RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
Erinnerungen eines Sportreporters
Fotos: Porsche, Archiv Peter Klein

No room available!

Der legendäre ORF-Reporter und motorline.cc-Kolumnist Peter Klein blickt voller Vorfreude der Herbstrallye entgegen - eine emotionale Rückkehr ins Waldviertel…

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Gut zwei Wochen vor der Herbstrallye hatte ich mich entschlossen, wieder mal ins Waldviertel zu reisen. Von meinem so erfreulichen Besuch bei der Grasl-Rallye in Mörtersdorf animiert, wollte ich jetzt auch beim Finale der Austrian Rallye Challenge rund um Waidhofen/Thaya dabei sein.

Für motorline.cc war der erste Bericht schon online und der Reiz, wieder mal die legendären Sonderprüfungen der alten „Semperit“ zu sehen ist dementsprechend groß. Dort, wo einst Walter Röhrl vor mehr als 40 Jahren mit seinem Audi Quattro zigtausende Menschen begeisterte - dort will ich wieder hin!

Für einen älteren Herren, der einst Wien-Athen am Stück gefahren war, sind 320 Kilometer an einem Tag schon etwas strapaziös - außerdem bin ich mit meinen 80+ schon recht bequem geworden…

Auch möchte ich die Fahrt durchs Kamptal in Ruhe genießen und mich an der Stätte meines einstigen Wirkens in Ruhe zwei Tage lang umsehen. Pressechef Noir ließ mich wissen, dass es über 100 Nennungen gäbe, darunter gar Raimund Baumschlager – und das machte mich nachdenklich. Das bedeutet, dass praktisch zumindest rund 500 Menschen ein Bettchen benötigen, was also kurzfristig tun?

Egal, dachte ich, das Waldviertel ist es mir wert und ich richtete eine Anfrage an das teuerste Hotel in Waidhofen/Thaya, wo ein Einbettzimmer mit 105 Euro kein Schnäppchen ist. Die Antwort kam prompt: KEIN  ZIMMER  FREI!

Als TV-Redakteur habe ich aber gelernt, hartnäckig zu sein, begann stundenlang zu recherchieren, bis ich endlich mein Zimmer für zwei Nächte gesichert hatte. Litschau ist den älteren Rallyefans ein Begriff und den Gastronom Kaufmann am Hauptplatz gibt es auch noch! Dieses Gasthaus besteht seit über 200 Jahren und wer dort einmal die gefüllten Rindsrouladen mit Erdapfelknödel oder den Zwiebelrostbraten verzehrt hat, kommt gerne wieder.

Man schrieb das Jahr 1985 und es gab damals noch die Gruppe B PS-Monster jenseits 500 PS, als der oben erwähnte Walter Röhrl als zweifacher Weltmeister das Waldviertel beehrte. Dass er alle 24 Sonderprüfungen gewann klingt auch heute noch selbstverständlich.

Österreichs Top-Piloten reihten sich zwar artig hinter dem Meister ein, ließen der erstaunlich starken Konkurrenz aus Finnland, Deutschland, Schweden, Großbritannien usw. keine Chance. Und in der seriennahen Gruppe A tobte lange ein Zweikampf Franz Wittmann im Golf gegen Rudi Stohl im Audi vor einer Armada internationaler Top-Piloten.

Die Atmosphäre im Waldviertel war für alle Teilnehmer beeindruckend. „De Leit, a Waunsinn, de Prüfungen a Haumma“, erzählt Rudi noch heute und erinnert sich: „Do bin i amoi ogflogn, mid olle vier Radln in da Heh auf an Hügl gstandn bis mi a poa Leit obegschobn hobn…“

Wittmann blieb sechs Sekunden vor Stohl auf dem fünften Gesamtrang und gewann so die Gruppe A – Christoph Dirtl wurde mit Respektabstand Dritter in seinem Ford Escort RS.

Man könnte tatsächlich ein dickes Buch über die Rallyes im Waldviertel schreiben. Über unfassbare Regenfälle. Über den Wintereinbruch am zweiten Tag, als einfach abgebrochen werden musste. Über zigtausende Fans. Über freiwillige Feuerwehren, die mit Burenwurst und Bierverkauf einen Jahresumsatz erreichten.

Auch Österreichs First Lady im Rallyesport Gabi Husar erzählt: „Das Waldviertel war jedes Jahr das Highlight schlechthin, die Schotterprüfungen ein Traum, die Fans ein Wahnsinn und die Leute generell liebenswert.“ Und so nebenbei erfahre ich, dass Gabi eigentlich Waldviertlerin ist, also eine halbe, eigentlich nur ein Viertel, weil ja die Oma aus dem Waldviertel stammte. Gleich wie, Gabis Drifts sind unvergessen und wer erinnert sich nicht an den schönsten Porsche aller Zeiten?

Mit all diesen Erinnerungen werde ich mich am Donnerstag, den 22. Oktober auf den Weg ins Waldviertel machen und vielleicht so manchen Weggefährten treffen. Ich bin neugierig auf den Flugplatz in Dobersberg, auf die Rallye, auf die Prüfungen. Ich will wissen, wieso die „Herbstrallye“ einen derartigen Zuspruch findet und man Mühe hat, ein Zimmer zu bekommen.

Ich werde es euch bald erzählen.

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

Erinnerungen eines Sportreporters

Weitere Artikel:

ARC Rallye Triestingtal 2027

Gschwandner: „Es wäre angerichtet…“

ARC-Obmann Georg Gschwandner hat in seiner Rolle als Veranstalter der ARC Rallye Triestingtal ein Presse-Statement veröffentlicht. Nach dem großartigen Comeback 2026 kämpft die Rallye ums Überleben…

MRC, 3 Städte Rallye: Bericht

Von Thurn und Taxis gewinnt MRC-Wertung

Starke Leistung von Albert von Thurn und Taxis/Jara Hain auch mit Platz 2 der Gesamtwertung der 3-Städte-Rallye. Pech für den 7-fachen Mitropa Rally Cup Gewinner Hermann Gaßner Sr.

WRC, Sardinien: Bericht Raith Tag 2

Hoher Spaßfaktor im Ford-Fiesta-Cockpit

Kevin Raith und Copilotin Claudia Maier haben den zweiten Tag der WM-Rallye in Sardinien als 24. unter 51 Teams erfolgreich absolviert / Die Schotter-Prüfungen verlangen Mensch und Material alles ab

3 Städte Rallye: Bericht

Neubauer deklassiert DRM-Spitze

Beim Comeback der 3 Städte Rallye triumphierte Hermann Neubauer über die versammelte DRM-Spitze. BRR-Pilot Albert von Thurn und Taxis fuhr sensationell.

ARC, Herbstrallye 2026: Nennliste

Sensationelle Nennliste! 119 Teams!

Sensationelles Nennergebnis für die Herbstrallye 2026 (23. & 24. Oktober): Satte 119 Teams haben ihr Kommen angekündigt. Die Veranstalter sind ob des hohen Zuspruchs überwältigt…

ORM- & ORM2-Champions dabei

Comeback der 3 Städte Rallye

Beim Comeback der 3 Städte Rallye (8. bis 10. Oktober) sind Österreichs zurzeit erfolgreichen Fahrer und Teams am Start, darunter die beiden Staatsmeister Neubauer und Zellhofer.