Erinnerungen eines Sportreporters | 22.09.2026
3580 Mörtersdorf
ORF-Reporterlegende und motorline.cc-Kolumnist Peter Klein hat sich die neue Toyota Keusch Grasl Rallye Horn vor Ort angesehen und dort einen schönen Tag verbracht…
Knapp 140 Einwohner hat diese Katastralgemeinde und ausgerechnet dort, irgendwo nahe Horn, wollte ich Österreichs Rallye Staatsmeister zu seinem Titelgewinn gratulieren und eine neue Rallye entstehen sehen.
Die Fahrt ins Waldviertel hat sich auch nach 48 Jahren nicht geändert. Mein Navi sagt, dass es bis Mörtersdorf 118 Kilometer sind und eine Fahrtzeit von rund eineinhalb Stunden einzuplanen ist. Von Baden durchs lauschige Helenental, vorbei am Stift Heiligenkreuz der Zisterzienser, welches schon seit dem Jahr 1133 besteht, bei Alland rauf auf die Autobahn. Ich werde mir Zeit nehmen, bin ich doch extra schon zeitig früh aufgestanden und es gibt einiges zu überlegen.
Ich rolle mit rund 100km/h auf der Westautobahn dahin, vor St. Pölten rechts Richtung Krems. Manchmal lohnt es sich, ein wenig zu trödeln und so fällt mir auf, wie grün es an beiden Seiten eigentlich ist. Als ich über die Donau fahre gehe ich noch einmal alle Fragen durch, die mich beschäftigen.
Gut, Herman Neubauer als aktueller Staatsmeister mit Toyota - er hat beinahe schon eine Verpflichtung, bei der ersten Toyota Keusch-Grasl Rallye Horn an den Start zu gehen. Aber warum Raimund Baumschlager? Und: Was bewegt eigentlich zwei Männer, dass sie solch ein Unterfangen wie eine Rallye-Veranstaltung wagen? Warum tut man sich die Arbeit an, Sonderprüfungen zu erforschen, Genehmigungen einzuholen, die Verantwortlichen der Gemeinden zu überreden, Sponsoren zu finden, Freiwillige Feuerwehren und Helfer einzubinden und vielleicht sogar eigenes Geld zu investieren?
Wie kam es zu einer Partnerschaft zwischen Hermann Haslauer und Max Maier? Nun, beide fahren Rallyes mit Leidenschaft und Max Maier betreibt als Juniorchef den elterlichen Kfz-Betrieb in Mörtersdorf Nummer 12. Man kann dort nicht nur vertrauensvoll sein Auto reparieren lassen, sondern auch rennfertige Rallyeautos mieten.
Die Gegend hier ist anders, als ich es vom Waldviertel rund um Waidhofen gewöhnt bin. Nicht eben, eher hügelig und dennoch schön. Mit der Austrian Rallye Challenge soll hier begonnen werden – und schon bald ein Lauf zur Staatsmeisterschaft entstehen. Aus rund 80 Sonderprüfungskilometern sollen schon bald 140 werden und auch eine Zweitages-Veranstaltung müsste es dann sein.
Schon der erste Eindruck überrascht positiv! Alles scheint toll organisiert zu sein, die vielen freiwilligen Helferlein sind streng aber korrekt und es gibt reichlich Platz für Serviceplätze, Zielbereich, Zeitkontrolle und Rallyefans. Ich treffe den taffen Max Maier, der einen besonders harten Tag erlebt - als Organisator, Veranstalter und Teilnehmer. Dennoch findet er kurz Zeit für die wesentliche Frage: Was soll hier entstehen? „Vorerst ein Lauf zur heimischen Rallye Challenge, später kann man über einen ÖM-Lauf nachdenken, die notwendigen Sonderprüfungskilometer wären vorhanden.“
Ein kleines Dorf kann soviel bieten - und welche Historie hat dieser Ort ? Auf Wikipedia erfährt man, dass die Bezirkshauptstadt Horn nur 7 Kilometer entfernt ist. Dass Mörtersdorf schon zur Bronzezeit belegt war und in der Neuzeit der Herrschaft Horn und Rosenburg angehörte. Und dass die Einwohner schon immer ein tapferes Völkchen waren, wurde doch 1815 in einem Wirtshaus der gefürchtete Räuberhauptmann Johann Georg Grasel festgenommen. Das Wirtshaus gibt es auch heute noch und der „Grasel-Wirt“ bietet nicht nur reichlich Platz für Gäste, sondern auch köstliche Riesenportionen und feine Getränke. Auf dem Weg zur dringenden Notdurft passiert man dann auch den eingekerkerten Räuber Grasel, neben dem hübschen Kinderspielplatz eine weitere Attraktion des Hauses.
Für die Rallyefans gibt es nicht nur Shuttle und gut ausgewählte „Actionpoints“, sondern auch Hubschrauberflüge - der Andrang war enorm. Die Sonderprüfungen selbst sind sauschnell und anspruchsvoll, wie auch der Staatsmeister 2026 meint: „Du musst sehr exakt fahren, die Bremspunkte genau erwischen - sonst braucht man den Notausgang oder es geht ab ins Feld. Ich erreiche hier knapp 190 km/h Höchstgeschwindigkeit“, erzählt mir Hermann Neubauer. Raimund Baumschlager nutzt diese Rallye vor allem, um weitere Entwicklungen zu testen und auch der Rekordmeister bestätigt Neubauers Meinung.
Die Rallye selbst verlief plangemäß, es gab nur einmal eine sechsminütige Verspätung und der Veranstalter hatte auch sehr erfahrene Leute ins Boot dieses ersten ARC-Laufes geholt. Dass mit Hermann Neubauer auf Toyota der logische Sieger zu erwähnen ist, wird nicht nur den Hauptsponsor, sondern auch den heuer besonders erfolgreichen Teamchef Martin Zellhofer freuen. Dass der junge Daniel Mayer den Oldie Baumschlager um Rang zwei so lange fordern konnte hat doch überrascht. Auch der sechste Platz von Luca Waldherr im RC4 Opel Corsa sei lobend erwähnt, wie die Premiere in Mörtersdorf selbst.
Und ich denke, die Veranstalter sollten nicht sofort den Sprung in die ORM wagen, sondern in Ruhe noch ein oder zwei Mal in der ARC bleiben. Die erste Toyota Keusch Grasl Rallye war zweifellos ein Erfolg, eine Fortsetzung ist nur wünschenswert und wird von der Bevölkerung gerne angenommen.
Die Show war toll, die Piloten mit verdientem Applaus bedacht und zwar vom Sieger bis zum letzten Teilnehmer. Denn auch der liebevoll gepflegte Käfer von Zack/Schierleitner wurde gerne gesehen und manchmal zählt der olympische Gedanke noch immer: Dabei sein ist alles!


















