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Erinnerungen eines Sportreporters
Fotos: Daniel Fessl, Harald Illmer, Peter Klein

Finale am Dreiländereck

In seiner jüngsten motorline-Kolumne berichtet der frühere ORF-Reporter Peter Klein von seinem Ausflug zur Herbstrallye.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Ich hätte nie gedacht, dass mich eine Rallye der zweiten Kategorie , also ein Lauf der Austria Rallye Challenge noch einmal so interessiert, dass ich mich am frühen Morgen mit Infos über Dobersberg und Umgebung schlau mache.

Ausschlaggebend war natürlich die Premiere der „Grasl Rallye“ Mitte September und dann schwärmt der gute Michael Noir von motorline.cc von der Herbstrallye im Waldviertel, wo ja schon einige Profis der WM am Start waren.

Und jetzt dieses Nennergebnis, unglaubliche 119 Fahrer und ebenso viele Co-Piloten aus fünf Ländern haben für das Finale genannt, eine echte Sensation - über meine Zimmersuche habe ich hier ja schon berichtet. Und ich hätte auch nie gedacht, dass ich, als Sportredakteur im Ruhestand, mich noch mit Marktgemeinden, mit Kultur- und Sehenswürdigkeiten sowie deren Persönlichkeiten auseinandersetzen werde.

Und so bin ich auch auf den Titel dieser Geschichte gekommen, denn Dobersberg liegt ja im nördlichen Waldviertel und wird von der Thaya durchflossen. Nordwestlich davon liegt der nach Tschechien hineinragende Zipfel des rund 680 Meter hohen Berges „Hoher Stein“ – was mich in meiner aktiven Zeit herzlich wenig interessiert hatte.  Am Fuße des Berges befindet sich das historische Dreiländereck zwischen Österreich – Böhmen und Mähren. So ist es zumindest auf Wikipedia zu lesen und es beweist, dass ich mich intensiv auf dieses Rallye-Finale vorbereitet habe. Über das „Gspusi „ der Dobersbergerin Margot Löffler und dem späteren Bundespräsident Thomas Klestil habe ich auch schon berichtet. Und so bleibt neben der Großveranstaltung Rallye nur noch der Hinweis, dass die Sektion Herrenturnen jeden Donnerstag ab 19 Uhr 30 in der Mittelschule von Dobersberg zum wöchentlichen Gruppentraining im Turnsaal einlädt, auch 36 Stunden vor dem Start der Herbstrallye 2026.

Ich wähle bewusst nicht den direkten Weg, den mir das Navigationssystem vorgibt. Ich fahre über Krems, vorbei am prächtigen Golfplatz Längenfeld, der mir auch schon ein paar Bälle gekostet hat. Langenlois und dann durchs Kamptal Richtung Gars - ich liebe einfach diese Gegend, auch wenn es zwischendurch ein wenig nieselt.

Die Namen der Piloten gehen mir durch den Kopf. Warum fährt ein Baumschlager im Waldviertel, warum Vater und Sohn Zellhofer? Gut, für die Tschechen Tomek und Cerny ist es fast nur ein Katzensprung, aber die Teams von Gassner und Schelle können schon beachtliches Kilometergeld verrechnen.

Apropos, die Rallyegemeinschaft Waldviertel als Veranstalter, allen voran Roman Mühlberger und Mario Popp, dürfen sich über ein beachtliches Nenngeld freuen. Da muss im Vorfeld viel Positives geleistet worden sein, wie auch schon in den Jahren davor.
Mein Quartier ist in Litschau im Feriendorf „Königsleitn“. Das Zimmer ist eher klein, dafür ist die Küche im Dorfwirt haubenverdächtig. Die Karotten/Ingwer Schaumcremesuppe schmilzt am Gaumen wie köstliches Tichy-Eis im Sommer und die Weinauswahl ist sehr zufriedenstellend. Sorry, das alles muss ich erwähnen, doch nun zur Rallye.

Am Tag vor dem Start besichtige ich zwei Sonderprüfungen nämlich SP 1 Niederedlitz und 5 Brunn-Pfaffenschlag und bin angenehm überrascht. Selbst die kleinste Lücke ist mit Sperrbändern versehen, riesige Strohballen verhindern das Abkürzen und die sogenannten „ Actionpoints“ sind wohl durchdacht – es ist also angerichtet!

