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Erinnerungen eines Sportreporters
Fotos: Peter Klein privat, Harald Illmer

Dobersberg und die First Lady

Mit einem Blick voraus auf die kommende Herbstrallye erinnert sich motorline.cc-Kolumnist Peter Klein an Dobersberg, an die Semperit-Rallye und einiges mehr…

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Die Herbstrallye rund um Dobersberg im nördlichen Waldviertel steht heuer noch auf dem Programm und blitzartig tauchen in meinen Gedanken Erinnerungen an    „damals“ auf.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich in meinem Leben durch Dobersberg gefahren bin - zu den diversen Sonderprüfungen der einstigen Semperit- und später Waldviertelrallye.

In dieser Marktgemeinde leben aktuell rund 1.500 Einwohner und dieses Gemeindegebiet umfasst Ortschaften, die den langjährigen Rallyefreunden das Herz schneller schlagen lässt. Merkengersch, Hohenau, Reibers, Reinolz, Schupertholz und Riegers - na, könnt ihr euch erinnern?

Vor 40 Jahren war die Semperitrallye der Jahresabschluss der heimischen Meisterschaft, es gab mehr als 90 Nennungen, Wilfried Wiedner war mit seinem Audi Quattro A2 der klare Favorit, seine ersten Gegner waren Ungarns Nummer 1 Attila Ferjancz, ebenfalls mit einem Audi und natürlich Sepp Haider mit dem legendären Manta 400. Gleichfalls mit einem Opel Manta 400 der damals 26-jährige Raimund Baumschlager, Gaby Husar war mit ihrem Porsche 911 eine gefährliche Außenseiterin und ist auch heute noch Österreichs First Lady im Rallyesport.

Es gab bei dieser 6. Semperitrallye nicht weniger als 27 Sonderprüfungen, die der Organisator, Hans Kellner, perfekt vermarktet hatte. Natürlich fuhr man die oben erwähnten Sonderprüfungen inklusive Merkengersch. Aber Sponsoren wollten zufrieden gestellt werden und so fuhr man eben die Prüfungen Scharlachberg, Jim Beam, Castrol GTX3, Semperit, Bilstein usw
.
Rallyelady Gabi Husar lag zur Halbzeit noch an sechster Stelle – doch in SP 14 kam unverhofft der Ausfall, rund 50 Prozent kamen nicht ins Ziel nach Waidhofen.

Wilfried Wiedner, der mit Co-Pilot Franz Zehetner im Jahr zuvor mit seinem Audi Quattro A2 beim WM-Lauf in Argentinien den sensationellen zweiten Rang erreichen konnte, gewann im Waldviertel deutlich vor Ferjancz und Sepp Haider.

Aber nicht nur die Rallye alleine ist in meinen Erinnerungen, das Waldviertel hatte schon damals neben den legendären Sonderprüfungen, der Krokodilbar, der Konditorei in Heidenreichstein und dem Würstlstand am Straßenrand mehr zu bieten.

Aus Dobersberg, wo sich auch heuer der Servicepark der Herbstrallye befindet, stammt eine tatsächliche „First Lady“  – und zwar eine First Lady von Österreich und das kam so:

Vor rund 72 Jahren kam in Dobersberg Margot Löffler zur Welt und diese hochbegabte junge Frau machte Karriere. Sie studierte Slawistik und spricht heute noch perfekt die russische Sprache. Nach ihren diplomatischen Stationen in Moskau und Bangkok wurde sie Mitarbeiterin des Generalsekretärs im Außenministerium und das war damals Thomas Klestil. Bald schon waren zarte Bande gesponnen und die Dame aus Dobersberg leitete später den erfolgreichen Wahlkampf zur Bundespräsidentenwahl 1992 .

Während der ersten Amtszeit wurde das Verhältnis mit dem verheirateten Bundespräsident öffentlich, Edith Klestil trennte sich 1994, im September 1998 wurde die Ehe geschieden und schon drei Monate später ehelichte Bundespräsident Thomas Klestil seine Margot Löffler und so wurde aus dem Mädl aus Dobersberg für rund fünfeinhalb Jahre Österreichs „First Lady“.

Genug Vergangenheit, ich freue mich heute schon auf die Herbstrallye 2026 am 23:/24. Oktober mit rund 100 Teilnehmern. Darunter auch Raimund Baumschlager der vor 40 Jahren mit seinem Manta 400 nicht ins Ziel gekommen war. Vielleicht schafft der nunmehr 66-jährige Oberösterreicher nicht nur das Ziel, sondern einen weiteren Sieg bei der 29. Auflage in Dobersberg. Und außerdem will ich wissen, ob es nicht eine Neuauflage der einstigen „Semperit“ geben kann.

Morgen fragt keiner nach dem gestern
Der schönste Morgen bringt das Gestern nicht zurück
Das Gestern kommt nie wieder
Vergangenheit vergeht nicht
Wenn die Vergangenheit durch die Gegenwart erst schön wird.
Die Vergangenheit ist nie vorbei
Walter Ludin, Aphoristiker

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