rallyes, die manchmal raue Landschaft, das Kamptal, Horn, den Herrensee, den Dorfwirt in Litschau, das Feriendorf in der Hausleitn wo ich unzählige Nächte verbracht habe und den Golfplatz in Haugschlag. Aber Golf spielte in meinem beruflichen Leben damals noch keine Rolle…

Zwei Jahre später, also 1964 wurde es die „Internationale Semperit-Rallye“ und führte von Bregenz nach Wien.

Aber zurück ins Waldviertel und zu meinen Erinnerungen an geradezu legendäre Sonderprüfungen. An den Langauer Forst, Hollenbach, Niederedlitz oder Waidhofen. An Pfaffenschlag, Hörmans, Hohenwart oder Ranzles. An die Krokodilbar in Waidhofen, in der es tatsächlich lebende Krokodile zu bestaunen gab und die Bar oft verschärft in Angriff genommen wurde. An den alten Würstelstand am rechten Straßenrand auf dem Weg Richtung Heidenreichstein, der inzwischen fast schon ein Gourmetrestaurant wurde.

Vor allem aber an die liebenswerten Verrückten des MSC Purkersdorf, die diese Rallye rund zehn Jahre nach der Ölkrise 1981, also vor 45 Jahren wieder zum Leben erweckt hatten. Das Engagement war schier grenzenlos, jeder Bauernhof wurde kontaktiert, die Gemeinden animiert und ein wirtschaftlicher Aufschwung versprochen – der mit der Zeit auch tatsächlich stattfand.

An den Kellner Hans, der mit Rudi Wallner und viel Herzblut die „Semperit“ zum Highlight des Jahres gemacht hatte.

Aber nicht zu vergessen die unzähligen Helfer, ohne die eine derartige Veranstaltung nie hätte stattfinden können. Stellvertretend möchte ich die Brüder Groyer und vor allem Bernhard Kern erwähnen, die sich oft auch die Nächte um die Ohren geschlagen hatten. 1981 gab es vorerst nur vier Rallyes, doch zumindest fünf waren vorgeschrieben. Und so meinte Hans Kellner im Rahmen eines Abends im Badener Rallyeklub launig: „Na dann machen wir halt einen fünften Lauf“ – doch niemand glaubte so recht daran.

Bis der gute Hans gleich zwei Top-Sponsoren an Land zog, nämlich Semperit und Henkel. Und so wurde das Perlige zum Co-Sponsor und Semperit zum Namensgeber der wahrscheinlich traditionsreichsten Rallye unseres Landes.

Georg Fischer durfte sich mit Co-Pilot Michael Weinzierl nicht nur über den Sieg im Waldviertel, sondern auch über den Meistertitel freuen.

Unvergessen bleibt für mich 1985 das Antreten des zweifachen Weltmeisters Walter Röhrl mit einem weit über 500 PS starken Audi Quattro S1. Walter gewann alle 20 Sonderprüfungen und ich erinnere mich noch heute an meinen fassungslosen Kameramann Ewald Zechner, der fast beschämt meinte: „I hob eam ned daschwenkt“ als der Quattro mit deutlich mehr als 200 km/h an uns vorüber sauste.

Zwei Jahre später gab es knapp 100 Nennungen und eine wahre Flut an Audis. Rudi Stohl war am Höhepunkt seiner Popularität angelangt, zum zweiten Mal Österreichs „Motorsportler des Jahres“ geworden und seine Medienpräsenz war so manchem Konkurrent ein Dorn im Auge. „Diesmal musst du ordentlich trainieren Rudi“, sagte ich zu ihm. Stohl war bekannt dafür wie sein großer Freund Röhrl, die Sonderprüfungen vorab äußerst sparsam zu bereisen. Und so machten sich Stohl und sein Co-Pilot Ernst Rohringer ein wenig murrend auf den Weg ins Waldviertel, um die Sonderprüfungen doch dreimal zu besichtigen.

Neben Stohl war auch Argentiniens Jorge Recalde mit einem Audi Coupe Quattro am Start, Wittmann und Italiens Alessandrini mit Lancia Delta HF, Ungarns Hero Attila Ferjancz ebenfalls mit Audi Coupe, Sepp Haider mit seinem spektakulären Opel Kadett, Wilfried Wiedner und der Finne Verimaa mit Mazda 323, Staatsmeister Fischer und  Graf Ernst Harrach mit Audi Quattro 200 und im Ziel gab es dann doch die Überraschung: Hinter dem Sieger Jorge Recalde aus Argentinien wurde Stohl Zweiter vor Harrach, nachdem Wittmann als Führender ausgefallen war.

Man könnte unzählige Romane über die „Semperit“ schreiben, über bis zu 100.000 Rallyefans die alljährlich ins Waldviertel pilgerten. Zuschauerzahlen, die sich die heutige Generation gar nicht vorstellen kann. Die Gastronomie blühte förmlich auf, die Nächtigungszahlen Anfang November fast genauso unfassbar hoch wie der Bierkonsum und die Würsteln, die bei den Standeln der freiwilligen Feuerwehren verzehrt wurden. Sogar die Kamerateams des ORF wurden herzlich willkommen geheißen und die Sendezeiten einer einzigen „Semperit“ im Fernsehen auf ORF 1 entsprach zumindest einer Jahressendezeit von 2025.

Unvergessen ist für mich auch das Jahr 2001, als es für Toyota gleich einen doppelten Erfolg gab. Da war eine ganze Saison lang ein beinhartes Duell zwischen Altmeister Franz Wittmann - der unbedingt noch einmal Meister werden wollte – und Raphael Sperrer, der mit seinem Renault Großartiges zu leisten imstande war. Der Oberösterreicher durfte nicht gewinnen - das war die Ausgangsbasis für Wittmann, der mit einem klugen Schachzug Manfred Stohl ins Boot und zu Toyota brachte.

„Stohlito“ siegte damals mit Peter Müller im Toyota Corolla mit knapp zehn Sekunden Vorsprung auf Franz Wittmann der sich mit Rang Zwei seinen letzten Meistertitel punktegleich vor Sperrer sicherte. Was folgte waren die grandiosen Siege eines Raimund Baumschlager, den ich im Waldviertel bald wieder treffen werde!

Denn nun soll es quasi eine Wiederauferstehung geben. Denn da gibt es wieder zwei „Rallyeverrückte“, die eine derart große Veranstaltung, die TOYOTA-Keusch Grasl-Rallye auf die Beine gestellt haben und bereits heute für 2027 planen. Persönlich kenne ich die beiden noch nicht, der Name Hermann Haslauer ist mir aber geläufig. Das ist jener Mann, mit dem Rudi Stohl vor rund 15 Jahren einige Male als Co-Pilot gefahren ist. Und der Zweite, Max Maier, ist zuletzt mit einem elften Gesamtrang in einem RC4 Peugeot im Land der 1.000 Hügel Rallye angenehm aufgefallen. Mit diesen beiden Veranstaltern muss ich unbedingt das Wort pflegen, über die Beweggründe und ihre Zukunftspläne. Davon erzähle ich euch in ein paar Tagen.

In meinen Erinnerungen bleiben aber auch zwei Männer, die das Herzstück der „alten Semperit“ waren und die leider schon von uns gegangen sind: Helmut Grünwald, bei dem im Rallyezentrum alle Fäden zusammenliefen und dessen Mokka immer einen medizinischen Geruch verströmte und Heinz Marihart, der legendäre Pressechef der Semperit mit dem ich so manches „Gedeck“ genommen habe.
 

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