Dass der junge Daniel Mayer mit dem Citroen die erste Bestzeit fährt überrascht mich doch, andererseits liegt den Mayers bekanntlich der Motorsport im Blut. Und als dann Christoph Zellhofer die dritte Zeit hinter Baumschlager aber noch vor Tschechiens Jan Cerny fährt denke ich, wir haben keinen schlechten, nationalen Nachwuchs.

Aber schon auf der 2. Sonderprüfung demonstriert Baumschlager mit einer gewaltigen Bestzeit und übernimmt die Führung. Mayer kontert zwar mit einer 2. Bestzeit und so kommt es im Verlauf zu einem wahren Krimi. Denn nun mischt sich Tschechien`s  Jan Cerny mit vier Bestzeiten in Folge ins Geschehen ein und hängt unseren Rekordmeister schwer im Nacken. Bis zur sechsten Sonderprüfung können die beiden Youngsters Mayer und Zellhofer gut mithalten – bei der Entscheidung sind sie allerdings doch schon ein wenig abgeschlagen .

Erwähnen möchte ich aber einen zweiten Senior, nämlich den heuer so erfolgreichen Teamchef von ZM Racing – Martin/Max Zellhofer, der ja auch schon den 60er auf dem Buckel hat. Zu seiner 121. Rallye (wenn ich mich nicht verzählt habe) holte er sich den ehemaligen Co von Simon Wagner in den Toyota, den gleichfalls sehr erfahrenen Gerald Winter. Max mag das Waldviertel, mag diese Veranstaltung und dass die Zwei ein kongeniales Team sind, beweist nicht nur der sechste Gesamtrang bei schonender Fahrweise, sondern auch das Bild unseres Fotokünstlers Daniel Fessl.

Die Wetterbedingungen waren sicher nicht ideal, teilweise windig und kühl, wie für das Waldviertel typisch und die Straßen lange Zeit rutschig feucht. Ich frage Raimund, warum er denn neben der ÖM auch hier in der Austrian Rallye Challenge an den Start gegangen ist. „Ich habe ja Verträge mit meinen Sponsoren und nach meiner Schulterverletzung war noch ein Lauf offen – und hier im Waldviertel fährt wohl jeder gerne!“

Neun Kilometer vor dem Ziel hat Raimund Baumschlager nur noch 2,5 Sekunden Vorsprung auf Cerny, der durch seine Bestzeitenserie kaum zu stoppen scheint. Und die Fans bekommen all das natürlich mit, es entsteht fast eine Völkerwanderung zur SP Dimling – Rohrbach. Cerny legt vor doch das Duo Baumschlager/Zeltner legt nach: „Ich habe einfach wieder mal hingehalten, bin abgerückt vom unbedingten auf der Straße bleiben“, schreibt mir Raimund nach seinem tollen Sieg. Diesmal war der Wille zum Sieg einfach größer als das Sicherheitsdenken und man kann vor dem 66-jährigen Oberösterreicher nur den Hut ziehen.

Bei der Heimfahrt versuche ich für mich ein Resümee zu ziehen und überlege, ob die Herbstrallye Meisterschaftswürdig ist, wie es die „Semperit“ einst war?

Zu den strammen 100 Sonderprüfungskilometern sind weitere 40 wohl zu finden. Zu finden wären aber auch zusätzliche Unterstützer wie zum Beispiel das „Sportland Niederösterreich“ – also politische Befürworter samt finanzieller Unterstützung.  Auch ein Großsponsor wäre von Nöten, ein Namensgeber wie einst Semperit, OMV oder Max-Mobil - sonst wäre es wohl besser, bei einer Eintagesveranstaltung zu bleiben.

Und auch die Mitarbeiter müssten weiterhin mit dem gleichen Elan, Einsatz und Fanatismus zu dieser Rallye im Waldviertel stehen – abgesehen vom Duo Roman Mühlberger und Mario Popp, das Großartiges geleistet hat.

Es sind auch die vielen „Helferlein“, die dringend benötigt werden und die viel Zeit in ihr Hobby investieren, vielleicht nur für einen Spesenersatz.
Auch vor jenen, die schon zeitig früh bei Minusgraden auf der Strecke waren und für die notwendige Sicherheit sorgten ziehe ich den Hut, denn ohne eure Begeisterung und Fanatismus für den Rallyesport geht gar nichts!

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